Nachhaltig investieren

Der aktuelle Stand von Forschung und Praxis im Segment "Nachhaltiger Anlagen"

"Investoren berücksichtigen Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) immer systematischer in ihren Anlageprozessen. Der Regulierungsschub der Europäischen Union beschleunigt diese Entwicklung rasant. Wer sich dem strukturellen Trend zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei Kapitalanlagen verweigert, wirkt aus der Zeit gefallen. Solche Investoren setzen sich finanziellen Risiken aus, für die sie sich erklären müssen. Bereits heute müssen Vermögensverwalter Nachhaltigkeitskriterien in die Gestaltung ihrer Produkte einbeziehen, um von Vermögenseignern – Vorsorgeeinrichtungen, Versicherungen oder gemeinnützigen Stiftungen – im Rahmen der Manager-Selektion berücksichtigt zu werden. Parallel dazu wächst bei Privatanlegern das Interesse an nachhaltigen und wirkungsorientierten Anlagelösungen. Zugleich nimmt der Bedarf an Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen auf dem Gebiet nachhaltiger Investments zu."

Ausgehend von dieser Einschätzung verfolgt das Autorentrio mit seinem Buch vor allem das Ziel, die erforderlichen Sachkenntnisse wissenschaftlich und praxisnah zu erschließen sowie insbesondere zu veranschaulichen, wie Investoren die Chancen nachhaltiger Anlagestrategien umsetzen und neben finanzieller Rendite auch Impact erzielen können. Hierzu schöpfen die Verfasser aus unterschiedlichen Quellen: Mirjam Staub-Bisang verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Finanzindustrie mit Schwerpunkt im Asset Management und nachhaltigen Anlagen, hat schon 2011 ein zum damaligen Zeitpunkt beachtenswertes Buch über "Nachhaltige Anlagen für institutionelle Investoren" geschrieben und ist seit vier Jahren Länderchefin von BlackRock, weltgrößter Vermögensverwalter, in der Schweiz sowie im Unternehmen zusätzlich als Senior Advisor für Sustainable Investing tätig. Die beiden weiteren Autoren sind Manfred Stüttgen und Brian Mattmann, Professor für Banking bzw. Senior Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Luzern, welche ebenfalls über einschlägige Erfahrungen in der Finanzbranche verfügen und seit 2017 die jährlichen "IFZ Sustainable Investment Studien" publizieren. Nicht zuletzt wird die Expertise durch einen Gastbeitrag zu nachhaltigen Immobilien erweitert.

Die hohe Aktualität, Bedeutung und Problematik des "Nachhaltigen Investierens" zeigt sich allein schon am folgenden Beispiel, das der Rezensent einem Artikel des Handelsblatts im November 2022 (mit dem Titel "Wie grün sind grüne Fonds wirklich?") entnommen hat: Darf ein als besonders nachhaltig deklarierter Aktienfonds mit mehr als fünf Prozent seiner Gelder in Ölunternehmen und anderen Firmen aus dem Bereich fossiler Energien investiert sein? Genau das jedoch tut ein Fonds von BlackRock, wie Armand Colard, der Chef der Nachhaltigkeitsplattform Cleanvest, für das Handelsblatt errechnet hat. Colard wertet ein solches Vorgehen als "schockierend" und stellt dabei fest, dass das Geschäft mit nachhaltiger Geldanlage boomt – auch wenn es offensichtlich kaum ein Verständnis dafür gibt, was eine nachhaltige Anlage überhaupt sein soll!

Das vorliegende Werk gliedert sich in Anlehnung an seinen Untertitel in drei Hauptteile, denen insgesamt 21 Kapitel zugeordnet sind, welche jeweils mit den wichtigsten Konklusionen für Praktiker abgeschlossen werden:

Grundlagen

Nachhaltige Anlagen bilden ein facettenreiches Thema, das mit grundlegenden Fragen verbunden ist, welche in diesem Teil geklärt werden: Was heißt "Nachhaltiges Investieren" und welche verschiedenen Ansätze und Definitionsversuche lassen sich für "Nachhaltige Anlagen" unterscheiden? Welche Motive bringen Anleger in ihren Investmententscheidungen ein – finanzielle, regulatorische, ethische Motive – und welche Hindernisse können bei der Umsetzung identifiziert werden, da noch immer eine "Nachhaltigkeitslücke" zu konstatieren ist? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sowie selbstregulatorischen Ansätze und Initiativen von Standards spielen für die Investoren eine besondere Rolle? Wie lässt sich die Nachhaltigkeitsqualität von Anlagen beurteilen bzw. welche ESG-Ratings bzw. Gütesiegel bieten Orientierungen? Und schließlich: Erzielen nachhaltige Investments eine bessere Rendite als konventionelle Anlagen?

