Mein Leben ist auch ein Leben
Eine Altenpflegerin im Ruhestand mit einem alten, gebrechlichen Hund, einem kürzlich verstorbenen Partner, einem Sohn, der seit Jahren nichts mehr von sich hören lässt, einer unerträglichen Mutter, einer Freundin, die eigentlich eher eine Nervensäge ist, einer verkrachten Nachbarsfamilie, deren einziger Lichtblick die 16-jährige Tochter ist: Ziemlich trostlos sieht das alles aus …
Vielleicht könnte das geschenkte Wohnmobil dem Leben der Ich-Erzählerin Rosa eine andere Richtung geben, doch die Nachbarin fährt es zu Schrott. Immerhin bringt das Wohnmobil Rosa überraschend einen neuen Hund ein, den sie eigentlich gar nicht wollte, der aber gerade zur rechten Zeit kommt.
In zahlreichen Rückblenden berichtet die Altenpflegerin von ihrem Vater und aus ihrer Kindheit, von der Gefühllosigkeit der Mutter, von Traumata.
Der neueste Roman von Eva Schmidt wird von Unglücklichen bevölkert: Auch die Freundin verliert ihren Mann, die Nachbarin wirft den Lebensgefährten aus der Wohnung, ein Eremit lebt aus Scham in einer Hütte im Wald, die ungeliebte Mutter will nicht mehr leben und verweigert das Gehen, Sprechen, Essen. Die Gründe für die Einsamkeit und das Unglücklichsein der Menschen erfährt man kaum, und doch spürt man sie aus jedem Satz. Es sind verschenkte Möglichkeiten, verpasste Chancen, Sprachlosigkeit und die Unfähigkeit, andere so sein zu lassen, wie sie sind.
Doch aus jedem Schlag erwachsen wieder neue Perspektiven, und so ist niemand wirklich unglücklich bis ins Mark. Die Leute rappeln sich wieder auf. Die verwitwete Freundin verprasst das Geld der Lebensversicherung mit teuren Reisen, die Nachbarin findet wieder einen Freund, der verlorene Sohn meldet sich mit einem langen Brief. Zwar spürt Rosa genau wie der Leser, dass in erster Linie Geldnöte ihn motivieren, aber Rosa erwartet ja keine Wunder mehr. Nach dem Tod ihrer Mutter kann sie ihren Kredit tilgen und ihm finanziell unter die Arme greifen.
Eva Schmidt erzählt schnörkellos, fast trocken. Obwohl die Ich-Erzählerin kaum über ihre Gefühle spricht, berührt einen der Roman, man fühlt sich ihrer Person zunehmend näher. Und auf den letzten Seiten spürt der Leser, dass es trotz allem, was über Rosa hereinbricht, zu einer Auflösung kommen könnte. Zwar erwartet man kein Happy End – es kommt auch keines – aber doch etwas, das dem nahe kommt: „Ich bin nicht unzufrieden, komme halbwegs mit mir zurecht. Mein Leben ist auch ein Leben.“
Am Ende hinterlässt das Buch einen tiefen Eindruck.
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