Die Vereinten Nationen heute und morgen

Welchen Herausforderungen sieht sich die UNO zu Beginn des 21. Jahrhunderts gegenüber?

Praxishandbuch UNO

Das 20. Jahrhundert

Ein Überblick über das 20. Jahrhundert anhand von Artikeln der NZZ. Ein interessanter Einblick in die damalige Berichterstattung.

Das 20. Jahrhundert im Spiegel der Neuen Zürcher Zeitung

PR-Schattenseite

Eine Affäre, die der PR-Branche wie auch Teilen der Presselandschaft deutlichen Schaden zugefügt hat.

Die Affäre Hunzinger

Amerikanische Geschichte

Für viele verkörpert der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die grösstmögliche Machtfülle, die einer Einzelperson zukommen kann. Diese Sicht resultiert aus der amerikanischen Verfassung (die Exekutive wird pauschal dem Präsidenten untergeordnet) und aus der hohen Medienpräsenz des Präsidenten. Dabei wird übersehen, dass der Präsident insbesondere innenpolitisch stark in seinen Möglichkeiten eingeschränkt ist. Der mächtige Gegenspieler ist der Kongress. So gestaltet sich der politische Alltag in den USA über weite Strecken als ein Machtkampf zwischen Präsident und Kongress, wobei es eine untergeordnete Rolle spielt, ob die Partei des Präsidenten im Kongress in der Minder- oder Mehrheit ist. Die Fraktionsdisziplin ist, im Gegensatz zu den meisten europäischen Parlamenten, wenig ausgebildet. Wer jeweils mehr Macht auf sich vereinigen kann, variierte in der amerikanischen Geschichte stark und ist zu einem grossen Teil von der Persönlichkeit des Präsidenten abhängig. Jürgen Heideking, der Herausgeber des vorliegenden Buches, ist im März 2000 bei einem Verkehrsunfall gestorben. Trotzdem konnte eine dritte, durchgesehene und aktualisierte Ausgabe erscheinen, betreut von Christof Mauch. Und das ist sehr erfreulich, denn das Buch ist aus geschichtlicher Sicht sehr interessant und ist ausserdem ein spannendes Lesebuch. Auf jeweils etwa zehn Seiten werden sämtliche amerikanischen Präsidenten portraitiert. Dabei wurde der Schwerpunkt nicht auf amüsante Anekdoten, sondern auf eine kritische Deutung der historischen Epochen mit den Leistungen, Versäumnissen oder Fehlentscheidungen des Präsidenten gelegt. Der persönliche Hintergrund des Amtsinhabers wurde auch nicht ausser Acht gelassen. So weicht manch ein vereinfachtes Bild einer differenzierten Betrachtungsweise. Lyndon B. Johnson bleibt nicht nur der machtbesessene Kriegstreiber, der die USA in den Vietnam-Krieg führte, Ronald Reagan nicht nur der Schauspieler der militärisch massiv aufrüstete oder Bill Clinton nicht nur der Präsident, der mit Frau Lewinsky fremd ging. Die Autoren, Spezialisten für die jeweilige Epoche, haben es verstanden, die wesentlichen Ereignisse, bei denen der US-Präsident eine Rolle spielte, zusammenzufassen und die charakterlichen Stärken und Schwächen, sowie die politische Haltung des Präsidenten in Zusammenhang zu bringen. So wird auch die Behauptung, es spiele sowieso keine Rolle, ob ein Demokrat oder Republikaner Präsident wird, widerlegt.

