Politik

Ein Traumjob?

Politikberatung wird seit einiger Zeit verstärkt zu einem Berufsfeld für Absolventen. Doch so breit das Arbeitsfeld ist, so uneinheitlich sind die Zugangswege. Ein neuer Sammelband zeigt Inhalte, Anforderungen und Einstiegschancen.
Die berufliche Tätigkeit am Schnittfeld von Politik und Wirtschaft scheint für Absolventen nahezu aller Fachrichtungen, nicht nur in Berlin und Brüssel, zu einem interessanten Arbeitsfeld geworden zu sein. Sei es, weil politische Entscheidungen mehr und mehr auf externen Sachverstand zurückgreifen (müssen) oder schlicht der Tatsache geschuldet, dass sich in dem Bereich neue Chancen für üblicherweise nicht gerade verwöhnte Politologen oder Sozialwissenschaftler ergeben. Politikberatung, Lobbyismus oder Public Affairs sind en vogue.

Ein neues Buch hat es sich zum Ziel gesetzt, Studenten und Absolventen Wege in den Job aufzuzeigen. Politikberatung als Beruf versammelt insgesamt 24 Beiträge. Das Besondere, die Herausgeber, organisiert bei poli-c e. V., haben sich bewusst für junge Autoren entschieden. Alle Artikel stellen die Aufgaben, Anforderungen und Zugangswege in die berufliche Politikberatung in den Vordergrund.

Das Arbeitsfeld ist weit: "Politikberatung ist jeder Beruf, der darauf angelegt ist, der Politik als Ganzes und den Politikern im Speziellen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wie Herausgeber Florian Busch-Janser formuliert. Entsprechend vielseitig gestalten sich die beruflichen Möglichkeiten. Sinnvoll ist zwischen interner und externer Beratung zu unterscheiden.

Die Vertrauten

Zur ersten Gruppe zählen die Mitarbeiter von Politikern in Partei, Fraktion oder Ministerbüro. Einhellig äußern sich die Autoren dahingehend, dass ihre Arbeit auf enger Kooperation, persönlichem Vertrauen, Loyalität und der Fähigkeit zur Kommunikation beruht.

Michael Scharfschwerdt bringt es auf den Punkt: "Als Berater gilt es genauso Stellung zu beziehen und mit dem/der politisch Verantwortlichen zu diskutieren. Es gibt wohl nichts schlimmeres für einen Politikberater als einen Chef, der einen zwar für die Bewältigung des Tagesgeschäfts braucht, darüber hinaus erwartet, dass man seinen Mund hält, weil er glaubt, als sein eigener Berater der Beste zu sein. Für einen Politiker gibt es im Gegenzug eigentlich nichts schlimmeres als einen Berater, der nicht berät. Sei es, dass er nicht Stellung bezieht oder, was viel schlimmer ist, indem er immer die Meinung des Chefs annimmt."

Ein vergleichsweise häufiger Berufseinstieg ist die Tätigkeit im Büro eines Parlamentariers. Katja-Julia Fischer stellt Abläufe und Anforderungen zwischen Großer Anfrage, Besuchergruppe und Wahlkreis-Konferenz gelungen dar.

Katja Pohlmann gibt Einblick in die Tätigkeit als Fraktionsreferent. Im Unterschied zu MdB-Mitarbeitern bearbeiten diese meist ein bestimmtes Themengebiet innerhalb einer Bundestagsfraktion. Innerhalb "ihrer" Arbeitsgruppe können Referenten über immensen Einfluss auf die Politikformulierung ihrer Fraktion haben. Zudem sind sie im Unterschied zu MdB-Mitarbeitern nicht privatrechtlich angestellt und werden analog zum Öffentlichen Dienst entlohnt.

