Portrait der Alpen

Bätzing legt nicht einen Bildband vor, der mit wirklichkeitsfremden Bildern einem die Schönheit der Alpen nahe bringen will, sondern ein echtes Portrait, das die Alpen zeigt, wie sie sind.

Bildatlas Alpen

Grand Canyon, Monument Valley und Co. in brillanten Bildern

Die faszinierenden Landschaften bekannter und weniger bekannter Nationalparks in den US-Staaten Utah, Arizona, New Mexico und Colorado fotografisch eingefangen.

Canyonland

Wandern und Spazieren in und um Zürich

In und um Zürich hat es mehr Wander- und Spaziermöglichkeiten als man denken würde. Dies beweisen die Bücher der Arbeitsgemeinschaft "Zürcher Wanderwege".

Auf Wanderwegen...

Ein wahrhaft grosser Weltatlas

Ein schwergewichtiger Weltaltlas, der ansprechend und benutzerfreundlich gestaltet ist und mehr drin hat, als man von einem Atlas erwartet.

Meyers Grosser Weltatlas

Ein Ethnologe reist durch die USA

Wenn ein Ethnologe durch die USA reist...

Back Home

Die Alpen - Eine Kulturlandschaft

Werner Bätzing, Professor für Kulturgeographie an der Universität Erlangen-Nürnberg, hat sich mit diesem Buch wahrhaft interdisziplinär mit dem Kulturraum Alpen befasst. Einleitend macht er auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam, der meist vernachlässigt wird: das spezifische Bild, das man - unbewusst - im Kopf hat, wenn man mit Hinblick auf Ökologie, Tourismus, Landwirtschaft oder Politik von den Alpen spricht. Der Autor weist dabei drei historische Alpenbilder nach, die typisch sind für die Naturwahrnehmung der jeweiligen Epochen: als Erstes die schrecklichen, gefährlichen Alpen, die "montes horribiles" der Römer; diese Wahrnehmung der Natur als bedrohlich wird lange aufrecht erhalten. Ab dem Mittelalter entsteht eine neue Sicht, die sich mit Aufklärung, Herausbildung der modernen Naturwissenschaften und schließlich Industrieller Revolution am Ende durchsetzt: die ästhetische Naturwahrnehmung, die schönen, idyllischen Alpen mit ihren scharfen Kontrasten zwischen lieblicher Kulturlandschaft und schroffen Bergen. Im 20. Jahrhundert wandeln sich die Alpen zur Freizeitarena, zur imposanten Kulisse für Bergsteiger und Skifahrer. Heute dominiert nicht mehr ein Alpenbild, sondern jede einzelne der zahlreichen unterschiedlichen Aktivsportarten hat ihre eigene Wahrnehmung der Alpen, und zwar als ideales Sportgerät. Viele Umweltschützer dagegen erheben das romantische Alpenbild des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts - die Alpen als Idylle - zur Norm und aktualisieren das antike Bild der schrecklichen Berge neu, jetzt allerdings, um die Gefahren der Umweltzerstörung auszumalen. Ihr Ideal spiegelt aber nicht die Realität, sondern ist ein Alpenzerrbild, "das alle wirtschaftlichen Aktivitäten in den Alpen ausblendet und verdrängt" (S. 18). Folgenreich ist, dass sprunghafte Naturprozesse, also Bergstürze, Muren, Hochwasser, Lawinen oder Stürme, die man gemeinhin als Naturkatastrophen bezeichnet, aus geographischer Sicht geradezu typisches Charakteristikum des Naturraums Alpen sind. Diese Dynamik ist die zentrale Eigenschaft junger Hochgebirge wie den Alpen und direkt verantwortlich für viele typische Hochgebirgsformen und charakteristische Vegetationsentwicklungen. Denn: "Auf Grund labiler Gesteinsschichtungen, steilem Relief, hohen Niederschlägen, kurzer Vegetationszeit und ausgeprägten Temperaturextremen laufen viele Naturprozesse in Form einer sprunghaften Dynamik [...] ab." (S. 42) Die Alpen wären ohne solche "Katastrophen" nicht die Alpen. Der Sachverhalt fordert allerdings besondere Sorgfalt bei Eingriffen in die Natur. Die Alpen sind in ihrer gegenwärtigen Erscheinung keine Natur-, sondern eine Kulturlandschaft, so beispielsweise die Almen. Die Waldobergrenze entspricht fast in den gesamten Alpen nicht mehr der natürlichen Baumgrenze; sie wurde vom Menschen um ca. 300 Höhenmeter nach unten gedrückt, um die wirtschaftlich wichtigen Almen zu vergrößern. Da aber diese wirtschaftliche Bedingtheit der Kulturlandschaft Alpen auch von engagierten Umweltschützern oft nicht gesehen wird, erhalten "viele richtige Kritikpunkte [...] eine falsche Stoßrichtung" (S. 18). So wiederlegt Bätzing die verbreitete Ansicht, Subsistenzwirtschaft sei natürlicher als die spezialisierte Landwirtschaft mit Produktion für den Markt, extensive Nutzungsformen seien verträglicher für die Natur als intensive, eine Ausweitung der Nutzung gehe automatisch mit einer zunehmenden Umweltzerstörung einher. Die entscheidende Frage ist, wie der Mensch die Alpen nutzt. Ein Schlüsselbegriff ist dabei die "Reproduktion", also Reparatur- und Pflegearbeiten, die zur Stabilisierung jeglicher Kulturlandschaft geleistet werden müssen. Gerade die Natur eines Hochgebirges verlangt dem Nutzer ein großes Maß an Ausgleichs- und Schutzmaßnahmen ab wegen der erwähnten Sprunghaftigkeit. Es gibt also keine an die Natur angepasste oder ihr gemäße Nutzung, sondern jede Nutzung bedeutet einen Eingriff in die Natur und erfordert einen gewissen Aufwand an Stabilisierungsarbeit, um ihre eigenen Ressourcen nicht zu zerstören. Sehr eindrücklich schildert der Autor die verschiedenen Maßnahmen und Regelungen, welche die alpinen Agrargesellschaften trafen, um ihre eigene Subsitenzgrundlage zu erhalten, und die letztlich erst die von uns heute als "Alpennatur" so hoch geschätzte, abwechslungsreiche und teils liebliche, kleinräumige und artenreiche Kulturlandschaft hervorbrachte. