Die New-York-Trilogie als Graphic Novel
Die drei Romane City of Glass (1985), Ghosts (1986) und The Locked Room (1986) werden kurzerhand als „Paul-Auster-Trilogie“ bezeichnet und zeigen den New Yorker Schriftsteller als Verfasser von Variationen klassischer Detektivgeschichten. Zu Beginn seiner Karriere habe sich Auster vor allem für Dashiell Hammett und Raymond Chandler begeistern können, aber seine eigenen „Krimis“ spielen auf einer ganz anderen Ebene. Stilsicher bewegt er sich auf einem Drahtseilakt, bei dem die eigene Identität als Schriftsteller ebenso in den Roman integriert wird und die Fiktion zu Autofiktion wird …
City of Glass (1985)
„Stadt aus Glas“ wurde vom preisgekrönten Zeichner David Mazzucchelli illustriert, „Schlagschatten“ (Ghosts) von Lorenzo Mattotti, der u. a. als Coverzeichner für The New Yorker arbeitet, und „Hinter verschlossenen Türen“ (The Locked Room) wurde von Paul Karasik adaptiert und gezeichnet. Paul Austers New York City ist ein Labyrinth, in dem sich der Protagonist der ersten Geschichte zu Hause fühlt. Sein Name ist Quinn und er ist ebenfalls Schriftsteller, der sich vor allem in der Person des imaginären Max Work wohlfühlt, seinem Privatdetektiv aus William Wilsons Romanen. Quinn telefoniert durchaus auch einmal mit dem Autor selbst, also Paul Auster, aber auch diese Gespräche sind imaginär. Der Fall, der zu lösen ist, ist der von Peter Stillman, der bald entlassen wird und sich aller Wahrscheinlichkeit nach an seinem Sohn rächen wollen wird. Das ist zumindest die Vermutung der geheimnisvollen Auftraggeberin von Quinn. Stillman hatte seinen Sohn jahrelang in Isolation aufwachsen lassen, weil er einer Art religiösem Wahn verfallen war, der mit dem Turmbau zu Babel zu tun hat. Wenn Quinn seiner Observierung nachgeht, bildet sich aus den Spaziergängen der Name „Babel“ im Straßennetz von New York nach. „Die Erinnerung ist ein Segen. Besser ist nur der Tod“, sagt Peter Stillman, und bald verwischen sich die Unterschiede zwischen Täter und Opfer, Autor und Fantasiegestalten, Verfolger und Verfolgten. Graphisch verschmilzt Quinn mit der Ziegelmauer, auf der er sitzt, wie David Mazzucchelli treffend die Vision Austers umsetzt.
Ghosts (1986)
„Schlagschatten“ von Lorenzo Mattotti folgt zunächst einem anderen Stil und begleitet den Originaltext vorläufig nur mit einer Zeichnung pro Seite. In einem Setting, das sich Tarantino in Reservoir Dogs wohl von dieser Kurzgeschichte abgeschaut hat, bekommt ein gewisser Mr. Blue den Auftrag von Mr. White, einen Mr. Black zu observieren. „Er schreibt Brown einen Brief, bittet um seinen Rat. (…) Blue wartet mit wachsender Besessenheit auf die Antwort.“ Je mehr Jahre (!) vergehen, desto paranoider wird Blue und glaubt sich selbst beobachtet. Also verkleidet er sich als „Jimmy Rose“, einen Obdachlosen aus seiner Kindheit, und beschattet seinerseits Black. Langsam dämmert es dem Leser, dass Auster auch seine eigenen Erfahrungen als Schriftsteller spiegelt, indem er einen Mann – Blue – beschreibt, der die ganze Zeit in einem Zimmer wie in einer Schuhschachtel sitzt und immer dasselbe Buch liest. „Schreiben ist ein einsames Geschäft. Es nimmt das ganze Leben in Anspruch. In einem gewissen Sinne hat ein Schriftsteller kein eigenes Leben. Selbst wenn er da ist, ist er nicht wirklich da. Auch ein Gespenst.“
The Locked Room (1986)
„Ich war in das Museum meiner eigenen Vergangenheit getreten, und was ich dort fand, erdrückte mich fast.“ In der dritten Geschichte, „Hinter verschlossenen Türen“, wird ein ähnliches Muster verfolgt; sogar Quinn aus der ersten Geschichte wird von Auster in die imaginäre Welt des Romans eingewoben. Der Protagonist wird von der Frau und Mutter des Sohnes eines alten Schulfreundes, Fanshawe, beauftragt, diesen aufzuspüren. Damals – in der gemeinsamen Kindheit – war Fanshawe der weitaus klügere und charismatischere, aber auch bessere Mensch. Aber auch der seltsamere: „Wir spielten in seinem Zimmer und dann erklärte Fanshawe, er gehe nun in seine Schachtel.“ Geschichten geschehen nur denen, die imstande sind, sie zu erzählen, habe einmal jemand gesagt. Das schriftstellerische Werk, das Fanshawe hinterlässt, wird vom Erzähler veröffentlicht und wird ein großer Erfolg. Auf diese Weise kann er sich Fanshawes Frau Sophie annähern. Bis ihn plötzlich ein Brief erreicht, der von Fanshawe unterschrieben ist. Paul Karasiks Umsetzung ist ebenso gelungen wie eindringlich, etwa wenn man das Buch einmal im Kreis drehen muss, um weiterzulesen und damit selbst in die dunkle Gravitation gerät, von der Paul Auster in seiner dritten Geschichte schreibt: „Nur die Dunkelheit hat die Kraft, einen Mann dazu zu bringen, sein Herz der Welt zu öffnen, und Dunkelheit umgibt mich, wenn ich an das denke, was geschah.“
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