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rezensionen.ch

Purple Rain Purple Rain's laszive Erotik

21. Juni 2024
von Juergen Weber

"Let's go crazy!": 1984 erschien das kommerziell erfolgreichste Album in Prince’ Karriere: "Purple Rain" belegte 24 Wochen ununterbrochen Platz eins der US-Albumcharts und gewann zwei Grammy Awards. Der Musikfilm Purple Rain erhielt einen Oscar für die beste Filmmusik. Plaion Pictures veröffentlicht zum 40. Jubiläum des Albums und Films ein Mediabook mit vielen Extras. Schon der Auftakt des Films mit dem eingangs genannten Song gewinnt die Herzen des Zusehers. Die Zensur reagierte allerdings sehr gereizt.

Knallbunte Neon-Achtziger in Cinemascope

Kid (Prince) ist der Protagonist des Films, der sich mit Morris Day von The Time, seinem Antagonisten, um den Neuzuwachs, die Sängerin Apollonia Love (Apollonia Kotero), streitet. Sie selbst ist auch hin- und hergerissen und immer wieder unentschieden, denn die körperliche Anziehung gilt zwar eindeutig dem jungen Prinzen, aber das Geschäft würde wohl mit dem slicken Morris besser laufen. Zudem behandelt Prince sie so, wie sein Vater Francis L. (Clarence Williams III) seine Mutter behandelte: er schlägt sie. Ein Thema, das in den Achtzigern erst zaghaft behandelt wurde. Gewalt in der Familie wird zum Dreh- und Angelpunkt einer Geschichte, in der vor allem einige der besten Songs von Prince vom Album Purple Rain zum Einsatz kommen.

Der große Durchbruch im Musikgeschäft will "Kid" aber nicht so richtig gelingen. Er streitet mit seinen Bandmitgliedern Wendy & Lisa, und behandelt alle um ihn herum schlecht. Zudem ist seine exzentrische Bühnenshow nicht jedermanns Sache. Aber der aus prekären Verhältnissen stammende Musiker versucht einfach wie viele andere, sich mit seiner Band in der Nachtclubszene von Minneapolis gegen andere Gruppen durchzusetzen und sein USP sind einfach seine Songs und Shows. Doch der Nachtclubbesitzer des First Avenue sagt es ihm eindeutig: Er kann nur zwei Bands gebrauchen. Und da formiert sich bereits mit Apollonia und Wendy & Lisa die Dritte. Jetzt muss sich Kid gegen "The Time" und "Apollonia 6" durchsetzen. Doch da kommt ihm der rettende Gedanke...Purple Rain!

Purple Rain und die Gründung der PMRC

Fans der 80er-Jahre mit ihrem Neon und Glitzer werden aufjubeln. Denn diese Neuausgabe des Prince-Klassikers spielt alle Stückerl. Der wohl ikonischste Musikfilm der 80er-Jahre, der zu Recht 1985 mit dem Oscar für die beste Filmmusik ausgezeichnet wurde, gilt als Perle der Dekade und zeigt einen Künstler, der seinen Ruhm geradezu zementierte. Die Karriere von Prince hatte erst kurz vor dem Film in Minneapolis begonnen, wo der junge Prince Rogers Nelson mit Funk, Jazz und anderen Musikrichtungen experimentiert hatte. Purple Rain war sein sechstes Album, das von dem Musikfilm begleitet, nicht nur seine Stimme, sondern auch seine exzentrischen Bühnenshows für die Nachwelt festhielt. Auffallend sind nicht nur seine delikaten Tanzeinlagen, auch seine Falsett-Stimme, die von Camille (einem Barry White Alter Ego) konterkariert wird. Auch wenn der Plot des Films eher einfach ist, zeigt Purple Rain doch das ganze künstlerische Repertoire eines Künstlers, der sich 1984 am Zenit seiner Karriere befand. Die Atmosphäre und Weirdness des Filmdokuments zeigt die 80er-Jahre in ihrem glänzendsten Outfit: verrückt toupierte Haare, viel Kajal, bunte Kostüme und viel Trockennebel, dazu ein Gitarrensound, der es selbst mit Jimi Hendrix aufnehmen könnte. Und natürlich, wie u. a. in dem die Zensur auf den Plan rufenden Song "Darling Nikki" (Tipper Gore und PMRC) deutlich wird, massive sexuelle Anspielungen: "I looked all over all I found/Was a phone number on the stairs/It said thank you for a funky time/Call me up whenever you want to grind". Der Song Darling Nikki führte die Parents Music Resource Center (PMRC) Liste von 15 popular "filthy" songs an. Die PMRC sorgt in Folge für die Parental Advisory stickers auf Album covers.

Alle Rezensionen von Juergen Weber

Buchcover von Purple Rain
Albert Magnoli (Regie)
Purple Rain
Laufzeit: ca. 111 Minuten
EAN 4020628605520
Plaion 2024