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft werden vormals genutzte Flächen aufgegeben. Überlässt man diese Flächen nun sich selbst, stellt sich nicht automatisch und schnell "Wildnis" oder gar der frühere Naturzustand wieder her. Je nach Lage können nach Schätzung des Autors die Sukzessionsprozesse Jahrhunderte dauern, bis wieder ein stabiles Ökosystem entstanden ist. Lässt man auf diesen vom Menschen gestalteten Arealen eine ungestörte Naturentwicklung zu, entsteht nach einer vorübergehenden Zunahme der Artenvielfalt für lange Zeit eine sehr artenarme Ersatzgesellschaft, die zugleich ökologisch labil ist. Da einerseits Intensivierung der Landwirtschaft in günstigen Lagen, andererseits Extensivierung oder Aufgabe unrentabler Flächen inzwischen weit vorangeschritten sind, ist eine flächenhafte Labilisierung der Landschaft festzustellen. Nach Ansicht des Autors ist daher eine "Zunahme von menschlich verursachten Naturkatastrophen in den Alpen" unvermeidlich (S. 248). Durch die veränderte bzw. eingestellte Nutzung der Alpenlandschaft ist ihr Ökosystem gegenüber der Vergangenheit deutlich instabiler geworden. Die globale Klimaveränderung kommt hinzu; und so zieht Bätzing das beunruhigende Fazit, "dass die ökologische Stabilität der Alpen in Zukunft nicht mehr gesichert ist." (S. 252). Der besondere Artenreichtum der Kulturlandschaft Alpen wurde vom Menschen im Laufe von Jahrhunderten geschaffen, kann aber bei Verbrachung innerhalb von 5 bis 20 Jahren verloren gehen. Und hier liegt der eigentliche Verlust. Der Autor gelangt zu der deprimierenden Gesamtbilanz: "Die Alpen verschwinden" (S. 314). Nicht in dem Sinn, dass das Gebirge verschwände, aber die Alpengebiete verlieren ihren Charakter als eigenständiger Wirtschafts- und Lebensraum. Die Alpenrandregionen und großen Haupttäler werden "vervorstädtert", die unzugänglichen Gebiete entsiedelt, die bäuerliche Kulturlandschaft verbuscht, die zuvor kleinräumige und vielfältige Landschaft wird eintönig und abweisend, ihre Biodiversität nimmt ab. Natürlich schlägt Bätzing auch Lösungswege vor, sie sind in diesem Buch allerdings nicht detailliert ausgearbeitet. Die wichtigste Botschaft ist hier: Die Alpen brauchen eine gesunde ökonomische Grundlage, die aber keine Monostruktur sein darf. Und: Verschiedenen Alpenregionen der Staaten Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein, Frankreich, Italien, Monaco und Slowenien müssen ihre Interessen in Europa gemeinsam vertreten und untereinander kooperieren, am besten im Rahmen der Alpenkonvention, anstatt sich auf die nächste außeralpine Metropole auszurichten. Beispiel für eine derartige Fehlentscheidung sind die Schweizer Kantone Graubünden und Glarus, die beschlossen haben, enger mit der Stadt Zürich zusammenzuarbeiten, anstatt miteinander und den übrigen angrenzenden Alpenregionen. Dies wird nur die beklagte Vervorstädterung beschleunigen. Alpenorte und -täler sollten nicht untereinander konkurrieren, sondern sich über ein gemeinsames Konzept einigen. Bätzing nennt als Beispiel den Ausbau der Transitstrecken durch die Alpen. "Die Konkurrenz zwischen Tirol (forcierter Autobahnbau) und der Schweiz (Bevorzugung der Schiene) sorgte dafür, dass die sinnvolle und vernünftige Schweizer Transitverkehrspolitik immer mehr zum inselhaften Phänomen wurde", anstatt dass man sich gemeinsam in Europa stark gemacht hätte (S. 341). Heute beklagen ja gerade die Tiroler die verfehlte Politik der Vergangenheit, sehen aber nicht, dass man das Verkehrsdesaster selbst verursacht hat. Das Buch von Werner Bätzing beleuchtet die Alpen aus den unterschiedlichsten Richtungen und ermöglicht so einer breiteren Öffentlichkeit, das Gebirge als das wahrzunehmen, was es ist: eine Kulturlandschaft, die als Hochgebirge zwar nicht in weltweiten Dimensionen, aber innerhalb Europas einmalig ist. Bätzing vermittelt so vielfältige Einsichten und Ansichten der Alpen, dass es unmöglich ist, in einer Rezension auch nur annähernd auf alle wichtigen Aspekte einzugehen. Man kann das Werk nur allen Liebhabern dieses Gebirges wärmstens ans Herz legen. Sowohl Menschen, die sich für die Umwelt engagieren, als auch Politiker können hier Denkanstöße finden. Aber auch der Tourist wird Aspekte entdecken, die ihm ein tieferes Verständnis der bereisten Region vermitteln, als das konventionelle Reiseführer vermögen.