Die amerikanischen Präsidenten

Demokratie: Eine Diagnose

Das Gespräch mit Antonio Polito, Korrespondent der La Republica in London, macht Ralf Dahrendorfs Engagement für politische Fragen deutlich. Sehr differenziert legt er die Krisen der Demokratie als Regierungsform in der heutigen Zeit dar. Das Büchlein, aufgeteilt in zehn Kapitel von Globalisierung über Europa und Amerika bis Ethik, liefert eine umfassende Bestandesaufnahme der Demokratie und ist durch die Form als Gespräch sehr angenehm zu lesen. Dahrendorf setzt sich mit den Fragen auseinander, über die insbesondere die Parlamente dringend debattieren sollten, es aber zu wenig tun: - Wie soll mit der zunehmenden "Abwanderung" der Entscheidungsmacht von den nationalen Demokratien im Zuge der Globalisierung umgegangen werden? - Weshalb ist die Bewegung der Globalisierungsgegner eine legitime und ernstzunehmende Folge der Entwicklung? - Wie wird die Europäische Union demokratischer? - Wo bleibt der europäische "demos"? - Ist die US-Demokratie auch heute noch ein Vorbild? - Ist eine Kontrolle der Medien, die eine wichtige Funktion als Vermittler zwischen Politik und Volk haben, nötig? - Populismus als Rückkehr zu Autoritarismus? - Kann in Mehrheitsentscheiden über ethische Fragen bestimmt werden? Solchen und anderen Fragen geht Dahrendorf ausführlich und überzeugend nach. Er sieht einen der grössten Verluste in der zunehmenden Schwächung der Parlamente und in der damit in Zusammenhang stehenden Tendenz, dass Entscheidungen jenseits aller Kontrollen getroffen werden, während die Bevölkerung desinteressiert und apathisch bleibt. Visionen für die Zukunft kommen leider nur ansatzweise zur Sprache, obwohl Dahrendorf diese zweifelsohne hat. Wünscht man sich von dem Buch einen Überblick über die anstehenden Probleme demokratischer Regierungen, ist man nach der Lektüre sicher befriedigt. Der Titel lautet ja auch "Die Krisen der Demokratie" und lässt daher nicht zuviel erwarten.

Die Krisen der Demokratie

Gesamtdarstellung der Schweizer Politik

Das Handbuch der Schweizer Politik ist auf Initiative der Schweizerischen Vereinigung für Politische Wissenschaften (SVPW) entstanden - 2002 in dritter Auflage erschienen. Akademiker aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz haben Beiträge geleistet. Es ist aber kein Sammelwerk, in dem jeder Artikel für sich alleine steht und das übergeordnete Thema schlussendlich nur bruchstückhaft erschlossen wird, sondern die Beiträge sind gut aufeinander abgestimmt und geben als Ganzes eine fast lückenlose Darstellung der Schweizer Politik. Begrüssenswert ist ausserdem, dass die Autoren und Autorinnen durchaus subjektive Sichtweisen durchscheinen lassen. Dadurch wird die Lektüre interessanter. Ein Teil der Artikel ist in Französisch verfasst. Das Handbuch ist in fünf Bereiche gegliedert: Grundlagen, Institutionen, Organisationen, Kantone und Gemeinden, Entscheidungsprozesse, Politikbereiche. Ein umfassendes Sachregister macht das Buch ausserdem zu einem nützlichen Nachschlagewerk. Hier wäre es sinnvoll gewesen, die Stichworte zweisprachig aufzuführen, da insbesondere Fachbegriffe nicht unbedingt zum selbstverständlichen Vokabular einer Fremdsprache gehören. Ein begrüssenswerter Schritt ist die Herausgabe einer englischsprachigen Fassung. Der karge Markt an aktuellen Büchern über die Schweizer Politik, die auch nicht deutsch- bzw. französischsprachigen Personen zugänglich sind, wir dadurch sehr bereichert: Handbook on Swiss Politics (ISBN 3-03823-058-8)