Strategien

Nachhaltige Anlagestrategien beziehen neben den traditionellen finanziellen Zielen – Liquidität, Rentabilität und Sicherheit – auch soziale und ökologische Aspekte sowie Kriterien der guten Unternehmensführung in den Anlageprozess ein. So lassen sich etwa sieben bis zehn verschiedene Ansätze für nachhaltige Anlagestrategien unterscheiden, insbesondere "Ausschlusskriterien" und "Negativselektion", "Positivselektion", "Best-in-Class-Ansatz", "ESG-Integration", "Nachhaltiger Themenansatz", "Impact Investing", "Aktive Aktionärspolitik" und "Klimastrategien". Die Klassifizierung dieser Strategien, ob diese eher einen Beitrag anstreben zur Verbesserung des Risiko-Rendite-Profils oder zur Reduktion externer ökosozialer Effekte in der Realwirtschaft, ist dabei jedoch nicht immer eindeutig. Jede dieser Anlagestrategien wird in den einzelnen Kapiteln im Detail thematisiert, deren Vor- und Nachteile werden gegenübergestellt und ihre Umsetzung anhand von typischen Beispielen illustriert. Abschließend wird die Kombination nachhaltiger Anlagestrategien behandelt und jeweils am Beispiel eines globalen Vermögens- und Fondsverwalters (der Nordea Asset Management) und der Pensionskasse der Stadt Zürich, die zu den wenigen vorbildlichen Pensionskassen in Sachen Nachhaltigkeit zählt, aufgezeigt.

Umsetzung

Die im vorangehenden Teil vorgestellten Strategien beziehen sich grundsätzlich auf Aktien, deshalb stehen im dritten Teil vor allem ausgewählte andere Vermögensklassen – etwa Anleihen, Immobilien und Alternative Anlagen (Private Equity, Venture Capital, Private Debt, Entwicklungsfinanzierungen, Infrastrukturanlagen, Rohstoffanlagen und Hedgefonds) – im Fokus der Betrachtungen. Es werden hier vor allem die Besonderheiten aufgezeigt, die sich bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien stellen. Des Weiteren wird am Beispiel des Anlageprozesses von institutionellen Investoren dargelegt, wie nachhaltige Anlagestrategien für die Vermögensklassen organisatorisch umgesetzt werden. In diesem Kontext werden die Anlageorganisation, -politik, -reglement, -grundsätze und -strategie sowie die Asset Allocation und die Selektion von Asset Managern und Anlageprodukten, schließlich auch die Überwachung und das Reporting von Anlageaktivitäten, erörtert. Abschließend folgt ein Ausblick auf die Zukunft nachhaltiger Investments.

Das Werk besticht durch hohe fachliche – sowohl wissenschaftliche wie praktische – Kompetenz. Es reflektiert den aktuellen Stand von Forschung und Praxis im Segment "Nachhaltiger Anlagen", ist flüssig und klar geschrieben und nimmt dabei vielfach Bezug auf Praxisbeispiele der Finanzwelt in den deutschsprachigen Ländern, speziell dem Schweizer Finanzplatz. Gleichwohl haben die durchgeführten Analysen und abgeleiteten Schlussfolgerungen internationale Gültigkeit. Somit kann dieses Werk allen von den Autoren ins Auge gefassten Adressaten sehr gut empfohlen werden. Dazu zählen Investoren und Vermögensverwalter, die ihren treuhänderischen Auftrag umfassend und langfristig erfüllen wollen, aber auch Kundenberater von Banken, Portfolio- und Produktmanager, Vertriebsspezialisten sowie Verantwortliche in unterstützenden Funktionen wie Compliance, Marketing oder Kommunikation. Darüber hinaus kann das Buch Studierende an Hochschulen und weiterbildenden Einrichtungen dabei unterstützen, sich ein fundiertes Wissen über nachhaltige Anlagen anzueignen.

Nachhaltig investieren
Nachhaltig investieren
Grundlagen – Strategien – Umsetzung
353 Seiten, gebunden
NZZ Libro 2022
EAN 978-3907396056

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