Die Alpen

Ägypten für Individualtouristen

Wenige Bilder, dafür viele Informationen über lohnenswerte Entdeckungen auch jenseits der üblichen Touristenpfade in Ägypten.

Ägypten

Eine differenzierte Sichtweise der Kultur der USA

In der Reihe "KulturSchlüssel" des Max Hueber Verlags findet sich inzwischen eine stattliche Zahl von Büchern. Mit den USA, Australien und Frankreich sind - neben "exotischeren" oder fremderen wie China, Vietnam oder der Türkei - auch drei westliche Länder vertreten, über die jeder bereits einiges zu wissen glaubt. Doch was stimmt eigentlich an unserem Bild über eine andere Kultur? Was beruht auf Vorurteilen oder banalen Missverständnissen? Diese Fragen möchte der Kulturschlüssel USA beantworten. Der Autor richtet sich dabei an Urlaubsreisende, Menschen, die beruflich in Amerika zu tun haben, Studenten oder auch Eltern, die ihr Kind für ein Jahr zu einer Gastfamilie in den Vereinigten Staaten schicken wollen. Abwechslungsreich und interessant geschrieben, hält das Buch für jeden passende Tipps bereit. Vom Einkaufen über Medien und Sport bis hin zum "Bettgeflüster" auf amerikanisch reicht die Vielfalt der behandelten Themen. Die vielleicht wichtigsten Kapitel finden sich gleich am Anfang und setzen sich mit dem Amerikabild vieler Europäer auseinander. Stimmt es, dass die Amerikaner übertrieben prüde und oberflächlich, ihre Freundlichkeit nicht echt ist? Nein, sagt Uwe Kreisel. Amerikaner sprechen sogar gerne über Sexualität und in der schulischen "sex education" werden nicht nur die biologischen Fakten gelehrt, sondern allerlei Alltagspraktisches. Und freundliche Floskeln gehören überall einfach dazu, aber unaufrichtig, gar heuchlerisch ist das nicht. Man muss ja nicht alles ganz wörtlich nehmen. Oberflächlicher als wir aber sind die Amerikaner ganz sicher nicht. Das Buch ist recht persönlich. Vielfach fließen Erlebnisse des Autors in die Darstellung ein. Das macht das Ganze lebendig, zum Teil aber etwas subjektiv. Die Essensvorlieben des Verfassers wird nicht jeder teilen. An manchen Stellen hätte die Auseinandersetzung etwas tiefer gehen können. Über amerikanische Politik beispielsweise liest man in anspruchsvolleren Tageszeitungen Fundierteres. Natürlich enthält das Buch ein Kapitel über die zahlreichen Minderheiten. Dennoch ist es im Wesentlichen ein Buch über das weiße Amerika. Wenn man bedenkt, dass Latinos oder Schwarze in vielen Städten besonders des Südens die Bevölkerungsmehrheit stellen, hätte man sich genauere Milieubeschreibungen gewünscht. Alles in Allem aber ist das Konzept überzeugend, das Layout ansprechend und übersichtlich. Nützlich sind die vielen Kästen - als "Tipps und Know-how" oder "Lexikon" gekennzeichnet - mit Spezialwortschatz oder häufigen Phrasen in allen Lebenslagen. Auf jeden Fall ein empfehlenswertes Buch!

KulturSchlüssel USA

Italien in Fotografien

Dieser opulente Bildband versammelt 250 Fotografien aus Italien, die seit 1943 entstanden sind, und in Texten verschiedener Autoren wird über Italiens politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen reflektiert. Das Visuelle steht aber klar im Mittelpunkt. Neben Stadt-, Dorfszenen, Fotografien von Sportveranstaltungen und Strandbildern sind Bilder zum Beispiel aus Irrenanstalten und von einschneidenden Ereignissen wie der Seveso-Katastrophe und den Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Genua zu finden. Im Zentrum steht fast immer die Zivilisation, reine Naturbilder sind kaum vertreten. Das Werk ist in drei Teile gegliedert: Der erste Teil stellt eine Chronologie in Fotografien dar. Beginnend mit der Landung der Amerikaner in Sizilien 1943 und endend mit einem Bild der Küste Kalabriens, von dort, wo die Brücke über die Meerenge von Messina geplant ist. Der zweite Teil ist textreicher und setzt sich mit der Verwendung von Bildern in der italienischen Kultur über die Zeit auseinander. Im abschliessenden Teil werden Fotografien zu verschiedenen Themen von je zehn italienischen und zehn ausländischen Fotografen gegenübergestellt. Der gelungene Bildband wird all jene begeistern, die Italien lieben, wie es ist und das Land zu gut kennen, um es nur mit verklärtem Blick zu sehen.

