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Péter Horváth, Ronald Gleich, Mischa Seiter: Controlling

Controlling als Instrument des Managements

Beim Erscheinen der ersten Auflage dieses Lehrbuchs im Jahre 1979 steckte das Controlling in deutschen Unternehmen noch weitgehend in den Kinderschuhen. Abgesehen von etlichen Großunternehmen gab es noch in vielen mittleren und kleinen Betrieben sowie in der gesamten staatlichen und kommunalen Verwaltung einen eklatanten "Controlling-Gap". Zwischenzeitlich hat sich das Controlling als managementunterstützende Funktion in der Unternehmens- und Verwaltungspraxis sowie als eigenständige Fachdisziplin in betriebswirtschaftlichen Studiengängen durchgesetzt. Die Dynamik und Komplexität der Umwelt sind heute durch zunehmende Diskontinuitäten gekennzeichnet und bewirken u. a. eine immer stärker werdende Arbeitsteilung, veränderte Machtstrukturen und heterogene Zielsysteme.

Als Klassiker unter den einschlägigen Controlling-Lehrbüchern hat sich »der Horváth« schon lange etabliert und gilt bis heute als unübertroffen. Der Anspruch dieses Buches war und ist eine umfassende Gesamtdarstellung des State of the Art im Controlling vorzulegen, die geeignet ist, alle relevanten Einzelaspekte einzuordnen, d. h. einen tragfähigen Rahmen für die praktische wie wissenschaftliche Weiterentwicklung zu schaffen. Der seinerzeit erstmals vertretene koordinationsorientierte Ansatz des Controllings erwies sich als dermaßen tragfähig, dass er sich weitgehend durchgesetzt hat und den konzeptionellen Rahmen dieses Lehrbuchs bildet.

Das Werk gliedert sich in sieben Kapitel:

"Das Koordinationsproblem und seine Lösung durch Controlling": In diesem einführenden Kapitel werden die Entstehungsgründe der Controllingfunktion erarbeitet. Danach wird das Controllingkonzept anhand von konkreten Praxisbeispielen, empirischen Erhebungen und Auswertung der relevanten Fachliteratur vorgestellt.

"Das koordinationsbasierte Controlling": Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Frage, mit welchem wissenschaftlichen Ansatz sollte man an den Sachverhalt "Controllingfunktion" bei der weiteren Analyse des Problems herangehen. Hierzu werden die verschiedenen, sich überlappenden Theorien der Betriebswirtschaftslehre beschrieben und ihr Beitrag zum Controlling untersucht. Danach wird das koordinationsbasierte Controllingkonzept, auf dem die Darstellung dieses Buchs im Weiteren basiert, entwickelt. In diesem Zusammenhang werden auch die Erkenntnisse des verhaltenswissenschaftlich orientierten "Behavioral Accounting", welches die Wirkung von Informationen des Rechnungswesens auf das Entscheidungsverhalten analysiert, einbezogen.

"Koordination der Planung und Kontrolle": Die Mitwirkung an der zielorientierten Planung steht heute an erster Stelle im Aufgabenkatalog des Controllers in der Praxis. Die Kontrolle wird als Pendant zur Planung gesehen. Dementsprechend geht es in diesem Kapitel um die konkreten Koordinationsaufgaben, welche bei der Gestaltung und beim Betrieb des Planungs- und Kontrollsystems anfallen. Die Schwerpunkte des PK-Controllings sind Strategisches Controlling und Strategieumsetzung mit der Balanced Scorecard (BSC), Budgetierung, Gemeinkostenplanung und -kontrolle sowie Steuerplanung und -kontrolle.

"Koordination der Informationsversorgung": Planung und Kontrolle bedürfen der Informationsversorgung. Deshalb ist die Informationsversorgung der Führung mit ergebniszielorientierten Informationen von Anfang an die Kernaufgabe von Controllern gewesen. Allerdings haben sich die Auffassungen darüber, welche Sachverhalte die Informationsversorgung erfassen sollte, im Laufe der Zeit stark gewandelt. Im Fokus dieses Kapitels stehen vor allem die Beschaffung und Aufbereitung derjenigen Informationen, die das PK-System auf den verschiedenen Stufen üblicherweise benötigt, d.h. Informationen für die strategische und operative Planung und Kontrolle. Dabei geht es zum einen vor allem um die Chancen und Risiken der Umwelt sowie um die Stärken und Schwächen des Unternehmens, zum anderen vornehmlich um das Rechnungswesen. Dementsprechend werden zuerst die SWOT-, Umwelt-, Unternehmens-, Potenzial-, Wertketten- und Portfolioanalyse sowie die Reifegradmodelle behandelt. Im Rahmen der eher strategisch bzw. strategieorientierten Instrumenten werden u.a. die Früherkennungssysteme, Forecasts, Benchmarking, wertorientierte Verfahren, Investitions- und Lebenszyklusrechnungen, Target Costing, Prozesskostenrechnung und Kostenremanenzanalyse erörtert. Danach wird gezeigt, wie sich operative Informationen vor allem aus dem Rechnungswesen, mit Hilfe von Finanzierungsrechnungen, Aufwands- und Ertragsrechnungen, Kosten- und Leistungsrechnungen sowie mit Kennzahlen, Kennzahlensystemen und Verrechnungspreisen, gewinnen lassen. Abschließend werden die Informationsübermittlung ("Reporting") und die Organisation der Informationsversorgung thematisiert.