Handbuch der Schweizer Politik

Methoden und ihr Anwendungsbereich

Dieses Handbuch ist aus einem Auftrag des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms Sicherheitspolitik entstanden. Das vor allem als Nachschlagewerk zu verwendende Werk gibt eine Einführung zu den Methoden der politikwissenschaftlichen Analyse im Bereich Aussenpolitik, Strategie und Aussenwirtschaft. In übersichtlicher Form erhält der Leser, die Leserin (ob Laie oder Experte) einen Überblick zu "wissenschaftlichen Denkhilfen". Die Verfasser legten Wert auf die direkte Umsetzbarkeit und richten sich ausdrücklich an Praktiker. Die Methoden werden sechs grundlegenden Fragestellungen zugeordnet: - Lageerkenntnis: Was ist? - Erklärung: Warum ist es? - Vorausschau: Was kommt? - Entscheidvorbereitung: Was kann getan werden? - Entscheiden: Was tun? Die Kapitel zu den einzelnen Methoden sind einheitlich aufgebaut: Zuerst wird kurz der Zweck der Methode und ihr Grundgedanke erklärt und anschliessend der Arbeitsablauf dargelegt. Das Ganze wird jeweils mit einem einfachen Beispiel erläutert. Ausserdem wird der ungefähre Arbeitsaufwand, der Anwendungsbereich und weiterführende Literatur angegeben. Das Buch ist dann als Nachschlagewerk nützlich, wenn man vor einem Problem oder einer Fragestellung steht und noch nicht weiss, wie es/sie angegangen werden könnte. Hier leistet es gute Dienste. Wünschenswert wäre eine Neuauflage (die letzte war 1988!), die neueste Erkenntnisse berücksichtigen und aktuelle Literaturhinweise geben würde. Hierfür müssten wohl neue Geldmittel gesprochen werden.

Handbuch der weltpolitischen Analyse

Zwischen Innen- und Aussenpolitik

Eine umfassende Darstellung der Schweizerischen Aussenpolitik fehlte bis anhin. Das vorliegende Buch schliesst diese Lücke. Es stützt sich auf die Erkenntnisse des Nationalen Forschungsprogramms 42 "Grundlagen und Möglichkeiten der schweizerischen Aussenpolitik", das von 1995-2000 insgesamt 58 Forschungsprojekte durchführte. Der innenpolitischen Dimension der Aussenpolitik wird gebührend Rechnung getragen. Im Zentrum stehen folgende Fragen: "Erstens: In welchem Kontext finden aussenpolitische Entscheide statt, und wie prägen kollektive Erwartungen und Rollenverständnisse von Eliten und verschiedenen Bevölkerungsgruppen die Aussenpolitik? Zweitens: Wie laufen aussenpolitische Entscheidungsprozesse ab, und wie beeinflusst die Machteilung zwischen Exekutive, Legislative und Verwaltung die Aussenpolitik? Welchen Einfluss haben die öffentliche Meinung, der Parteienwettbewerb und die Interessengruppen? Und drittens: Wie wirken sich kollektive