Italia

Geographie und Geschichte der Türkei

Dieser Band aus der Reihe "Wissenschaftliche Länderkunden" ist ein sowohl umfassendes als auch tief gehendes Geographiebuch, das höchsten Ansprüchen genügt. Ausführlich schildern die Autoren die physischen Gegebenheiten der Türkei und legen dabei besonderes Augenmerk auf die anthropogenen Einflüsse. Sie rekonstruieren die Faktoren, die zur heutigen Reliefgestaltung und Vegetation führten; gleichzeitig machen sie auf Risiken aufmerksam, so z. B. auf die erhebliche, flächenhafte Bodenabspülung durch Entwaldung, Beackerung und Überweidung, seit vor etwa 7000 bis 8000 Jahren Ackerbau und Herdenviehzucht begannen. Die so genannte Hangrinnenerosion gehört heute in Inner- und Südanatolien selbstverständlich zum Landschaftsbild und verdeutlicht die irreversiblen Bodenverluste, deren Auswirkung auf das landwirtschaftliche Potenzial der Türkei nach Ansicht der Autoren in ihrer Bedrohlichkeit nicht voll erkannt wird. Eine besondere Qualität des Buches ist, wie die Autoren an vielen Stellen die historischen Hintergründe für heute zu beobachtende Eigenheiten des Landes aufhellen. So führen sie die heutige große Mobilität der Bevölkerung auf deren 800 Jahre alte nomadische Tradition zurück. Interessant ist auch, dass heute "Türkentum" zentralasiatischer Herkunft "für jeden Türken ein stolzes nationales Bekenntnis" ist (S. 135), obwohl doch Kleinasien erst ab dem 11. Jahrhundert von Turkmenen erobert wurde. Die Eroberung ging - nachdem zuvor verheerende Einfälle und Beutezüge von Persern und Arabern das Land geschwächt und stark entvölkert hatten - so zügig vonstatten, dass eine Flucht der verbliebenen byzantinischen und armenischen Bevölkerung unwahrscheinlich ist. Daher müsste nach Ansicht der Autoren jeder heutige Türke eigentlich "zugeben, unter seinen Vorfahren mindestens ebenso viele Erzfeinde, christliche Griechen oder Armenier, wie eigentliche Türken zu haben" (S. 135). Griechische Dialekte wurden z.B. im Raum Kayseri - also in Zentralanatolien, nicht etwa in Thrakien - noch im 19. Jahrhundert gesprochen. Doch dem heutigen "Durchschnittstürken sind die Antike und Byzanz so fremd wie dem Durchschnittsdeutschen das Neolithikum" (S. 135). Die politische Situation im Land, die im Titel gleichwertig neben Geschichte und Wirtschaft steht, streifen die Autoren jedoch eher knapp und oberflächlich. Ein kurzer Anhang liefert "Einblicke" u.a. in die Religion und Kultur. Zahlreiche Graphiken veranschaulichen klimatische Faktoren, Erdbebenrisiko, Vegetation, landwirtschaftliche Nutzung, Energieversorgung, Siedlungsformen, ethnische Zusammensetzung, Schulbildung, Verteilung des Fremdenverkehrs und vieles mehr. Vielleicht hätte man sich eine etwas detailliertere Karte gewünscht als die auf der Umschlaginnenseite im Maßstab von 1:6000000. Oft hat der Leser große Mühe, die im Text genannten Orte, Flüsse oder Berge wenigstens ungefähr zu lokalisieren. Ansonsten lässt das sorgfältig gemachte Buch kaum Wünsche offen.

