Politik

Wo steht Russland?

Bei der Betrachtung Russlands darf nicht vergessen gehen, dass (aus geschichtlicher Sicht) bis vor wenigen Jahren an Stelle der russischen Föderation die Sowjetunion bestand. Wer beim Zusammenbruch der Sowjetunion etwa 30 Jahre alt war, ist heute gegen 45. Das Denken ändert sich langsam und das ist weder erstaunlich noch kann man das irgendjemandem vorwerfen.

Roland Haug, von 1994 bis 2002 Nachrichtenchef des früheren SDR und heutigen SWR und bereits als Jugendlicher vom "Mythos Russland" eingenommen, legt mit "Putins Welt" seine Sicht der Dinge vor. Auch wenn er eine recht differenzierte Analyse bietet, ist auch er nicht vor boulevardesker Berichterstattung gefeit. So heisst es im Schlusskapitel zum Schicksal Russlands zwar: "Es besteht nämlich nicht, wie mancher glaubt, ausschliesslich aus Kriminellen, mafiosen Wirtschaftsbossen oder gewissenlosen Geschäftsleuten. Auch die auf ihren eigenen Vorteil bedachten Moskauer Finanzabkrobaten machen nicht die Substanz der Nation aus.", doch im Kapitel "Korruption und Kleptokratie" zeichnet Haug eben dieses Bild. Dort schreibt er u.a.: "Die Korruption hat Russland so durchdrungen, dass es unmöglich scheint, sie zu beseitigen. Das gesamte System würde wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen." Unverzeilich für eine solche Publikation ist das Fehlen eines Literaturverzeichnisses und die äusserst spärliche Angabe von Quellen. Das fördert die Glaubwürdigkeit nicht.

Das eher pessimistische Gesamtbild, das bei der Lektüre vermittelt wird, unterstreichen die ausdrucksstarken, melancholischen Fotografien von Walerij Schtschekoldin, mit denen das Werk reichhaltig ausgestattet wurde. Positive Tendenzen kann Haug hauptsächlich in der Wirtschaft Russlands erkennen. Dies ist weiter keine Überraschung. Hoffnungsträger für die russische Bevölkerung ist und bleibt Putin, wie die letzten Wahlen bestätigten. Dagegen hat man im Westen nicht viel einzuwenden, auch wenn noch einiges im Argen liegt.

Putins Welt
Roland Haug

Putins Welt


Russland auf dem Weg nach Westen
Nomos 2003
302 Seiten, broschiert
EAN 978-3832904265
mit zahlreichen s/w-Fotografien

Die EU als Imperium

Zwei Bücher, die sich mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern die Europäische Union als Imperium begriffen werden kann.

Lesen

Die Geschichte der Arbeit von der Antike bis heute

Nach Aßländers zentraler These zur Geschichte der Arbeit ist das moderne Arbeitsverständnis nicht das Ergebnis der technischen und ökonomischen Entwicklung, sondern der sich veränderten sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen.

Lesen

Marshallplan für Afrika

Das aufrüttelnde und kenntnisreiche Buch macht deutlich, dass es höchste Zeit ist, dass Afrikaner und Europäer die anstehenden Aufgaben gemeinsam angehen.

Lesen

Über "falsche" Jobs und mögliche Auswege

Vom Angestelltenverhältnis zur Online-Selbständigkeit - ein junger Digitalnomade erklärt die Arbeitswelt.

Lesen

Deutschland im freien Fall?

Eine Standortbestimmung mit Blick in die Zukunft für Deutschland, die zwar kurzweilige Lektüre bietet, aber zu einseitig ist.

Lesen

Sei nicht faul, sei kein Lügner, sei kein Dieb

Álvaro García Linera, Vizepräsident der Regierung von Evo Morales in Bolivien, Soziologe und ehemals Guerilla-Kämpfer legt die Hintergründe der tiefgreifenden, von einer neuen Politik eingeleiteten gesellschaftlichen Wandlungsprozesse in Bolivien sowie anderen lateinamerikanischen Staaten dar. Sehr interessante Lektüre.

Lesen
Lexikon der Politikwissenschaft
Der Fall Deutschland
Schweizerische Aussenpolitik
Die amerikanischen Präsidenten
Praxishandbuch UNO
"Den Hitler jag' ich in die Luft"
EU-Osterweiterung / Die deutsche Europapolitik und die Osterweiterung der Europäischen Union
Europas Revolution von oben
Denn der Menschheit drohen Kriege
Graue Eminenzen der Macht
Die politische Karikatur
Schwierige Machtverhältnisse
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018