Geschichte populär aufbereitet - Was die Wissenschaft dazu sagt
Der heutige Buchmarkt hält ein vielfältiges Angebot an populären Geschichtswerken bereit. Sei es in Form von Begleitbänden erfolgreicher Fernsehsendungen (ARD-Produktionen, ZDF-Reihen von Guido Knopp) oder journalistischen Sachbüchern. Geschichte ist in. Auch wenn es sich in 90% aller Fälle um Deutsche Geschichte in den Jahren 1933-1949 handelt.
Diesen Trend hat die vorliegende Publikation, die auf das Kolloqium im Heuss-Haus von 2004 zurückgeht nun ebenfalls Rechnung getragen. In 15 Beiträgen gelingt es den Autoren nachzuweisen, dass die populäre Geschichtsschreibung kein Kind des Medienzeitalters ist, sondern von Beginn des 20. Jahrhunderts an die deutschen Leser erreichte. Die einzelnen Beiträge sind in vier Sektionen unterteilt: "Biographik", "Berichte über Krieg und Gewalt", "Traditions- und Weltanschauungshistoriographie" und "Zwischen Wissenschaft und Popularisierung". Aus Platzgründen kann hier nur auf ausgewählte Aufsätze eingegangen werden.
Sebastian Ullrichs Beitrag über den Biographen Emil Ludwigs stellt besonders deutlich die Nische zwischen Wissenschaft und Journalismus heraus. Emil Ludwig, geboren in Breslau und zunächst Kriegsberichterstatter im Ersten Weltkrieg, konzentrierte sich in seinen zahlreichen Biographien auf die jüngste deutsche Vergangenheit. "Mit Ludwig hatte ein belletristischer Außenseiter in einem sensiblen Bereich die Deutungshoheit der historischen Fachwissenschaft herausgefordert" (S. 45). Ähnlich wie heute, wo ernsthafte historische Facharbeiten, die nicht von Historikern verfasst werden, ein Stirnrunzeln der Historikerzunft hervorrufen, ließen die kritischen Rezensionen zu Ludwigs Biographien nicht lange auf sich warten. Nicht zuletzt aufgrund seines neuen Ansatzes: Statt des Primats der Außenpolitik "setzte Ludwig [auf] eine psychologisierende Geschichtsschreibung" und stellt sich damit gegen die traditionelle Geschichtsschreibung. Geradezu idealtypisch verkörpert Ludwig mit seinen Arbeiten den Quantensprung zwischen Unterhaltung und historischer Authenzität. In seinen Werken über Wilhelm II. und Otto von Bismarck gelang es Ludwig, den Leser zu einem "produktiven Idealismus" anzuregen. Als überzeugter Demokrat und Pazifist, seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg waren hier prägend, hatte es Ludwig stets nicht leicht: Ständige Attacken von den deutschen Rechten und dem nationalsozialistischen Regime waren ihm gewiss. Auch während seiner Emigrationszeit wurde ihm Feigheit vorgeworfen, floh Ludwig doch 1940 in die USA. Es ist sehr lobenswert, dass Emil Ludwig durch die vorliegende Publikation neue Aufmerksamkeit bekommt. Nicht nur sein literarisches und historisches Werk weiß zu gefallen, auch die einzelnen Lebensstationen Emil Ludwigs lohnen der Lektüre. Sebastian Ullrich weiß dies in seinem Aufsatz zu verbinden.
Doch auch die anderen Aufsätze sind überzeugend. Der Beitrag von Lahme/Strunz über Golo Mann sei hier besonders erwähnenswert.
Einziger Wehrmutstropfen: Leider beschäftigt sich kein Beitrag mit dem "Geschichtsboom" der Gegenwart. Warum gerade Guido Knopp & Co solch großen Erfolg haben wäre eine eingehende Untersuchung wert gewesen. Trotzdem eine empfehlenswerte Lektüre, nicht zuletzt aufgrund ihrer großen Vielfalt.
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