Türkei

Facettenreiches Kulturland

Andalusien! Glühende Hitze, Flamenco, maurisches Erbe - einige der Assoziationen, die sofort bei diesem Namen geweckt werden. Andalusien steht aber auch für einen Wandel von einem der ehemalig ärmsten Agrargebiete Europas zu einer qualitativ hochwertigen Tourismusregion mit all seinen daraus resultierenden Vor- wie Nachteilen. Neben den reizvollen Küsten an Atlantik und Mittelmeer bietet Andalusien auch ein attraktives Hinterland mit Berglandschaften, Sümpfen und Korkeichenwäldern. Andalusien bietet einen Gegensatz von ruraler Abgeschiedenheit, etwa in der Sierra de Jaén und modernem Großstadtleben wie in Sevilla. Andalusien beherbergt sowohl die jüngsten Gemeinden Europas als auch die älteste westeuropäische Zivilisation mit der über 3000 Jahre alten Stadt Cádiz. Diese autonome Provinz Andalusien, mit einer Fläche von 87.260 Quadratkilometern größer als Österreich, ist also ein facettenreiches Kulturland, welches sich beschreibenden Worten mehr und mehr entrückt, je weiter sich der Reisende in das Land begibt. Wenn man dieses Land, welches seinen Namen von den Vandalen bekam, die sich hier und im Norden des heutigen Marokkos während der Völkerwanderung niederließen und ihr Königreich gründeten, überhaupt in einem Satz charakterisieren möchte, dann vielleicht so: Andalusien - Land der Gegensätze! Nacheinander von Ost nach West beschreibt Schröder die sieben Provinzen Andalusiens. Er beginnt mit einer allgemeinen Einführung zum Reiseland. Es wird in anspruchsvoller, jedoch nicht abgehobener Sprache auf Geographie, Geschichte, Gebräuche und Gesellschaft des Landes eingegangen. Zu jeder beschriebenen Provinz und Stadt erhält der Leser ein detailliertes Kartenwerk und illustrierende Fotografien. Ein ganzes Kapitel widmet der Autor reisepraktischen Tipps wie Anfahrtsbeschreibungen per Auto, Flug und Zug, Preisen, Adressen für Hotel, Gastronomie und Tourismus-Service, ärztlicher Versorgung, Wandertipps, Öffnungszeiten von Museen und vieles mehr. Abgeschlossen wird das Buch mit einem kleinen Sprachführer und einem genauen Register. Antike, Mittelalter, Neuzeit Einen besonderen Focus richtet Thomas Schröder auf die bewegte Geschichte und die daraus resultierende vielfältige Kunstgeschichte des Landes: Er beschreibt einen weiten Bogen von der ersten menschlichen Besiedlung in der Jungsteinzeit hin zu den Phöniziern, die das Gebiet beiderseits der Straße von Gibraltar zunächst als Flottenstützpunkt nutzten und schließlich als Handelszentrum ausbauten. Es folgten Griechen, Karthager und natürlich die Römer, welche im 2. Punischen Krieg 218-201 v. Chr. auf der iberischen Halbinsel gegen die Karthager kämpften und ihnen erfolgreich die Hispania Ulterior genannte Provinz entrissen. Betis war der Name des seit der maurischen Ära Guadalquivir getauften Flusses, welcher Córdoba und Sevilla durchströmt und zwischen Huelva und Cádiz in den Atlantik mündet. Noch heute benennen sich zahlreiche andalusische Fußballclubs nach dem römischen Namen, der bekannteste und erfolgreichste: Real FC Betis Sevilla. Der Beginn der germanischen Völkerwanderung beschleunigte den Zerfall des Römischen Imperiums, vor allem in seiner Westhälfte: Westgoten und besonders Vandalen ließen sich in der ehemaligen römischen Provinz nieder und gründeten sowohl im Norden Afrikas als auch im Süden Spaniens die ersten christlichen Königreiche. Nicht nur Andalusien, auch der Norden des heutigen Marokkos, genannt Al-Andalus, erhielt seither den Namen des Stammes der Vandalen. Einen besonderen Wert legt Schröder auf das arabische Erbe Andalusiens und hält einen chronologische Abriss von der fast 800 Jahre währenden Eroberung, Besiedlung und Kultivierung der iberischen Halbinsel durch die arabischen Herrscher und ihrer berberischen Söldnertruppen, die auch Mauren oder Moros genannt wurden und bis heute so von den Andalusiern genannt werden. Weiter führt uns Schröder in die Ära der Reconquista, die Wiedereroberung Spaniens durch die Christen, die folgende, wenig ruhmreiche Inquisition und Vertreibung der Araber und Juden aus Andalusien und schließlich in das Zeitalter der Entdeckung und Kolonisierung Amerikas, was zu einem rasanten Aufstieg der Provinz Andalusiens, besonders der Hafenstädte Huelva, Cádiz und Sevilla führte. Nach dem Siglo de Oro, dem goldenen Zeitalter - mit einer Entwicklung andalusischer Literatur, Architektur und Kunst - bedeutete der Verlust der letzten spanischen Kolonien im Krieg mit den USA 1898 den endgültigen Niedergang Spaniens und vor allem Andalusiens in die politische Bedeutungslosigkeit und den wirtschaftlichen Ruin. Besonders der Verlust von Kuba und Puerto Rico mit dem wichtigen Zuckerrohr, Rum und Tabakhandel wirkte sich für die Hafenstädte Cádiz und Huelva bis in die heutige (!) Zeit schwerwiegend aus. Gesellschaft und Gebräuche Es ist Thomas Schröder hoch anzurechnen, dass er sich die Mühe einer intensiven Geschichtsschilderung und Landeskunde in seinem Reiseführer gewidmet hat: So werden dem interessierten Reisenden die größtenteils historisch bedingten Sorgen, Probleme und Konflikte der heute lebenden andalusischen Bevölkerung skizziert. Vielleicht hilft dies, ein besseres Verständnis für den manchmal sehr gegensätzlich wirkenden andalusischen Charakters zu entwickeln, der Außenstehenden einerseits sehr freundlich, lebenslustig und herzlich aber auch trotzig, verschlossen und kaltschnäuzig begegnen kann. Das Land, welches nie eine humanistische Aufklärung und eine Bodenreform erfuhr, steht bis heute in einer Spannung aus Stolz und Tradition einerseits und Misstrauen und Komplexen andererseits. Schröder geht auf diese Widersprüche ein, er beschreibt die Konfrontation von klassischen Werten, alten Traditionen und Familienehre mit der wirtschaftlichen Entwicklung, den durch Touristen importierten Werten und Moden und der politischen Neuorientierung Spaniens innerhalb der EU. Diese Konfrontation generiert Konflikte wie den einsetzenden Zerfall von Familien, Landflucht, Schaffung von neuem Reichtum und neuer Armut, Spekulation und Nationalismus. Gleichzeitig entstehen aber auch wirtschaftlicher Aufschwung, eine Liberalisierung der Gesellschaft, ein modernes Dienstleistungsklima: Andalusien ist wie viele Regionen in Europa ein Land im Wandel. Schröder hilft mit seinen gut recherchierten Beiträgen, dem Reisenden einen kontrastierenden Blick für das Land zu entwickeln. Urlaubsrelevante Aspekte Hat der Leser die historischen, kulturellen, geographischen und soziologischen Informationen angenommen, darf er sich über eine wohl geordnete, klassische Funktion eines Reiseführers freuen: Nach den sieben Regionen Andalusiens (Jaén, Almería, Granada, Córdoba, Málaga, Sevilla, Huelva, Cádiz) gegliedert, weist Thomas Schröder auf die Klimabedingungen und Landesnatur der Provinzen hin, gibt Tipps für die beste Reisezeit und die Reiserouten, listet Adressen und Öffnungszeiten auf, weist auf regionale Besonderheiten hin. Er hebt besondere Sehenswürdigkeiten wie die Alhambra in Granada, den Naturpark von Donana oder Ausgrabungsstätten in Cádiz hervor. Ein appetitanregender Gastronomieführer, ein Museumsratgeber und Shopping-Tipps zu jeder besprochenen Stadt runden das Bild eines gut gefüllten Reiseführers ab. Eine große Leistung vollbringt Schröder, indem er Andalusien auch für Alpintouristen öffnet und als El Dorado für Bergwanderer, Skifahrer, Segelflieger etc. beschreibt. Denn oft wird vergessen: 90 Prozent der Oberfläche Andalusiens ist gebirgig und bietet mit Sierra Morena und Sierra Nevada eine hochalpine Landschaft in der Höhe von über 3000 Metern. Von den Bergen zur See: Natürlich hat der Autor ein großes Herz für sonnenhungrige und wasserdürstende Urlauber und hat fernab des Massentourismus viele kleine Buchten und Naturstrände an den Küsten der beiden großen Meere entdeckt. Wer kühleres Wasser nicht scheut, passionierter Surfer ist und etwas mobil bleibt, wird neben den Hot Spots der Costa del Sol an der Mittelmeerküste vor allem an der Atlantikküste, der Costa de la Luz, dank Schröder noch einige traumhafte Naturstrände erleben. Von der See zur Steppe: Wer wirklich einmal völlig abschalten will, wird sicherlich bei Schröders Beschreibung der Provinz Almería und ihrer Wüstenlandschaft wertvolle Tipps finden. Gerade die Beschreibung dieser menschenleeren, von rotem Sand und Kakteen geprägten Provinz (übrigens die größte Obstanbauregion Spaniens) wird in vielen Reiseführern ungerechterweise ignoriert, auch hier hat Schröder die Nase vorn. Fazit Land im Wandel, Land der Traditionen. Berge und Küste. Wüsten und Wälder. Großstadt und Hinterland. Thomas Schröder beschreibt in seinem Buch, dass Andalusien in jeder Hinsicht vor allem eines ist: Ein Land der Gegensätze. Angelehnt an dieses Leitmotiv bespricht das Buch sämtliche Provinzen, sämtliche klassischen Reiseroute, macht neugierig und verbreitet die Lust auf mehr. Dennoch will ich an dieser Stelle zwei Wermutstropfen nicht verschweigen: Das Druckniveau der Schwarzweiß Fotos lässt zu wünschen übrig, was um so mehr auffällt, als dass die Farbfotos eine insgesamt gute Qualität aufweisen. Weiterhin sind die Restaurant-Tipps, die Shopping-Tipps und vor allem die Nightlife-Tipps gerade in den großen Städten mitunter etwas dürftig ausgefallen, was besonders ein junges Lesepublikum geschätzt hätte. Dieser Aspekt fällt auch deshalb auf, weil andere Kapitel des Buches sauber recherchiert und dokumentiert sind. Insgesamt ist 'Andalusien' ein wirklich gut geschriebenes und spannendes Buch, was die Reisenden trotz des hohen Seitenumfangs gerne in ihr Gepäck legen werden.

