Architektur

Peter Zumthors Präzision in Buchform

"Ich begann meinen eigenen Vorstellungen wieder zu vertrauen" schreibt Peter Zumthor im einleitenden Text zu seiner in fünf Bänden publizierten Gesamtausgabe. Die eigene Vorstellung als Fundament für die architektonische Arbeit zu nutzen und dadurch spezifische Häuser und Projekte von hoher architektonischer Qualität entstehen lassen zu können, ist wohl der Wunsch vieler Architekten. Dank der vorliegenden Publikation, welche ausgewählte Bauten und Projekte von Peter Zumthor über die Jahre 1985 bis 2013 versammelt, erhält man einen reichhaltigen Eindruck, wie sich diese 'eigenen Vorstellungen' über die Jahre zu einem stimmigen architektonischen Werk gefügt haben.

Die fünf Bände der Gesamtausgabe sind chronologisch geordnet und enthalten pro Band acht bis zehn Bauten oder Projekte. Die Präsentation der einzelnen Arbeiten überzeugt durch ihre dem Werk angepasste Art: stimmungsvoll ergänzen sich präzise ausgesuchte Fotografien (Landschaften, Fassaden, Innenräume, Detail- und Modellaufnahmen) mit Plangrundlagen (Grundrisse, Schnitte, Fassaden, Details und Skizzen) und schaffen es so, etwas von der Atmosphäre des gezeigten Werks zu transportieren. Jedes Projekt wird mit einer treffenden Anzahl von Darstellungen und wohldosiertem Freiraum vorgestellt. Dazwischen eingestreut sind Texte von Peter Zumthor zu jeder Arbeit. Diese Notizen sind allesamt sehr persönlich gehalten und erzählen meist etwas über die Geschichte des Bau- oder Projektprozesses. Es sind nicht die üblichen Architektentexte zu Städtebau, Materialisation, Farbe und Technik, sondern interessante narrative Ergänzungen. Man erhält den Eindruck, als ob man am Tisch mit Peter Zumthor sitzt und er einem etwas zu den Projekten erzählt. Dieses Zusammenspiel von Text und Bild schafft es, die präsentierten Bauten vielschichtig fassbar zu machen.

Durch die Art und Weise der Vorstellung des Werkes wirkt die grosse Anzahl der gezeigten Bauten und Projekte nie erdrückend oder ermüdend, eher im Gegenteil: gerne schlägt man den nächsten Band auf und lässt sich weiter inspirieren. Im letzten Band (fünf) findet sich im hinteren Bereich ein komplettes Werkverzeichnis (1968 - 2013), eine kurze Biografie, eine Auflistung der Texte und aller Mitarbeiter von Peter Zumthor sowie ein kurzer Essay mit dem Dank an alle am Prozess Beteiligten: "Ein gutes Bauwerk entsteht aus dem Wissen und Können von vielen."

Die gesamte Publikation widerspiegelt die sorgfältige und detailgetreue Arbeit der vorgestellten Architektur - "von innen nach aussen und von aussen nach innen und dann wieder von innen nach aussen, bis es stimmt". Unter den vorgestellten Arbeiten finden sich die bekannte Therme in Vals, der Serpentine Gallery Pavillon, die Feldkapelle Bruder Klaus aber auch einige unausgeführte Entwurfsarbeiten. Während die Therme in Vals mittels an Ausführungspläne erinnernde Plangrafik präsentiert wird, werden frühere Projekte mit Bleistiftzeichnungen vorgestellt und unterstreichen so bei jedem Projekt den innenwohnenden Charakter der architektonischen Arbeit. Die architektonische Qualität kann laut Peter Zumthor daran gemessen werden, "ob man von einem Bauwerk berührt ist": nach der Durchsicht dieser Gesamtausgabe bleiben einem einige Eindrücke in Erinnerung - und ganz sicher ein starker Gesamteindruck des präsentierten Werkes.

"Im Idealfall passt das Gebäude zu seinem Gebrauch wie der Handschuh zur Hand, erfreut die Menschen, die es benutzen, durch seine Schönheit und verfügt über eine Präsenz, die seine Umgebung bereichert."

Peter Zumthor 1985-2013
Peter Zumthor
Thomas Durisch (Hrsg.)

Peter Zumthor 1985-2013


Bauten und Projekte
Scheidegger & Spiess 2014
865 Seiten, gebunden
EAN 978-3858813046
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