Wirtschaft

Leitfaden für die Rechnungslegung nach IFRS

Kapitalmarktorientierte Unternehmen in der Europäischen Union - darunter ca. 1.000 Unternehmen in Deutschland - erstellen schon zum fünften Mal ihren Konzernabschluss nach den International Financial Reporting Standards (IFRS). Mit diesen IFRS möchte das in London ansässige International Accounting Standard Board (IASB), das sich inzwischen zum global anerkannten Standardsetzer für die Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen entwickelt hat, zur Informationseffizienz der Kapitalmärkte beitragen. Zwischenzeitlich sind andere Staaten dem EU-Beispiel gefolgt, so dass in rund 120 Ländern - hierunter fallen auch Australien, China, Kanada und die Russische Föderation - die IFRS als Regelungsgrundlage für die Erstellung von Einzel- bzw. Konzernabschlüssen verwendet werden. Bedeutende Wirtschaftsnationen wie Indien und Japan wollen sich in den nächsten Jahren anschließen. Die globale Durchsetzung dieser einheitlichen Bilanzierungssprache für die Kapitalmärkte wäre mit der Einführung der IFRS auch für US-amerikanische Unternehmen, welche noch bis mindestens 2015 nach US-GAAP bilanzieren werden, abgeschlossen.

Andererseits mehren sich auf Seiten der Unternehmen, Rechnungslegungsadressaten und nicht zuletzt auf politischer Ebene die kritischen Stimmen zu diesem Regelwerk und bemängeln u. a. die zunehmende Komplexität der Abbildungsnormen und deren häufige Änderungen, welche einen erheblichen Erstellungsaufwand für die Konzernabschlüsse sowie mangelnde Transparenz für Privataktionäre und Öffentlichkeit nach sich ziehen. Hinzu kommt, dass sich im Zuge von finanz- und realwirtschaftlichen Krisen der kurz zuvor noch gefeierte Fair Value, der Kritik als Brandbeschleuniger und Krisenverschärfer stellen musste. Nicht zuletzt machte die Finanzkrise deutlich, wie stark die Komplexität der Finanzinstrumente angestiegen ist, was sich auch in der Bilanzierung und Bewertung dieser Produkte widerspiegelt.

Hier knüpft die vorliegende Publikation an. "Zielsetzung des Buches ist es, einen Leitfaden an die Hand zu geben, mit dem man sich durch die komplexe Welt der Rechnungslegung "hangeln" kann, um so besser antizipieren und/oder nachvollziehen zu können, wie Finanzinstrumente-Transaktionen sich auf die Bilanz, GuV und den Geschäftsbericht auswirken." (S. 39) Der Verfasser, Knut Henkel, ist seit 1994 im Rechnungswesen der Konzernzentrale der Postbank beschäftigt und nach Tätigkeiten als Referent und Leiter "Rechnungswesen Treasury" derzeit als Spezialist für Bilanzierungsgrundsätze in der Rechnungswesen-Grundsatzabteilung tätig. In dieser Funktion ist er u. a. für die Beobachtung der IFRS-Neuerungen und deren fachspezifische Umsetzung zuständig und dadurch fachlich geradezu prädestiniert, die Welt der Rechnungslegung von Finanzinstrumenten praxisbezogen wie möglich darzustellen.