Andalusien

Türkisch für Anfänger

"Das beste Türkisch nützt Ihnen nichts, wenn Sie dauernd ins Fettnäpfchen treten." (S. 32) Wie wahr! Dass sich in diesem Selbstlernkurs für Anfänger mehr deutsche als türkische Texte finden, ist insofern nur konsequent. Was nutzt es, wenn ein deutscher Mann höflich "Merhaba" (Grüß Gott) sagen kann, einer Frau mit Kopftuch aber aufdringlich die Hand hinstreckt und noch nicht einmal versteht, warum diese zurückzuckt. Weniger das Nichtbeherrschen einer fremden Sprache lässt Kommunikation missglücken, wohl aber das Nichtbeachten von Tabus - oder das falsche Interpretieren von Gebärden. Die unserem Nicken ähnliche Kopfbewegung beim Nein-Sagen dürfte vielen Griechenland-Urlaubern bekannt sein. Dass "Einstieg Türkisch" auf solche Anlässe zu Missverständnissen hinweist und der Landeskunde in diesem Kurs allgemein ein so hoher Stellenwert eingeräumt wurde, ist somit ausgesprochen hilfreich. Auch aus diesem Grund handelt es sich hier um ein Lehrwerk, das allen Standards eines modernen Sprachunterrichts genügt. Wie der Titel nicht anders erwarten lässt, richtet sich der Kurs an Menschen, die innerhalb möglichst kurzer Zeit die allerwichtigsten Alltagssituationen auch sprachlich meistern möchten. Erfahrung im Lernen von Fremdsprachen wird nicht vorausgesetzt. Die Grammatik ist auf das Notwendigste beschränkt, die Progression flach. Gelerntes wird mit ausreichender Häufigkeit wiederholt. Die türkische Grammatik ist verglichen mit anderen Sprachen ohnehin recht einfach. Die Erklärungen setzen keine Kenntnis der lateinischen Begriffe voraus. Hier von "Hauptwort" und "Zeitwort" anstatt von Nomen und Verb zu sprechen, wirkt allerdings etwas gewollt. Bei "Satzgegenstand" muss man schon nachdenken, um herauszufinden, was gemeint ist. Dass jemand, der in seinem Leben noch nie eine Fremdsprache gelernt hat, ausgerechnet mit Türkisch beginnen wird, ist wohl kaum realistisch. Aber von der Terminologie sollte sich auch ein eher analytisch ausgerichteter Lerner nicht abschrecken lassen. Die wichtigsten grammatikalischen Formen sind in einer Kurzgrammatik am Ende des Buches übersichtlich zusammengefasst. Ein türkisch-deutsches Glossar am Ende des Buches ermöglicht das Nachschlagen, wenn man einige der etwa 800 gelernten Wörter vergessen haben sollte. Leider wird hier von manchen Verben nur eine finite Form genannt - ohne Infinitiv - oder bisweilen gar ein feststehender Begriff bzw. kurzer Satz: "Hiç göstermiyorsunuz - das sieht man Ihnen überhaupt nicht an". Hier hätte man im Glossar "göstermek - zeigen" ebenfalls aufführen sollen; oder bei "yasli - alt" auch "yas - Alter" und "yasamak - leben". Denn für geübtere Lerner ist es doch angenehmer, das Auswendiglernen auf das Notwendige zu reduzieren und abzuleiten, wo man ableiten kann. Alles in allem aber ein gelungener Kurs, der gerade auch hinsichtlich der Auswahl an Themen - vom Einkaufen über das Geldwechseln und den Restaurantbesuch bis zum Busfahren - ideal ist für die Urlaubsvorbereitung. Etwas Zeit muss man sich natürlich nehmen; doch man kann das Programm realistisch in acht bis zwölf Wochen bewältigen.