Erwartungen und Entscheidungsstrukturen konkret auf die Ausgestaltung der einzelnen Politikbereiche aus?" (Seite 22) Diese Forschungsfragen machen deutlich, dass die Entscheidungsfindung besonders gewichtet wurde. Die Autoren sind zu Befunden gekommen, die zwar nicht unbedingt neu oder brisant, aber wichtig für die Orientierung in und Diskussion um die schweizerische Aussenpolitik sind. Eine Auswahl: 1. Die Regierung rechtfertigte über lange Zeit ihr aussenpolitisches Handeln mit neutralitätspolitischen Argumenten, schwieg sich aber gleichzeitig über das tatsächliche Ausmass der internationalen Einbindung der Schweiz aus. Dieser schwelende Widerspruch lässt sich heute kaum aufrechterhalten und führt zu grundlegenden Diskussionen. 2. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern sind die Kompetenzen der schweizerischen Aussenpolitik dezentral verteilt. Die Kantone und das Parlament haben erhebliche Mitbestimmungsmöglichkeiten. Das geht bisweilen so weit, dass einzelne Kantone ihre eigene "kleine Aussenpolitik" betreiben. Die Dezentralisierung nimmt tendenziell weiter zu. 3. Seit den Volksentscheiden gegen die Einbindung in die EU bzw. den EWR verfolgt die Schweizer Regierung einen Bilateralismus, der entscheidende Schritte eines EU-Beitritts vorwegnimmt. Die Diskussionsfläche bei einem allfälligen neuen Anlauf zu einer EU-Annäherung verringert sich dadurch erheblich. 4. Die Schweiz wendet nur mittelmässig viel Mittel für die Entwicklungshilfe auf (auch weil dies in der Bevölkerung wenig Unterstützung finden würde). Die "humanitäre Tradition" und "Solidarität" der Schweiz hochzuhalten, hat von daher keine genügende Rechtfertigungsgrundlage. 5. Die Vormachtstellung der Aussenwirtschaftspolitik ist seit 1990 im Schwinden begriffen. Die Durchsetzung der UNO-Charta und der Schutz der Menschenrechte werden heute dagegen stärker gewichtet. In den Schlussfolgerungen wird die Verschränkung von Innen- und Aussenpolitik besonders betont. Die Bevölkerung hat viele Mitentscheidungsrechte in der Aussenpolitik. Das ist eine Spezialität der Schweiz und hat entsprechende Bedeutung für die politische Führung. Abstimmungen zu aussenpolitischen Fragen werden häufig emotional geführt und generieren eine verhältnismässig hohe Stimmbeteiligung. Für die Autoren ist die innenpolitische Legitimation (vor allem in Zeiten des internationalen Wandels) dann auch die wichtigste Herausforderung für die politische Führung. Sie kann nur gemeistert werden, wenn sich die Aussenpolitik der Innenpolitik weiter öffnet und öffentliche Diskurse mit allen Akteuren geführt werden.

