Vom Mörder zum Geschäftsmann
„Ein Mord, Lügen, Betrugsmanöver – o ja, es war ein grausiges Geschäft.“ Sieben Jahre später lässt Patricia Highsmith ihren Antihelden, den Mörder und Maler Tom Ripley, selbst untertauchen. „Ripley Under Ground“ ist die Fortsetzung des 1955 erstmals erschienenen „Der talentierte Mr. Ripley“, der Literaturgeschichte schrieb.
Thomas Ripley hat sich in den sieben Jahren von einem unsicheren Emporkömmling, der nichts mit seinem Leben anzufangen weiß, zu einem angesehenen Kunstsammler entwickelt. Das Malen hat für ihn selbst nicht so geklappt, und so begann er mit Hilfe des Malers Philip Derwatt und zweier Kollegen die Firma Derwatt Ltd. aufzubauen. Der Maler selbst ist längst tot, die Gemälde werden aber von einem gewissen Bernard Tufts quasi nachproduziert. Bis ihnen ein gewisser Mr. Thomas Murchison auf die Schliche kommt.
Das von Derwatt geliebte Kobaltblau auf einigen der gefälschten Gemälde war plötzlich verschwunden. Tom, wie seine französische Frau Heloise Plisson ihn liebevoll nennt, lebt mit ihr und einer Haushälterin in der Villa Belle Ombre in Südfrankreich, oder jedenfalls südlich von Paris. „Ihre Ehrbarkeit war nur ein dünner Lack, das wusste er, denn sonst hätte sie ihn nie geheiratet“, sagt Tom über sie. In der ländlichen Abgeschiedenheit von Villeperce-sur-Seine hat Tom „der Liebe abgeschworen und an ihre Stelle die Dauerhaftigkeit eines komfortablen Lebensstils gesetzt. Er gärtnert, er malt etwas, er führt eine stabile, leidenschaftsfreie Ehe“, wie Paul Ingendaay es so treffend in seinem lesenswerten Nachwort ausdrückt. Doch dann fliegt der ganze Schwindel auf. Als Murchison die Villa von Ripley betritt, schaudert es einen schon, denn man weiß, wie es ihm ergehen wird. Schon in „Der talentierte Mr. Ripley“ war der erste Mord der kaltblütigste, und in „Ripley Under Ground“ greift Tom zu einer Weinflasche statt eines Ruders, um den Hydraulikingenieur Murchison für immer zum Schweigen zu bringen.
Ripley Under Ground, Ripley unter der Erde
Verblüffend ist nicht nur die Kaltblütigkeit von Toms Mord, sondern auch, wie seine Umwelt darauf reagiert. Während sich ein gewisser Kommissar Webster eifrig an seine Fersen klebt, sind seine beiden Geschäftspartner bei Derwatt Ltd. alles andere als entsetzt. Auch Heloise reagiert wenig beherzt auf das Geständnis des Mörders Tom, ihres Ehemannes. Ob Patricia Highsmith damit sagen wollte, dass Kunsthändler über Leichen gehen, bleibt offen. Umso faszinierender ist es, wie sie es als Schriftstellerin schafft, sich ganz in der Logik des Mörders zu vertiefen und auch alles Folgende hieb- und stichfest erklärt. Ein schauriger Höhepunkt ist sicherlich das Verbrennen der Leiche Tufts, der sich aufgrund seines schlechten Gewissens ob seiner Fälschungen allerdings selbst gerichtet hat. Dennoch verbrennt Tom die Leiche, um sie dann als die Derwatts auszugeben. Denn sein Cameoauftritt als Maler Derwatt hat der Kommissar Webster zwar geschluckt, aber dennoch ist es nun das perfekte Alibi, ihn wieder verschwinden zu lassen.
Lesern des ersten Teils wird auffallen, dass sich einige Sujets und Motive wiederholen. Da wäre einmal das Verkleiden des Mörders, die Maskerade, dann auch der Ring, das Telefon u. a. Details wie das Ankleiden oder die Toilette der Protagonisten. Eine Besonderheit ist sicherlich das Kapitel in Salzburg, wo Tom seinen Bernard verfolgt, um ihn zur Rede zu stellen. Für dieses Kapitel soll Patricia Highsmith eigens nach Salzburg angereist sein. Für zusätzliche Verwirrung sorgt auch das Auftauchen des Cousins von Dickie Greenleaf, Chris. Dass Ripley selbst – wie der Titel verrät – in der Fortsetzung ermordet wird, ist ein besonderer Kniff von Patricia Highsmith, der die Spannung auf die weiteren Veröffentlichungen der Reihe noch mehr erhöht. Touché!
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