Einstieg Türkisch für Kurzentschlossene

Europas wildes Herz

Wer bei der Lektüre von Ralf Nestmeyers Reiseführer "Haute-Provence / Hautes-Alpes" den Titel ignoriert, könnte meinen, er befände sich in einem Land fernab Europas - mit gleichsam rauen, wie reizvollen Landschaften, stolzen, zurückhaltenden und vor allem wenigen Menschen. Das Gegenteil ist der Fall: Der Autor führt uns mitten hinein in Europas wildes Herz, den äußersten Südosten Frankreichs zwischen den Skigebieten der Seealpen und mediterranen Badeorten wie St-Tropez. Wer hätte gedacht, dass selbst in der sommerlichen Hochsaison viele ruhige und entrückte Orte nahe der Cote d'Azur dem Einkehr Suchenden Abstand und Entspannung geben können? Die Region: Welt der Wunder Ralf Nestmeyer ist ein Kenner der Region, nicht nur hinsichtlich ihrer aktuellen Reize und Reiserouten, sondern vor allem ihrer Geschichte und Gesellschaft. Wussten Sie, dass die Wurzeln von mehr als 20.000 Mexikanern im Ubaye-Tal liegen? Dass Lioux kein Indianerstamm, sondern ein provenzalisches Dorf ist? Oder dass Europas größter Canyon im Verdon-Tal liegt? Wem die Reise in die Neue Welt zu lang oder zu teuer ist, der kann also bequem in unser Nachbarland fahren, um dort Wunder und Welten zu entdecken, die man sonst auf anderen Kontinenten glaubte. Ab dem 19. Jahrhundert gingen zwei Drittel der jungen Männer des verarmten provenzalischen Ubaye-Tals nach Mexiko, um dort ihr Glück zu suchen. Trotz des Vorsatzes, nur so lange in Mittelamerika zu bleiben, bis Wohlstand und Erfolg gesichert wären, kehrten gerade zehn Prozent der Emigranten wieder in ihre südfranzösische Heimat zurück - die überwiegende Mehrheit integrierte sich nach und nach in die aufstrebende mexikanische Gesellschaft. Die wenigen Heimkehrer stellten ihren Reichtum indes deutlich zur Schau und errichteten prunkvolle Herrenhäusern und Mausoleen anstelle simpler Gräber, welche auch heute noch in der Gegend um Ubaye bewundert werden können. Das provenzalische Dorf Lioux zeigt Eindrücke ganz anderer Art: Direkt hinter dem Ort steigt eine mächtige Felswand hundert Meter senkrecht in die Höhe. Landschaftlicher Höhepunkt der Haute-Provence ist aber sicherlich der Grand Canyon du Verdon: Auf 170 Kilometern schneidet die Verdone einen tiefen Riss in die Erde, bis sie schliesslich südlich von Manosque in die Durance mündet. Wer dem Lauf des mitunter reissenden Flusses von 2.500 Meter Höhe bis zum Ende folgen möchte, dem hat Nestmeyer anhand von Karten und Bildmaterial einige Impressionen beigefügt. Für Nase, Mund und Auge Die Qualität der Fotos hat sich in diesem neuen Reiseführer des Michael Müller Verlages markant verbessert. Es heisst jetzt "Mittendrin" statt "Nah dabei"! Vor allem die Aufnahmen üppiger Lavendelfelder, welche eine der wirtschaftlichen Haupteinnahmequellen der Region sind, lassen den Leser fast den würzig-frischen Duft erahnen, der zusammen mit den lila Lavendelblüten die Landschaft der Provence charakterisiert. Nestmeyer kommt von den Kräutern auf die Küche und vergisst nicht, die provenzalischen Gaumenfreuden zu beschreiben, denen wie kaum in einer anderen Gegend Frankreichs Majoran, Estragon, Rosmarin, Thymian beigefügt werden, welche an nahezu jeder Hauswand zu gedeihen scheinen. Allerdings wäre es für den Leser hilfreich, das Kapitel der Kulinaria noch etwas mehr zu behandeln, denn es erscheint im Gesamtkontext des Reiseführers etwas knapp. Zwar beschreibt der Autor die Haute-Provence wiederholt als herb und rustikal, doch dies gilt bestimmt nicht für die deftige Küche, die nicht nur Lamm, Wild und Geflügel im Ofen zu Kunstwerken verwandelt, sondern sich auch in Poseidons Garten des nahen Mittelmeeres bedient. Durch die Geschichte zur Seele Die Stärke Nestmeyers, durch erworbene Kenntnis und genaue Beobachtung der Menschen der Haute-Provence, ihrer Geschichte, Wirtschaft und Kultur bis zu Ihrer besonderen provenzalischen Sprache zu beschreiben und damit tief, aber behutsam in ihre Seele einzudringen, scheint bisweilen nicht frei von Akribie. Dies ist für den praktischen Zweck eines Reiseführers natürlich nicht abträglich, doch es fällt bei Themen wie der Gastronomie und der Freizeit eben auf, dass sie spartanischer behandelt werden als soziale und historische Themen. Je nachdem, was der Leser von einem Reiseführer erwartet, ist dies aber genau der Unterschied und vielleicht auch Pluspunkt gegenüber vergleichbarer Reiseliteratur: Wenn der Urlaub in erster Linie ein Entdecken sein soll, so überlässt es der Autor den Reisenden, wo sie ihre Sinne kitzeln können und liefert Hintergründe und Fakten, die sich sonst nur schwer erschliessen lassen. Fazit Insgesamt betrachtet, ist es dem Michael Müller Verlag erneut geglückt, einen rundum praktischen wie informativen Reiseführer herauszugeben. Vor allem der historische und kulturelle Kontext ist spannend beschrieben. Nestmeyer, der bereits fünf Reisebücher über französische Reiseziele publiziert hat, besteht auch die sprachliche Reise auf einem dünnen Grat zwischen Pragmatismus und kritischer Betrachtung. Gerade die Fussnoten respektive Arten- und Naturschutz sind ein Plus für einen modernen Reiseführer. Wünschenswert wäre, neben einer differenzierteren Betrachtung von Küche und Freizeit auch eine breitere Darstellung der Reisetipps für Behinderte, Familien, Senioren und Gays. Der Aufbau des Reiseführers "Haute-Provence / Hautes-Alpes" folgt einer klaren und übersichtlichen Struktur: Nach einer allgemeinen Einführung erfährt der Leser Wissenswertes zu Geschichte, Geographie und Gesellschaft. Zur eigenen Recherche folgen Buchhinweise zur Region. Danach bekommt der Leser praktische Reisetipps von A bis Z. Erst nach dieser Grundlage geht der Autor auf die einzelnen Reiseziele ein, welche er in sieben Kapitel - topographisch betitelt - unterteilt. Jedes Kapitel beinhaltet die klassischen Tipps zu Lage (stets per Kartenhilfe!) Unterkunft, Gastronomie, Literatur und lokalen Adressen, aber auch Anekdoten, Eigenarten und Geschichten zur Region. Sachlich, wie es überhaupt das ganze Buch ist, regt der Autor dazu an, dem Verlag eigene Reisetipps, Kritik oder Hinweise nach dieser ersten Auflage zu senden, die in kommenden Ausgaben berücksichtigt werden könnten. Bereits jetzt ist eines sicher: Wer in das wilde Herz der Haute-Provence aufbricht, ist bestimmt gut beraten, den Reiseführer "Haute-Provence / Hautes-Alpes" als Pulsmesser ins Gepäck zu geben.