Das Buch besteht aus fünf Kapiteln. Im Kapitel I werden einleitend die Zielsetzung, Zielgruppe, Nutzungsmöglichkeiten und der Aufbau dieses Leitfadens erörtert und die jüngsten Neuerungen in der Rechnungslegung angesprochen (BilMoG, IFRS für den Mittelstand, Rechnungslegungsänderungen aufgrund der Finanzkrise). Daraus ergeben sich gerade für kleinere Kreditinstitute, aber auch für mittelständische Unternehmen, Kommunen und Stadtwerke eine Vielzahl von neuen Fragestellungen, welche speziell bei den Produkten des Treasury nach einer kompetenten Antwort suchen. Im folgenden Kapitel II ("Grundlagen") wird anhand eines sog. dreidimensionalen "Rechnungslegungswürfels" der methodische Ansatz des Leitfadens entwickelt. Dabei geht es zuerst um die Bildung von Unternehmenstypen, d. h. um eine Clusterung der Unternehmen nach unterschiedlichen Ausprägungen, anhand derer dann eine Zuordnung der relevanten Rechnungslegungsvorschriften - neben der deutschen Rechnungslegung nach HGB insbesondere die internationale nach IFRS - für die wichtigsten originären und derivativen Finanzinstrumente möglich ist. Darauf aufbauend werden in den Kapiteln III und IV die für Finanzprodukte relevanten IFRS- und HGB-Vorschriften, anhand einer prozessorientierten Vorgehensweise (d. h. Ansatz und Ausweis in der Bilanz, Bewertung auf Einzelebene, Bewertungseinheiten, Ausweis in der GuV bzw. im Eigenkapital und Anhangsangaben), ausführlich dargestellt. Gegenstand der Abhandlung sind Finanzinstrumente im Sinne der Finanzinstrumente-Definition des IAS 32/39. Hierunter fallen (nur) am Markt kontrahierte Geschäfte und somit Finanzinstrumente der Außenfinanzierung, d. h. reine Eigenkapital- und reine Fremdkapitalfinanzierungen sowie Mischformen. Letztere umfassen die Finanzierung durch Mezzanine-Kapital (Equity Mezzanine und Debt Mezzanine) sowie Finanzierung durch zusammengesetzte Finanzinstrumente. Zu diesen gehören neben Wandel- und Optionsanleihen die strukturierten Kreditprodukte (z. B. Asset Backed Securities (ABS), Collateralized Debt Obligation (CDO)) und die strukturierten Zinsprodukte (z. B. Single- und Multi-Callable-Anleihen sowie strukturierte Floater). Nach der Zusammenfassung und einem Ausblick auf anstehende Rechnungslegungsänderungen des IASB (im Kapitel V) folgen umfangreiche IFRS-Übungsaufgaben, Lösungen und Anlagen (im Kapitel VI).

Besonders gut gelungen ist der aus der Dissertation des Verfassers entlehnte konzeptionelle Ansatz einer unternehmenstypenspezifischen Synopse der Rechnungslegungsunterschiede von Finanzinstrumenten nach IFRS und HGB. Dadurch können die Hintergründe und Intentionen von selbst sehr speziellen Einzelregelungen im Gesamtzusammenhang sehr gut nachvollzogen und verstanden werden. Knut Henkel hat sich seit etlichen Jahren als Autor einschlägiger betriebswirtschaftlicher Aufsätze in der Fachliteratur ein beachtliches Renomee verschafft. Darüber hinaus ist er schon seit mehreren Jahren als Dozent in anspruchsvollen Seminaren und Vortragsveranstaltungen der Praxis sowie als Lehrbeauftragter im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg im Fach "Konzernrechnungslegung" tätig. All diese Aktivitäten haben vermutlich auch dazu beigetragen, dass die insgesamt komplexe Materie dieses Leitfadens durch eine hervorragende methodisch-didaktische Aufbereitung sachgerecht und gut nachvollziehbar dargestellt wird. Eine Vielzahl von Beispielen, systematischen Abbildungen und zielgerichteten Lösungsvorschlägen sowie Querverweise und weiterführende Anmerkungen in Fußnoten unterstützen das Verständnis der Lektüre des Buches und garantieren eine kompetente Hilfe bei der Klärung anstehender Umsetzungsfragen.

Der vorliegende Praxisratgeber kann allen am Rechnungslegungsprozess von Kreditinstituten und Nichtbanken interessierten Personengruppen - sei es Praktikern, z. B. aus den Bereichen Bilanzierung, Wirtschaftsprüfung, Finanzanalyse und Treasuring, als auch Dozenten und fortgeschrittenen Studenten aus dem Hochschulbereich - bestens empfohlen werden. Der Leser kann diesen Leitfaden in unterschiedlicher Weise nutzen: Außer einem umfassenden Einblick in die einschlägige Materie ermöglicht das Buch durch seine detaillierte Gliederung und durch das Glossar einen gezielten und schnellen Zugriff auf spezielle Fragen. Des Weiteren bieten die Praxisbeispiele aus Geschäftsberichten, die Darstellung aller relevanten Gesetzestexte, die umfassende Auflistung der themenrelevanten Literatur und der Rechtsvorschriften sowie die nützlichen Internet-Links eine umfassende praxisbezogene und anschauliche Information.

Rechnungslegung von Treasury-Instrumenten nach IAS/IFRS und HGB
Knut Henkel

Rechnungslegung von Treasury-Instrumenten nach IAS/IFRS und HGB


Ein Umsetzungsleitfaden mit Fallstudien und Tipps
Springer Gabler 2010
458 Seiten, gebunden
EAN 978-3834916129

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