Revolution als Actionfilm
Insgesamt sechs Oscars räumte das PTA-Revolutionsepos bei den diesjährigen Oscars ab. Die Vorlage lieferte vor mehr als 30 Jahren Thomas Pynchon mit seinem Roman Vineland (1990). Die Oscars dürften die bisherigen Einspielergebnisse von 200 Millionen Dollar doch noch auf die erwarteten 300 Millionen hochschrauben.
162 Minuten geballte Action mit viel Selbstironie zeigen Leonardo DiCaprio als Revolutionär Bob, Benicio Del Toro als Sergio St. Carlos und Sean Penn als Col. Steven J. Lockjaw, der der Widerstandsgruppe French 75 schon seit 20 Jahren nachjagt. Auch Regina Hall als Deandra aka „Lady Champagne“ spielt bei der den Weathermen nachempfundenen Gruppe French 75 eine wichtige Rolle. Doch im Zentrum steht eigentlich die Beziehung des Vaters Bob zu seiner Tochter Wila (Chase Infiniti), die er vor jedem Schaden schützen will – so gut das als Revolutionär eben geht. Der von DiCaprio dargestellte, abgehalfterte Revolutionär Bob erinnert in seinem Bademantel tatsächlich etwas an Big Lebowski, damals, 1998, von Jeff Bridges in der Regie der Coen Brothers zur Kultfigur avanciert. Aber auch seine Gegenspieler sind grandios besetzt, besonders natürlich Sean Penn, der für seine Darstellung des rachsüchtigen Col. Steven J. Lockjaw einen Oscar als bester Nebendarsteller bekam, ebenso wie Benicio Del Toro. Auch wenn die Handlung der Literaturvorlage in den Achtzigern spielt – Thomas Pynchon nannte den Antritt von Ronald Reagans Präsidentschaft als auslösendes Moment –, könnte One Battle After Another ebenso in der Jetztzeit spielen, denn auch im Jahre 2026 gibt es noch so etwas wie eine Gegenkultur in den USA.
„The Revolution Will (Not) Be Televised“
Dass ausgerechnet ein Film, der im Milieu linksradikaler Revolutionäre spielt, einen solchen Erfolg zeitigt, mag u. a. auch an der actionreichen Handlung und der Entschärfung der Literaturvorlage liegen. Natürlich spielt auch das Vater-Tochter-Motiv eine Rolle. Rechte Kritiker brachte der Revolutionsromantizismus jedenfalls schon jetzt auf die Palme, denn ausgerechnet die Gewaltverherrlichung wurde dem Film von jenen angekreidet, die auf der anderen Seite Polizeigewalt rechtfertigen. Dabei war die Gewalt einer Gruppe wie der Weathermen nur ein Charakteristikum von vielen, das die Sechziger auszeichnete. Vielmehr war es eine kulturelle Revolution, die sich gegen den Krieg (Vietnam) an sich wandte und andere Formen des gesellschaftlichen Miteinanders propagierte. Der gesellschaftliche Rollback, der seit den Achtzigern – u. a. durch Ronald Reagan – einsetzte, wird vom heutigen Präsidenten, #47, sogar noch angeheizt, und alle Errungenschaften der Sechziger werden verbrannt: Partizipation, Frauenrechte, Solidarität.
Das von Gil Scott-Heron verfasste Gedicht The Revolution Will Not Be Televised, auch ein hörenswerter Song, bekommt durch One Battle After Another neue Aktualität. Eine nicht ganz unberechtigte Kritik an der Rolle der Frauen im Film führte zudem zu Diskussionen einer möglichen Fortsetzung des Films mit Teyana Taylor als Perfidia Beverly Hills in der Hauptrolle. Steven Spielberg war so begeistert von PTAs neuestem Werk, dass er es sogar „insane“ und „really incredible“ nannte, sogar „increasingly more relevant" angesichts von ICE und Minneapolis. Aber auch andere über jeden Vorwurf des Linksradikalismus erhabene Regisseure wie Francis Ford Coppola, Michael Mann, Paul Schrader und Martin Scorsese lobten One Battle After Another schon vor dem Oscarregen. Die wohl ebenfalls über jeden Vorwurf von Linksradikalismus erhabene Schauspielerin und Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence sprach sogar vom „best movie ever seen" und „the most incredible movie ever seen in her entire life", und dass sie „can't remember a time where I ever had an experience like that in the cinema". Die Literaturvorlage "Vineland" von Thomas Pynchon erschien bei Rowohlt. Es gibt also noch Hoffnung für die von Wila (Chase Infiniti) verkörperte Next Generation …
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