Haute-Provence

Ungarn auf die Schnelle

Ungarn vollzieht mit dem Nato- und EU-Beitritt den logischen Schritt seiner traditionellen Orientierung gegen Westen. Seit 1989 hat Ungarn in grossen Schritten erfolgreich die westlichen Standards und die Bedingungen für den EU-Beitritt vollzogen. Die Öffnung zeigt sich in der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Westen und dem stetig wachsenden Touristenstrom. Wer sich über Ungarn informieren möchte, aber hierfür nicht dicke Bücher bewältigen will, kann den Zentraleuropa Almanach Ungarn zur Hand nehmen. Auf 128 Seiten erfährt der Leser Grundlegendes aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Dazu gibt es Folgendes anzumerken: - Im Bereich Politik wurde der Fokus auf die Westintegration und die Sicherheitspolitik gelegt. Die Innenpolitik wird nur aus dieser Perspektive berücksichtigt. - Der Wirtschaftsbereich könnte stellenweise ein Werbetext für potenzielle Investoren sein. Hier wird die wohl etwas gar euphorische Sichtweise gegenüber dem neuen Wirtschaftsraum deutlich. In der Praxis wurde bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2003 einiges deutlich relativiert. - Der Kultur wird im Vergleich zur Politik und Wirtschaft bescheidener Platz eingeräumt. Einen geschichtlichen Überblick gibt eine recht ausführliche Zeittafel. Wünschenswert wären Bezüge zu heute gewesen, zum Beispiel welchen Einfluss die Vergangenheit auf die Verhältnisse zu anderen Ländern oder Volksgruppen heute hat. Praktisch sind die Hinweise auf Internetseiten und Informationen für Besucher und Geschäftsreisende. Allerdings wären diese überholungsbedürftig gewesen, denn die Devisenbestimmung, man dürfe lediglich 3000 Forint (knapp 20 Euro) bei der Einreise mitführen, ist längst nicht mehr richtig. (Heute dürfen Ausländer bis 350'000 Forint aus- oder einführen.) Kurz: Die Bilanz zum Zentraleuropa Almanach Ungarn ist durchzogen. Er ist durchaus nützlich und lesenswert, legt die Akzente aber etwas gar einseitig.

Zentraleuropa Almanach Ungarn