"Organisation des Controllings": In diesem Kapitel werden die Gestaltung und die Gesamtorganisation des Controllings behandelt. Nach einem Überblick über die Kontextfaktoren und Gestaltungsvariablen der Controllingorganisation werden verschiedene organisatorische Ausprägungen vorgestellt. Neben dem Konzerncontrolling haben sich zunehmend Konzepte für die unterschiedlichsten funktionalen Teilbereiche (z.B. Marketing-, Finanz- und IT-Controlling) oder für spezielle Herausforderungen bzw. aktuelle Entwicklungen (z.B. Green Controlling, Innovationscontrolling) entwickelt, welche im Einzelnen dargestellt werden. Die weiteren Überlegungen befassen sich mit den Anforderungen an die Person des Controllers ("Controller-Kompetenzmodell" und neues proaktives Rollenverständnis des Controllers) sowie mit der Weiterentwicklung des Controllingsystems und des Controllerbereichs.

"Digitalisierung im Controlling": Die Verfasser verweisen zu Recht darauf, dass zwar die Digitalisierung wie kein anderes Stichwort die Diskussion um die zukünftige Entwicklung des Controllings prägt, jedoch kein Konsens darüber existiert, welche Ausprägungen die Digitalisierung speziell im Controlling aufweist. Die aktuellen Entwicklungen werden vor allem anhand von drei Aspekten der Digitalisierung referiert: Funktionserweiterung (z.B. durch ERP-Systeme, Business Intelligence und Business Analytics), Automatisierung (z.B. durch Workflow-Management und Robotic Process Automation) und Beschleunigung (z.B. durch In-Memory-Technologien und Cloud Computing).

"Corporate Governance": Ein Unternehmen benötigt zur Wahrnehmung von Leitung und Überwachung einen rechtlichen, organisatorischen und informatorischen Ordnungsrahmen. Dieser erstreckt sich nicht allein auf die interne Struktur, sondern auch auf die Außenbeziehungen zu allen Stakeholdern. Dies ist der Gegenstand von Corporate Governance. Im Kern geht es um das "Prinzipal-Agenten-Problem", das aus dem Umstand resultiert, dass Shareholder aber auch andere Stakeholder das Unternehmen nicht selbst führen. Das Controlling als Funktion und damit auch der Controller als Person sind ein wichtiger Teil der Corporate Governance. Dabei gilt es, Informationsasymmetrien zu beseitigen, zielorientiert im Dienst von "checks and balances" zu koordinieren und durch die in das Steuerungssystem integrierten Kontrollmechanismen eine Überwachung im Interesse der Transparenz und Regeleinhaltung zu bewirken. Vor diesem Hintergrund werden die drei wesentlichen Teilbereiche der Corporate Governance – das Interne Kontrollsystem, die Interne Revision und das Risikomanagement – vorgestellt und ihre Verbindung zum Controlling thematisiert.

Die vorliegende Neuauflage wurde vor allem in dreierlei Hinsicht optimiert:

  • aktuelle Entwicklungen bei der Digitalisierung des Controllings führten zu einer völligen Umgestaltung des Kapitels zur Informationstechnologie und zu umfassenden Anpassungen bei weiteren Schwerpunkten;
  • zahlreiche Praxisbeispiele wurden aktualisiert bzw. teilweise einige ersetzt; nach jedem Kapitel wird jetzt gezielt auf eine jeweils "passende" vertiefende Fallstudie aus dem von den drei Verfassern ebenfalls erstellten Fallstudienbuch hingewiesen;
  • die aktuelle Fachliteratur und Praxisentwicklungen wurden umfassend eingearbeitet und mit dem Vierfarbendruck ist das Buch optisch nochmals lesefreundlicher ausgefallen.

Damit hat das Autorentrio Péter Horváth (ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls Controlling der Uni Stuttgart und stv. Aufsichtsratsvorsitzender der Managementberatung Horváth AG), Ronald Gleich (Dekan der Fakultät EBS Executive School und seit 2007 Vorsitzender der Institutsleitung des Strascheg Institute for Innovation, Transformation & Entrepreneurship [SITE] der EBS Uni Oestrich-Winkel) und Mischa Seiter (Professor für Wertschöpfungs- und Netzwerkmanagement am Institut für Technologie- und Prozessmanagement der Uni Ulm sowie Wissenschaftlicher Leiter des International Performance Research Institute, Stuttgart) ihr vortreffliches Werk mit dem gelungenen neuen methodisch-didaktischen Outfit wieder auf den neuesten Stand gebracht. Die profunde Bearbeitung des Controllings, die hervorragende anwendungsorientierte Aufbereitung der gesamten Materie, die Einbeziehung der Ergebnisse wichtiger empirischer Untersuchungen und zahlreiche charakteristische Beispiele aus der Controller-Praxis sind ein unverwechselbares Markenzeichen dieses Lehrbuchs. Die Wiederholungs- und Gestaltungsfragen an Manager und Controller sowie die gezielten Literaturempfehlungen am Ende eines jeden Kapitels ergänzen das Buch. Sie erleichtern die individuelle Lernzielkontrolle für die Studierenden und ermöglichen den Praktikern eine weitergehende Vertiefung in spezielle Controllingthemen.

Das hervorragende Standardwerk kann allen Studierenden der Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften, die im Rahmen eines Bachelor- und Masterstudiums eine fundierte, umfassende und anwendungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Controlling suchen, bestens empfohlen werden. Darüber hinaus kann es von Managern und Praktikern des Controllings als Nachschlagewerk und für Anregungen zur weiteren Ausgestaltung des eigenen Unternehmenscontrollings gut genutzt werden.


von Bernd W. Müller-Hedrich - 02. Januar 2020