Schweizerische Aussenpolitik

Gesellschaft grenzüberschreitend

Im Zuge der sogenannten Globalisierung ist immer wieder die Rede von einem Bedeutungsverlust des Nationalstaates. In der Tat lässt sich im 20. Jahrhundert eine bemerkenswerte Verschiebung der Problemlagen auf die transnationale Ebene feststellen. Aussenpolitisch haben dabei, so heisst es in der Einleitung, vor allem die beiden Weltkriege, die verschiedenen Krisen im Rahmen des Kalten Krieges, die verschärfte Nord-Süd-Problematik und die daraus erwachsenen supranationalen Zusammenschlüsse sowie globale ökologische Krisen und die neuen Migrationen die offenkundigen Grenzen des Systems Nationalstaat und damit auch einer rein "inter-nationalen" Politik aufgezeigt. In welcher Weise die westlichen Gesellschaften auf diese sozialen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen und Infragestellungen des Nationalstaates reagierten, genauer wie diese Herausforderungen in den jeweiligen Öffentlichkeiten wahrgenommen wurden und in welcher Weise sie das Selbstverständnis und die Identität der Gesellschaften veränderten, stellt die Ausgangsfrage dieses Sammelbandes dar. Innovativ an diesem Werk ist die Entfernung von der Ebene des Nationalstaates hin zu einer "transnationalen Gesellschaftsgeschichte". Kritisch anzumerken ist, dass die Auswahl der Beiträge eine etwas starke Konzentration auf den europäischen Raum bewirkt. Die Beiträge sind nach den unterschiedlichen Ebenen und Strukturen von Transnationalität geordnet. Nach dem Beitrag von Kurt Imhof, der den begrifflichen Rahmen skizziert, wird das allgemeine Spannungsfeld der Entwicklung von Öffentlichkeiten und Identitäten zwischen den Polen von Nation, Europa und Welt aufgespannt. Dabei folgen die Beiträge in etwa einer chronologischen Anordnung, indem zunächst Rudolf Stichweh für die Öffentlichkeit und Bernhard Giesen zur Entstehung europäischer Identitäten einen diachronen Längsschnitt präsentieren, gefolgt von einer Spezifizierung dieser Identitäten im 19. Und 20. Jahrhundert, wie sie der Beitrag von Hartmut Kaelble vornimmt. Die Texte von Martin Kohli und Jürgen Gerhards nehmen dann die Entwicklung europäischer Identitäten und Öffentlichkeiten in den letzten Jahrzehnten vor dem Hintergrund der Herausbildung des supranationalen Zentrums der EU in den Blick, während Peter Niedermüller diese Befunde in der Perspektive Ostmitteleuropas konfrontiert und kontrastiert. Der zweite Teilabschnitt konzentriert sich auf spezifische transnationale Räume und insgesamt eher nur gering instiutionalisierte Transfers zwischen sozialen Gruppen und Bewegungen. Dabei geht es ebenfalls in weitgehend chronologischer Orientierung zunächst um sehr unterschiedliche Formen und Probleme von Migration - Wissenschaftler im Exil (Martin Kirsch), die chinesische Diaspora in Südostasien (Dominic Sachsmaier) und schliesslich die mit Migration verbundenen Fragen der Staatsangehörigkeit und Staatsbürgerschaft (Mathias Bös). Die folgenden drei Beiträge beschäftigen sich darauf aufbauend mit transnationalen sozialen Bewegungen, beginnend mit der stärker institutionalisierten internationalen Frauenbewegung vor dem Ersten Weltkrieg (Susan Zimmermann), gefolgt von den eher lockeren transnationalen Strukturen der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre (Ingrid Gilcher-Holtrey) und abgeschlossen durch eine umfassende Analyse des unterschiedlich institutionalisierten Grades an Transnationalität in den Öffentlichkeiten und Identitäten bei den neuen sozialen Bewegungen mit Rückblicken auf das 20.Jahrhundert und Ausblicken auf die kommenden Jahrzehnte (Dieter Rucht). Diesen Transferformen von sozialen Gruppen und Bewegungen stehen in einem letzten Abschnitt dann die stärker institutionalisierten Nichtregierungsorganisationen auf europäischer (Thomas Fetzer) und - anhand der Menschenrechtsinstitutionen - auf globaler Ebene gegenüber (Hans Peter Schmitz). Der Beitrag von Alexander Schmidt-Gernig zum Expertennetzwerk der Zukunftsforscher ist dagegen gewissermassen zwischen beiden Ebenen angesiedelt, indem er zeigt, dass die institutionellen Strukturen der Zukunftsforschung eher national blieben, die transnationale Ebene aber vor allem deshalb von ausserordentlicher Bedeutung war, weil hier gemeinsame Leitbilder und wissenschaftliche Paradigmen strukturbildend wirksam wurden.

