Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus
Mario Candeias' Doktorarbeit ist nichts weniger als die Analyse des gegenwärtigen, globalen Kapitalismus. Auf hohem Abstraktionsniveau und hauptsächlich auf Karl Marx und Antonio Gramsci aufbauend besieht er den Neoliberalismus, wie es zu seinen Ausprägungen gekommen ist und was ihm nachfolgen könnte.
In drei Teile ist das Buch aufgegliedert: Der erste Teil hat die "Theorie der Transformation kapitalistischer Gesellschaften" zum Inhalt. Candeias diskutiert darin die Regulationstheorie und rezipiert dabei zahlreiche TheoretikerInnen wie Foucault, Joachim Hirsch, Bob Jessop und andere. Außerdem bietet der erste Teil ein interessantes Kapitel zum Thema Raum.
Im zweiten Teil geht es um die "Hegemonie und Regulation des Neoliberalismus". Darin zeigt Candeias die theoretischen Ursprünge des Neoliberalismus, geht auf den Finanzkapitalismus, periphere Formen des Neoliberalismus und das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit ein. Auch die Geschlechterverhältnisse und die Veränderungen der Rolle des Staates nehmen jeweils ein eigenes Kapitel ein. Candeias macht klar, dass der Neoliberalismus kein "Absterben" des Staates bedeutet, sondern nur ein Eingreifen in die entgegengesetzte Richtung gegenüber einer keynesianistischen Intervention.
Der dritte und letzte Teil behandelt schließlich die verschiedenen Phasen des Neoliberalismus. Im Vorwort zur zweiten Auflage analysiert der Autor die jüngste Phase infolge der Weltfinanzkrise und macht mögliche Szenarien einer Nachfolge des Neoliberalismus aus. Candeias bietet mit seinem Buch eine fundierte, anspruchsvolle Analyse der "kapitalistischen Produktions- und Lebensweise", deren Umfang und kompakte Sprache jedoch auch abschrecken kann. Es ist eher ein Werk für Fortgeschrittene, mit großer theoretischer Tiefe und Breite.
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