Hommage an das europäische Agentenkino
„Diman. John Diman." Am 16. Februar 2025 – vor gut einem Jahr – wurde Reflet dans un diamant mort im Rahmen der 75. Berlinale uraufgeführt und gleich zum Hauptwettbewerb um den Goldenen Bären eingeladen. Das franko-italienische Ehepaar und Regieduo Hélène Cattet und Bruno Forzani hatte schon in der Vergangenheit durch einfallsreiche Kurz- und Spielfilme auf sich aufmerksam gemacht.
I spy with my little eye
Die Hommage an das europäische Agentenkino der Siebziger Jahre steht ganz im Zeichen der Erinnerungen an jene glorreiche Zeit. Der ehemalige Geheimagent John Diman (Fabio Testi) hat sich in ein Luxushotel an der Côte d'Azur zurückgezogen. Seine Zimmernachbarin erweckt Erinnerungen an seine wilden Abenteuer in den 1960er Jahren, als er noch als Agent aktiv war. Damals hatte er eine stets in schwarzes Leder gekleidete Widersacherin, Serpentik (Thi May Nguyen), die jetzt wieder in sein Leben zurückkommt, um alte Rechnungen zu begleichen. „Sinnliche Überwältigungsmaschinen“ sieht der Kulturwissenschaftler Wieland Schwanebeck in dem visuell-ästhetischen, sehr anspruchsvollen Sinnesreigen, den man mit bloßem Auge erleben darf.
Allen Einflüssen voran spielt natürlich der italienische Giallo und die Comics Diabolik von Angela Giussani, die 1962 erfunden wurden. Ebenfalls 1962 entstand auch ein weiterer großer Einfluss, nämlich der erste James Bond 007 jagt Dr. No, der damals noch als ein preiswertes B-Movie firmierte, bevor er zum Inbegriff der globalen Verbrechensbekämpfung wurde. In der Hauptrolle damals noch Sean Connery, der Fabio Testi in Reflet dans un diamant mort tatsächlich etwas ähnlich sieht. Auch John Diman soll von einem jüngeren Agenten ersetzt werden und kämpft damit ebenso um eine Erhöhung seiner Alterspension wie der weltberühmte Schotte. Das Spiel mit den Masken aus Gummilatex wird in Reflet dans un diamant mort auf die Spitze getrieben und wäre wohl ohne Mission Impossible nicht so exzessiv möglich gewesen.
Aber darüber hinaus schillert Reflet dans un diamant mort in allen Spektralfarben, die ein beleuchteter Diamant (oder eine Discokugel) an die Wand projizieren kann, aber mehr noch in unser Bewusstsein, das atemlos und verstummt dem bunten Treiben auf der Leinwand gebannt zusieht. „Ich sehe was, was du nicht siehst“, die deutsche Entsprechung zu dem Spiel „I spy with my little eye“, kann in Reflet dans un diamant mort unendlich wiederholt werden: Hochgenuss garantiert.
Die Segnungen des Atomzeitalters
Surrealistische Einlagen am Strand, mit Augen und Gesichtern, die einen aus dem Sand anblicken und mit den Wellen zurückweichen, gehörten ebenso zum Repertoire der vorliegenden psychedelischen Reise an die Küsten eines Europas, das einst als Vorbild für die ganze Welt galt. „Sie glauben, in einem Film zu sein und verlieren jeden Sinn zur Realität, bis das Wort ‚Ende' – Fin – erscheint“, lautet ein Kommentar aus dem Off und verschärft noch die Erfahrung des Ausgesetztseins.
Caravaggio stand ebenso Pate für einige der Bilder wie Angela Giussani; der Soundtrack mit „La Wally“ oder „24.000 Baci“ tut sein Übriges, Reflet dans un diamant mort in ein unendliches Abenteuer zu verwandeln, das alle Sinne anspricht. „Alles um mich herum brach zusammen. Was war der Grund dafür? Waren es sie? Oder war es ich…?", sinniert John Diman und erkennt bald die Antwort selbst. Ein Duell mit einem japanischen Katana und einem Skalpell sorgt für eine atemlose Schlacht, die selbst einen Tarantino verstummen lassen würde, und das Atomzeitalter auf einen kurzen Augenblick in der menschlichen Geschichte zusammenschrumpfen lässt. Aber die besten Filme, die besten Gialli wurden während dieser kurzen Epoche im Homo sapiens-Katalog produziert. Darunter Filme von Dario Argento, Peter Strickland, Nicolas Winding Refn, Edgar Wright u. v. a. m.
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