Transnationale Öffentlichkeiten und Identitäten im 20. Jahrhundert

Couchepin behauptet unangefochten

In den Medien wird Pascal Couchepin gerne als Machtpolitiker, der nicht so recht in die Schweizer Konkordanzdemokratie passen will, dargestellt. Was er zu diesem Bild sagt, und welche Haltung er zu verschiedenen politischen Themen einnimmt, erfahren wir in den im vorliegenden Buch veröffentlichten Gesprächen mit Jean Romain, dem Westschweizer Schriftsteller. In seiner Antwort auf die Frage, was er davon hält, wenn er mit römischen Kaisern oder Napoleon verglichen wird, ist nicht zu überhören, dass solche Vergleiche ihm schmeicheln. Eine "gewisse Strenge in der Politik" hält er für richtig und er ist der "festen Meinung, dass sich die Staatsmacht von Zeit zu Zeit in ihrem vollen Glanz zeigen sollte." Er würde beispielsweise ungern "bei offiziellen Empfängen ganz auf die Ehrengarde" verzichten. Diese Haltung nehmen zweifelsohne auch andere Schweizer Politiker ein, denen deswegen aber nicht gleich imperiale Politik nachgesagt wird. Die charismatische Erscheinung Couchepins ist wohl das entscheidende Merkmal, denn Charismatiker sind in der Schweizer Politik ungewohnt. Seine Stellungnahmen zu Sachfragen fördern keine Überraschungen zu Tage. Couchepin ist ein Politiker mit einem fest verankerten (idealistischen) Fortschrittsglauben und ein repräsentativer Vertreter des Schweizer Freisinns. Etwas störend ist, dass Jean Romain kaum eine Behauptung Couchepins hinterfragt. Romain führt Couchepin durch die verschiedenen Gebiete ohne ihn argumentativ herauszufordern. Dabei hätten sich genügend Gelegenheiten geboten, beispielsweise wenn Couchepin behauptet, der Einfluss der Transnationalen Konzerne sei mit Nutzen auch für die ärmsten Länder verbunden, ohne die mehrfach wissenschaftlich belegte Tatsache zu beachten, dass Länder, die sich gegenüber den Transnationalen Konzernen als besonders offen zeigten, heute diejenigen sind, die marginalisiert oder in ihrer Entwicklung stagniert sind und sich durch eine besonders ausgeprägte innere Einkommensungleichheit auszeichnen. Couchepin versprüht Optimismus und lässt Fortschrittsskeptiker und Globalisierungskritiker als politische Bremser erscheinen, die sich von Unsicherheit leiten lassen. So pachtet er den Pragmatismus für sich. Eine kontroversere Diskussion wäre zu wünschen gewesen.

Ich glaube an die Politik

Ungarn auf die Schnelle

Ungarn vollzieht mit dem Nato- und EU-Beitritt den logischen Schritt seiner traditionellen Orientierung gegen Westen. Seit 1989 hat Ungarn in grossen Schritten erfolgreich die westlichen Standards und die Bedingungen für den EU-Beitritt vollzogen. Die Öffnung zeigt sich in der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Westen und dem stetig wachsenden Touristenstrom. Wer sich über Ungarn informieren möchte, aber hierfür nicht dicke Bücher bewältigen will, kann den Zentraleuropa Almanach Ungarn zur Hand nehmen. Auf 128 Seiten erfährt der Leser Grundlegendes aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Dazu gibt es Folgendes anzumerken: - Im Bereich Politik wurde der Fokus auf die Westintegration und die Sicherheitspolitik gelegt. Die Innenpolitik wird nur aus dieser Perspektive berücksichtigt. - Der Wirtschaftsbereich könnte stellenweise ein Werbetext für potenzielle Investoren sein. Hier wird die wohl etwas gar euphorische Sichtweise gegenüber dem neuen Wirtschaftsraum deutlich. In der Praxis wurde bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2003 einiges deutlich relativiert. - Der Kultur wird im Vergleich zur Politik und Wirtschaft bescheidener Platz eingeräumt. Einen geschichtlichen Überblick gibt eine recht ausführliche Zeittafel. Wünschenswert wären Bezüge zu heute gewesen, zum Beispiel welchen Einfluss die Vergangenheit auf die Verhältnisse zu anderen Ländern oder Volksgruppen heute hat. Praktisch sind die Hinweise auf Internetseiten und Informationen für Besucher und Geschäftsreisende. Allerdings wären diese überholungsbedürftig gewesen, denn die Devisenbestimmung, man dürfe lediglich 3000 Forint (knapp 20 Euro) bei der Einreise mitführen, ist längst nicht mehr richtig. (Heute dürfen Ausländer bis 350'000 Forint aus- oder einführen.) Kurz: Die Bilanz zum Zentraleuropa Almanach Ungarn ist durchzogen. Er ist durchaus nützlich und lesenswert, legt die Akzente aber etwas gar einseitig.

