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Nachhaltigkeit in der Bankenbranche

Wie Banken Nachhaltigkeit umsetzen können

"Nachhaltigkeit zählt zu den Megatrends unserer Zeit. Aspekte der Nachhaltigkeit durchdringen mittlerweile nahezu alle Lebensbereiche. Sie verändern nicht nur gesellschaftliche und kulturelle Werte sowie politische Einsichten, sondern sorgen auch für eine elementare Neuausrichtung des Denkens und Handelns von Unternehmen. Hiervon betroffen ist auch das Kreditgewerbe. Banken richten ihren Fokus zunehmend auf die Berücksichtigung der Nachhaltigkeit in allen Bereichen ihrer Geschäftstätigkeit. Die ESG-Kriterien Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) zwingen Banken zum Umdenken."

Ausgehend von dieser Feststellung im Vorwort des vorliegenden Buches machen dessen Verfasser aber auch deutlich, dass die verstärkte Hinwendung zu nachhaltigem Handeln im Kreditgewerbe nicht nur das Resultat politischer Forderungen und neuer regulatorischer Herausforderungen ist, sondern dass Nachhaltigkeitsgesichtspunkte auch aufgrund von Kundenerwartungen das Geschäftsgebaren der Banken immer mehr beeinflussen. Vor diesem Hintergrund geht es dem Autorentrio Gerd Waschbusch, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Bankbetriebswirtschaftslehre an der Uni des Saarlandes, Sabrina Kiszka, Doktorandin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an diesem Lehrstuhl, und Philipp Strauß, Manager für Genehmigungen, Umwelt- und Arbeitsschutz in Homburg, in ihrer Publikation insbesondere darum, "praktisch-normative Ansätze zur Integration des Nachhaltigkeitsgedankens in die Geschäftstätigkeit der Banken" aufzuzeigen.

Das Werk gliedert sich in sechs Kapitel. Im Anschluss an Kapitel 1, das in die Thematik und den Aufbau des Buches einführt und vor dem Kapitel 6, das die wesentlichen Ergebnisse zusammenfasst und perspektivisch beurteilt, werden die folgenden vier Themenbereiche bearbeitet:

Kapitel 2 klärt den Nachhaltigkeitsbegriff, beschreibt vor allem dessen historische Entwicklungsschritte und grenzt die Nachhaltigkeit von artverwandten Konzepten, der "Corporate Social Responsibility" und der "Corporate Citizenship", ab.

Kapitel 3 befasst sich mit der Nachhaltigkeit im unternehmerischen Kontext. Nach einem Überblick über die Dimensionen des "Triple Bottom Line"-Ansatzes werden verschiedene Initiativen zur Förderung der Nachhaltigkeit in Unternehmen im Allgemeinen und im Finanzdienstleistungssektor im Speziellen aufgezeigt.

Kapitel 4 erläutert zuerst die allgemeinen Gründe, welche dafür sprechen, den Nachhaltigkeitsgedanken verstärkt in die Geschäftstätigkeit der Unternehmen zu integrieren. Aus wettbewerbsstrategischer Sicht zählen dazu vor allem die langfristige Sicherung des Unternehmenserfolgs, die Vermeidung von Konflikten mit Stakeholdern sowie das frühzeitige Erkennen und Nutzen von Differenzierungs- und Marktpotenzialen. Danach folgt eine spezifische Betrachtung der Kreditinstitute, bei welcher vor allem die besondere Stellung bzw. Funktion der Banken in den Bereichen der Intermediation und Geldschöpfung in einem Wirtschaftssystem im Hinblick auf nachhaltiges Handeln dargelegt wird.

Kapitel 5, der Schwerpunkt des Buches, untersucht ausgewählte Bereiche der Geschäftstätigkeit von Kreditinstituten mit dem Fokus, wie sich in diese Nachhaltigkeitsaspekte integrieren lassen. Dies betrifft zum einen die für die Vertrauensbildung wichtige Außendarstellung und Kundenberatung. Das umfasst die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten in die Berichterstattung, die Integration von Nachhaltigkeitskalkülen in die Kundenberatung und den Einsatz für externe Initiativen und gesellschaftliches Engagement. Zum anderen aber geht es vor allem auch um den Bankbetrieb selbst. "Für den Erfolg von Nachhaltigkeitskonzepten eines Kreditinstituts müssen Nachhaltigkeitsaspekte sowie ein nachhaltiges Werteverständnis in den Bankbetrieb integriert werden, wobei sowohl der Inhalt der Konzepte als auch die Art und Weise der Integration von Bedeutung sind. Hierbei sollte Nachhaltigkeit allerdings nicht als ein isoliertes Ziel betrachtet werden, sondern einen integralen Bestandteil der Geschäfts- und Risikostrategie eines Kreditinstituts darstellen, um so Eingang in das Bankmanagement zu finden." Dementsprechend hat die organisatorische Umsetzung von Nachhaltigkeitsüberlegungen nach Ansicht der Autoren auf der obersten Managementebene zu beginnen und zwar grundsätzlich durch die Entwicklung einer Geschäfts- und Risikostrategie unter Berücksichtigung der ESG-Kriterien. Hierzu werden im Folgenden die Verankerung von Nachhaltigkeit in das Selbstverständnis und in die Geschäftsstrategie sowie in der täglichen Betriebstätigkeit ("Betriebsökologie") behandelt. Des Weiteren wird die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten vor allem in die Vergütungssysteme, in das Risikomanagement und in das Personalwesen thematisiert. Abschließend wird auch untersucht, wie sich Nachhaltigkeitsaspekte in das Kerngeschäft eines Kreditinstituts integrieren lassen. Entsprechende Möglichkeiten werden anhand von Beispielen im Finanzierungs- und Anlagebereich sowie im Wertpapier-Emissionsgeschäft aufgezeigt.

Das Buch ist als Band 47 der Reihe "Wettbewerb und Regulierung von Märkten und Unternehmen" erschienen und "wendet sich an Leser, die sich umfassend und grundlegend mit dem Thema der Nachhaltigkeit in der Bankenbranche auseinandersetzen wollen." Diesem Adressatenkreis, d. h. vor allem verantwortliche Entscheidungsträger in den Banken und in der Politik sowie in Verbänden und in der Gesellschaft, nicht zuletzt auch Lehrenden und Studierenden an Hochschulen, welche sich im Rahmen der Lehrveranstaltungen mit den Integrationsmöglichkeiten des Nachhaltigkeitsgedankens in die bankbetriebliche Praxis befassen, kann die Lektüre des vorliegenden Werks bestens empfohlen werden.


von Bernd W. Müller-Hedrich - 20. Oktober 2021
Nachhaltigkeit in der Bankenbranche
Gerd Waschbusch
Sabrina Kiszka
Philipp Strauß

Nachhaltigkeit in der Bankenbranche


Ansätze zur Integration des Nachhaltigkeitsgedankens in die bankbetriebliche Praxis
Nomos 2021
212 Seiten, broschiert
EAN 978-3848783939