Die "Söldner"

Peter Köppl versucht mit dem schlechten Image des Lobbyisten aufzuräumen. Nicht der Geldkoffer, sondern Information und Vertrauen sollte die Arbeit prägen. Politiker bedürfen externer Informationen und Lobbyisten vertreten (berechtigte) Interessen ihrer Auftraggeber. Ziel eines jeden guten Lobbyisten muss es sein, eine "win-win-Situation" herzustellen. Dafür ist der offene Austausch grundlegend. Auf Grund der gewachsener Beziehungen ist der Berufseinstieg für Neulinge schwer, der "quick and dirty approach" wenig zielführend.

Wigan Salazar erstellt ein anspruchsvolles Profil für angehende Mitarbeiter in Public-Affairs-Agenturen. Um die kommerzielle Kundschaft aus Wirtschaft, Industrie und Verbänden wirksam in ihren politischen Anliegen unterstützen zu können bedarf es hoher Arbeitsleistung sowie breiten Wissens um die Funktionsweise von Politik und Ökonomie. Intensive Kenntnisse über politische Abläufe sind genau so selbstverständlich wie Mehrsprachigkeit und sprachliches Ausdrucksvermögen. Wer all dies erfüllt, den erwartet ein komplexes Arbeitsfeld mit immer wieder wechselnden Aufgaben.

Einen - wenn auch auf niedrigem Niveau - wachsenden Anteil an Konzept und Budget konstatiert Frank Wernecke für den Bereich Online-Campaigning. Zwar ist zumindest eine Homepage mittlerweile selbstverständlich für politische Aktivitäten aller Art, allerdings wird die Online-Kommunikation häufig immer noch als verlängerter Arm der klassischen Kampagnenaktivitäten begriffen. Entsprechend niedrig fallen die Budgets aus. Aber auch jenseits der "New Economy-Träume" ist zukünftig mit Wachstumsraten und Personalbedarf zu rechnen.

Alexander Mauß stellt den Bereich Empirische Politikberatung / Wahlforschung vor. Statistisch Interessierte finden hier gute Möglichkeiten zum Berufseinstieg. Quantitative wie qualitative Sozialforschung bieten Einblick in die politischen Ansichten der Bevölkerung. Interessierte haben bereits als Studenten gute Möglichkeiten, das Arbeitsfeld kennen zu lernen.

Wie komme ich rein?

Einig sind sich die Autoren, dass es den einen Weg ins Beratergeschäft nicht gibt. Auch wenn ein Hochschulstudium inzwischen Standard ist, komme es weniger darauf an, was studiert wurde. Naturgemäß finden sich relativ viele Politologen und Juristen in der Branche, aber auch andere Richtungen sind breit vertreten. Vielmehr zählen breites Wissen, Kontaktfreude, Interesse an Politik, Belastbarkeit und Flexibilität.

Inzwischen werden auch in Deutschland verstärkt Studiengänge zur professionellen Politikberatung angeboten, so in Potsdam, Berlin oder Jena. Im Vergleich zu Nordamerika steckt diese Entwicklung jedoch noch in den Kinderschuhen, wie Joachim Klewes und Florian Busch-Janser konstatieren.

Den Herausgebern ist es gelungen, für Studierende mit ihrem Buch echten Nutzwert zu schaffen. Obwohl sich viele Ansätze auch in den zahlreichen Publikationen am Markt finden, so sind thematische Vielfalt und inhaltliche Stringenz der Beiträge vorbildlich. Dank der angenehm überparteilichen Darstellung fällt die überbordende Autorenherkunft aus dem konservativen Lager nicht störend ins Gewicht.

Ein Beitrag, der die zunehmende politische "Professionalisierung" kritisch hinterfragt, hätte dem Band allerdings gut getan. Die Hunzingers, Rexrodts und Laurenz Meyers der letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass Nähe ohne Transparenz dem demokratischen System nicht zuträglich ist. Insgesamt ist dem ambitionierten Buch eine breite Leserschaft und regelmäßige Aktualisierung zu wünschen.

Politikberatung als Beruf
Florian Busch-Janser (Hrsg.)
Sandra Gerding (Hrsg.)
Mario Voigt (Hrsg.)

Politikberatung als Beruf


poli-c-books 2005
252 Seiten, broschiert
EAN 978-3938456019

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