Ein Cowboy aus Australien
Das Artbook, das die soeben erschienene Graphic Novel zum Leben von Nick Cave begleitet, hat die Größe einer Langspielplatte und zeigt einzelne Episoden und Strips aus dem Leben Nick Caves, der dieses Jahr auch schon 60 Jahre alt wird. In einer Geschichte trifft der Erzähler selbst auf Stagger Lee und macht sich mit seinem Hund pfeifend aus dem Staub: Reinhard Kleist zeigt, dass selbst Nick Cave manchmal seine Figuren über den Kopf wachsen, denn er hat Stagger Lee zwar nicht erfunden (geschrieben), dafür aber zum Leben erweckt. Das kann auch ganz schön ins Auge gehen. "Nick Cave And The Bad Seeds" ist teilweise farbig und zeigt den Sänger, Schriftsteller und Soundtrack-Komponisten in komischen Situationen. Etwa wenn er der von ihm besungenen Deanna begegnet, die ihn auf eine Spritztour mitnimmt und ihn schließlich selbst mit einem Revolver bedroht. Die Pulp-imitierenden Bildstreifen sind sandfarben und S/W und erzählen die Geschichte Deannas mit Hilfe des Liedtextes, am Ende ist der Name sogar ganz groß auf eine Mauer gesprüht: DEANNA. Aber er war nicht dort für ihren Körper, sondern für ihre Seele; "And I ain’t down here for your money, I ain’t down here for your love, I ain’t down here for your love of money...I’m down here for your soul.".
Berlin: "Where the Wild Roses Grow"?
Als The Birthday Party Anfang der Achtziger Jahre nach Berlin kamen, bestanden sie aus Rowland S. Howard, Mick Harvey, Nick Cave und Tracy Pew und das Gruppenbild von Kleist zeigt sie skeptisch in einer Punkerbar. Ist es das, warum sie den weiten Weg von Australien herauf antraten? Ihren ersten Erfolg hatten sie eigentlich erst als Bad Seeds und da war der Großteil der Band schon verschwunden. "Where the Wild Roses Grow" erzählt die Geschichte von Elisa Day, die in dem weltbekannten Duett von dem Schlagersternchen Kylie Minogue gesungen wird. "All Beauty Must Die" heißt es darin, aber manche Schönheit wärt für immer, wenn auch nur in der Erinnerung. Eine solche - schöne - Erinnerung muss auch das Tête-à-Tête mit PJ Harvey gewesen sein, denn auch mit ihr soll Cave zeitweilig verbandelt gewesen sein. Eine Illustration zeigt, wie sie auf ihm sitzt, das Messer hinter ihrem Nachthemd versteckt. All Beauty Must Die.
Ein Cowboy aus Australien
Besonders gerne inszeniert Reinhard Kleist Nick Cave in seinem Artbook als Westernhelden. Das mag vielleicht mit dem Soundtrack zu "The Proposition" (R: John Hillcoat) zusammenhängen, einem australischen Western, der auch in Europa und den USA für Furore sorgte. Aber hat Nick Cave selbst wirklich etwas mit dem Western-Sujet am Hut? Ja, auf jeden Fall, beweisen schon die nächsten Seiten, denn Cave könnte auch den Priester mimen oder den düsteren Revolverhelden mit seiner Red Right Hand. Als Nick Cave in der Berliner Bar "Risiko" den Barmann, Blixa Bargeld, kennenlernte, soll er an seinen Zwilingsbruder geglaubt haben, wie in dem düsteren Song "Tupelo" in dem er von Elvis’ Bruder erzählt. Berlin war definitiv die Trendwende für Cave, der in einer WG mit dem Haut-Mastermind Christoph Dreher lebte und wo er wie besessen in seine Schreibmaschine seinen ersten Roman hineinhämmerte und Einstürzende Neubauten, Blixas Band, dazu hörte.
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