Pädagogik

Schluss mit der Separation

Obwohl sich das vorliegende Buch primär an Studierende des Faches "Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen" richtet, handelt es sich keinesfalls nur um ein klassisches Studienbuch. Auch Eltern, Behördenmitgliedern und Lehrpersonen aller Fachrichtungen sei die Lektüre wärmstens zu empfehlen, umso mehr, als das Buch ein ebenso aktuelles wie brisantes Thema aufgreift:

Integration statt Separation

Der Pädagogikprofessor Rolf Werning ist Direktor des Instituts für Sonderpädagogik an der Universität Hannover, die Sonderpädagogin Birgit Lütje-Klose wissenschaftliche Mitarbeiterin am selben Institut. Die beiden Autoren geben ihrer Leserschaft zunächst einen packenden Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte der so genannten Hilfs- und Sonderschulen. Sie zeigen auf, wie im letzten Jahrhundert Kinder mit Lernschwierigkeiten in der Volksschule wenig Aussicht auf eine angemessene Förderung hatten. Hinter der Aussonderung stand die unbewiesene These, dass Kinder mit Lernschwierigkeiten ihre Mitschüler hemmen würden.

Erst 1968 wurde ein dynamischer Begabungsbegriff eingeführt, der beinhaltete, dass Kinder durch pädagogische Förderung begabt werden könnten und Begabung nicht als statische Grösse anzusehen sei. Erschütternd, wie die standespolitischen Interessen einer sich entwickelnden Hilfsschullehrerschaft, die sich von den "normalen Volksschullehrer/innen" deutlich abgrenzen wollte, einer integrativen Förderung im Wege standen: "Der Hilfsschullehrer hat es mit einem ganz anderen Material zu tun als der Volksschullehrer. Er arbeitet mit pathologischen Kindern."

Integrative Förderung als Modell der Zukunft

Obwohl die Autoren die verschiedenen pädagogischen und didaktischen Konzepte sachlich und umfassend darstellen, zeigen sie in ihrem letzten Kapitel "Perspektiven der Förderung" unmissverständlich auf, wohin der Weg zu führen hat.

"Auch lernbeeinträchtigte Schüler sind aktive, konstruktive und kooperative Lerner, die als Akteure ihrer Entwicklung selbst darüber bestimmen, welche Lerngegenstände sie wahrnehmen und verarbeiten, um ihre eigenen Strukturen weiter zu entwickeln."

Alle Kinder sollen das Recht haben, in ihrem Wohnquartier die Regelklasse zu besuchen. Die Stärken, Schwächen und Eigenarten jedes Kindes sollen wahrgenommen und genutzt werden, der integrative Unterricht soll sich durch einen offenen, individualisierenden Zugang kennzeichnen.
Ein Frucht bringender integrativer Unterricht braucht einige Voraussetzungen: Es gilt, sich von den Vorstellungen homogener Lerngruppen und des Lernens im Gleichschritt zu verabschieden. Bewertungs- und Selektionsmassstäbe sind zu hinterfragen, die immer noch vorherrschende Mittelschichtorientierung der Schule über Bord zu werfen.

Ressourcen müssen geschaffen werden, um individualisierenden Unterricht zu ermöglichen. Hierbei ist in erster Linie an die Bildung kleinerer Lerngruppen und die Installation eines generellen Teamteachings zu denken.

"Integrative Pädagogik findet zunächst einmal in den Köpfen der Pädagoginnen und Pädagogen statt und verlangt eine neue Perspektive: Nicht mehr allein das Kind muss sich den Bedingungen und Anforderungen der Schule anpassen, sondern die Schule ist aufgefordert, sich gegenüber der Individualität der Schüler zu öffnen." "Integration ist zunächst immer eine normative, eine moralische Entscheidung. Sie ist eine Frage des politischen Wollens und nicht der pädagogischen Machbarkeit."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Einführung in die Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen
Rolf Werning
Birgit Lütje-Klose

Einführung in die Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen


UTB 2006
240 Seiten, broschiert
EAN 978-3825223915

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