Zentraleuropa Almanach Ungarn

Ein vorzügliches Nachschlagewerk

Dieses Lexikon versteht sich als Wegweiser durch die Politikwissenschaft und als fachwissenschaftliches Nachschlagewerk. In Zentrum stehen, wie dem Untertitel zu entnehmen ist, Theorien, Methoden und Begriffe, also weniger die Phänomene der Politik selbst. Insgesamt 144 Autorinnen und Autoren verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen haben Beiträge geleistet. Dank der vielfältigen Vernetzung der etwa 1300 Begriffe können ganze Teilgebiete schnell erschlossen werden. Stichwörter werden jeweils in einem ersten Abschnitt kurz erklärt, dann wird genauer auf die entsprechenden Theorien, Konzepte, Ansätze, Methoden und Forschungstechniken, also auf das Instrumentarium, mit dessen Hilfe wissenschaftliche Ergebnisse erzielt werden, eingegangen. Am Ende eines Artikels findet man Verweise auf zusammenhängende, wichtige Stichwörter und je nach Stichwort Literaturhinweise. Wie die Herausgeber es im Vorwort bereits sagen, ist es sehr zu begrüssen, dass dieses empfehlenswerte Werk in die Beck'sche Reihe aufgenommen wurde. Denn sonst ist bei solch umfangreichen Werken meist der Preis eine unangenehme Begleiterscheinung.

Lexikon der Politikwissenschaft

Nachschlagewerk mit friedenspolitischem Akzent

Die Autoren des vorliegenden Lexikons stammen zur Mehrzahl aus dem Bereich der kritischen Friedensforschung und geben diesem Buch somit einen entsprechenden Akzent, der sich auch in der Auswahl der Begriffe niederschlägt. Die Herausgeber stellen nicht den Anspruch in Konkurrenz mit bereits existierenden Lexika zur Internationalen Politik zu treten. Sie nennen folgende Punkte, die den Inhalt kennzeichnen sollen: - in der Theoriediskussion durch die Aufnahme neuer Ansätze wie des feministischen und des postmodernen Diskurses über internationale Politik, sowie neuerer Leitvorstellungen wie der "internationalen Zivilgesellschaft" - die Verwendung einer politologischen Herangehensweise, d.h. dem wiederholten Rückbezug auf Fragen von Herrschaft und Macht, der Einführung der sich "von unten" ("low politics") neben den angestammten "high politics" - die breite Berücksichtigung ökologischer Aspekte - die historische Aufbereitung von Stichworten - mit Blick auf vergleichbare englische Werke eine stärker didaktisch orientierte Präsentation - in den Quellenbezügen und den Literaturhinweisen wurde versucht, ein "internationales" Lexikon zu erarbeiten, welches eine Orientierung lediglich am Diskurs im deutschsprachigen Raum vermeidet Auf knapp 600 Seiten finden sich etwas mehr als 200 Begriffe. Dieses Verhältnis zeigt, dass den Begriffen - im Gegensatz zu den meisten Nachschlagewerken - relativ viel Raum gegeben wurde. Damit ist auf der einen Seite eine gewisse Beschränktheit verbunden, indem man gewisse Stichworte, die man in einem Lexikon der internationalen Politik erwartet hätte, nicht findet, auf der anderen Seite hatten die Autoren so die Möglichkeit, fundiertere Information zu liefern. Das Fehlen von Begriffen milderten die Herausgeber ab, indem sie ein recht umfangreiches Register anlegten, mit dem man auch Begriffe finden kann, denen kein separater Artikel gewidmet wurde. Nimmt man einen direkten Vergleich eines Stichwortbeitrages zwischen diesem und einem "herkömmlichen" Lexikon vor, wird die Stärke des vorliegende Lexikons deutlich: Der Begriff wird nicht nur erklärt oder übersetzt, man erhält zudem auch Informationen über die geschichtliche Entstehung des Begriffs und über die Bedeutung, die er für unterschiedliche Interessensgruppen hat. Ausserdem werden weiterführende Literaturhinweise gegeben. Fazit: Dieses Lexikon bietet artikelhafte Einführungen in die Themenbereiche der Internationalen Politik und ist somit beispielsweise für Studenten besonders nützlich.

Lexikon der internationalen Politik