Politik

Wirtschaft und Widerstand

"Mit harter Arbeit kann es in Amerika jeder zu etwas bringen." , das besagte der amerikanische Traum. Was für unsere Großeltern vielleicht noch galt, gehört heute aber endgültig der Geschichte an. Selbst in den Jahren der Depression der 1930er-Jahre hätte es noch so etwas wie Hoffnung gegeben, schreibt der amerikanische Intellektuelle und weltbekannte Linguist Noam Chomsky, aber auch damit sei es heute "aus und vorbei". "Die heutige Ungleichheit ist nahezu beispiellos, vergleichbar nur mit den schlimmsten Perioden der amerikanischen Geschichte", so Chomsky und in zehn Kapiteln erklärt uns der MIT-Professor, warum das so ist und wohin es führen könnte, wenn nicht... Natürlich gibt auch Chomsky die Hoffnung nicht ganz auf. Denn in den Dreißigern gab es ja auch den New Deal von FDR, der die USA rettete.

Die Gründerväter der amerikanischen Demokratie

Jedes Kapitel, das Chomsky übersichtlich mit Zwischenkapiteln und Zitaten gestaltet hat, wird mit den Originaltexten am Ende des Kapitels ergänzt. So kann sich jede/r Leser/in selbst davon überzeugen, was etwa die Väter der amerikanischen Demokratie geschrieben haben. James Madison etwa wird zitiert, der dem Senat die größte Macht verleihen wollte, weil er davon überzeugt war, dass die Patrizier der jungen Republik USA ebenso am Allgemeinwohl interessiert sein müssten, wie der römische Adel es einst war. Aufgeklärte Aristokraten, die aufgrund ihrer Bildung mit Weisheit das Land regierten, das schwebte Madison dem Verfassungsvater für die USA vor, denn er wollte die "Tyrannei der Mehrheit" verhindern. Natürlich war Amerika damals eine Sklavenhaltergesellschaft und Frauen durften ohnehin nicht wählen, insofern kann man ohnehin nur von einer Oligarchie und weniger einer Demokratie sprechen. Aber auch auf das alte Athen traf beides zu.

Sklaverei und Widerstand

Die USA waren eine koloniale Siedlergesellschaft, schreibt Chomsky, "die brutalste Form des Imperialismus. Auch die amerikanische Revolution wird von Chomsky entzaubert, denn die Erhebung gegen das Mutterland Großbritannien sei vor allem von den Sklavenhalterstaaten wie Virginia ausgegangen: Sklaverei war im Commonwealth seit 1833 (Slaverey Abolition Act) für illegal erklärt worden und die (südlichen) Sklavenhalterstaaten der USA wollten dies nicht akzeptieren. Auch der Bürgerkrieg zwischen 1861 und 1865 - in dem sich der Süden und Norden der USA bekämpften - änderte nicht wirklich etwas an der Situation der Sklaven, denn die Bürgerrechte wurden erst in den Sechzigern des nächsten Jahrhunderts erkämpft. Und genau das betont Noam Chomsky immer wieder in jedem Kapitel: es wird sich nichts ändern, wenn wir es nicht tun.

"Requiem für den amerikanischen Traum" ist keine Anleitung zur Organisierung des Kampfes, aber es bietet die besten Argumente für dessen Grundlage. Eine übersichtliche Gestaltung und die Originaltexte am Ende jedes Kapitels machen diese Publikation des Kunstmann-Verlages zu einem praktischen Ratgeber in harten Zeiten. Auch wenn die Weltuntergangsuhr inzwischen schon auf drei vor zwölf steht: es kann nicht noch schlimmer werden, nur mehr besser. Wenn wir es wollen.

Requiem für den amerikanischen Traum
Noam Chomsky
Gabriele Gockel (Übersetzung)
Thomas Wollermann (Übersetzung)

Requiem für den amerikanischen Traum


Die 10 Prinzipien der Konzentration von Reichtum und Macht
Antje Kunstmann 2017
Originalsprache: Englisch
192 Seiten, gebunden
EAN 978-3956142017

Aufstieg und Untergang des Römischen Imperiums

Monarchie und Republik, Patrizier und Plebejer, Senat und Volk sind die Antipoden anhand derer Simon Baker die rund 1000-jährige Geschichte des Imperiums anschaulich und einfach erklärt.

Lesen

Hemingway: Ikone der Männlichkeit im Wanken

Blume beschreibt in ihrer Biographie über die Ikone der Männlichkeit, Ernest Hemingway, einen Mann, der zielsicher an seinem Ruhm arbeitete. Eine weitere Aufsehen erregende Legende über den Schriftsteller, Stierkämpfer und Selbstmörder.

Lesen

Die Ureinwohner Amerikas

Die USA entstanden mittels Krieg, Vertreibung und Völkermord. Die vorliegende Publikation zeigt "Amerika" ohne den weißen Mann und welche Verheerungen er nach seiner Ankunft anrichtete. Viele Illustrationen, Fotos und ein Register aller Stämme und Kriege.

Lesen

Die Reiter des Sturms auf Sturm

"The Doors", das selbstbetitelte Debüt der Rockband aus L. A. erschien vor 50 Jahren, vor dem Sommer der Liebe. John Densmore, der Drummer der Band, erzählt seine Geschichte und lässt die 1960er wiederaufleben.

Lesen

Kreative Erziehung als Schlüssel zur Zukunft?

Dieses Buch funktioniert gut als Einführung in Chomskys Werk und kann durchaus als philosophische Summe seines Lebens bezeichnet werden. In der libertären Tradition von Wilhelm von Humboldt, John Stuart Mill und Rudolf Rocker zeigt Chomsky, dass anarchisches Leben vor allem die Assoziation freier Menschen bedeutet.

Lesen

Welt im Bild

Das magnum Kollektiv für Fotografie führt durch das 20. Jahrhundert. Ein beeindruckendes Werk über die Welt in der Krise, festgehalten von den besten Fotografen der Welt.

Lesen
Graue Eminenzen der Macht
Die politische Karikatur
Lexikon der Politikwissenschaft
Schwierige Machtverhältnisse
Handbuch der Schweizer Politik
God bless America - Politik und Religion in den USA
Anatomie des Faschismus
Supergau Deutsche Einheit
CIA: Die ganze Geschichte
Politikberatung als Beruf
EU for you!
Der gekaufte Staat
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018