My Education

Bruce Weber – Fünf Jahrzehnte im Fokus

Madonna, die sich selbst in einem Spiegel küsst, ist wohl eine der bekanntesten Fotografien von Bruce Weber. 1986 bekam er sie – und in der Folge auch viele andere Celebrities – vor die Linse. Mit über 500 Bildern zeigt der vorliegende XL-Band auf mehr als 500 Seiten die gesamte künstlerische Bandbreite eines Fotografen, der – wie er selbst sagt – bei der Österreicherin Lisette Model lernte. Fünf aufregende Jahrzehnte Fotografie in einem Band.

Porträts und Anekdoten: First impressions last longest

„Be careful when meeting your heroes.“ Ikonische Fashion-Shoots und lebendige Porträts berühmter Persönlichkeiten gehören ebenso zu Webers Repertoire wie Gruppenfotos vor Landschaften wie den Adirondack Mountains in Upstate New York. Die vorliegende Monografie zeigt aber auch bisher unveröffentlichte und weniger bekannte Fotos und ist von Anekdoten des Fotografen begleitet, die Einblicke geben in die Geschichten und Menschen hinter seinen berühmtesten Werken. So auch über ein gelungenes Foto von Paul Newman, einem der Helden seiner Kindheit, in Daytona Beach, Florida, 1988. Der Weg, bis es zustande kam, ist allerdings weniger schmeichelhaft für den Porträtierten, was Weber dazu veranlasste, sich an das eingangs zitierte amerikanische Sprichwort zu erinnern: „Be careful when meeting your heroes.“ Ähnlich verlief auch eine Begegnung mit Ingmar Bergman und dessen Tochter, bei der ihm ausgerechnet das passierte, wovor sie ihn vorher gewarnt hatte: ihrem Vater Regieanweisungen zu geben. Das Ergebnis ist ein flüchtiges, verschwommenes Foto des Regisseurs – aber auch einige weitere. Wie viele Amerikaner seiner Generation brach auch Bruce Weber mit 21 nach Paris auf, um dort sein Glück zu suchen. Aber sein erster Fotoauftrag verlief alles andere als erfolgreich: Gleich zweimal hintereinander war sein Film unterbelichtet, und somit waren zwei Tage Arbeit seines Models und von ihm selbst umsonst. Als ihm sein Freund Daniel Boudinet gestand, dass ihm das Objektiv, das Bruce ihm geborgt hatte, aus der Tasche gefallen war, wusste er auch, warum auf seinen Filmen nichts drauf war. So lernte Bruce Weber das Vergeben: „Für mich liegen Geheimnis und Glück der Fotografie darin, dass sie diesen ersten Augenblick weiterleben lässt und mir dabei hilft, ihn niemals zu vergessen.“ First impressions last longest.

Fotografien als Papierflieger: 5 Jahrzehnte, 500 Bilder, 500 Seiten

„You know that movies are a conspiracy?“, fragt Gena Rowlands als Minnie Moore in Minnie and Moskowitz (1971), „I mean it – they are actually a conspiracy, because they set you up, Florence. They set you up from the time you're a little kid. They set you up to believe in everything. They set you up to believe in ideals, and strength, and good guys and romance and, of course, love.“

Vielleicht gilt dieses Zitat, das unter einem Foto Webers von Gena Rowlands steht, auch für die Fotografie desselben, denn jedes Porträt ist auch eine Art Liebeserklärung an die abgebildete Person. Als Kind hatte er Papierflieger gebastelt und sie ins Wohnzimmer zu seinen Eltern, die eine Party feierten, hinuntergeschickt. Auf die Papierflieger hatte er geschrieben, ob er an der Party teilnehmen dürfe. So wie seine Papierflieger von damals versteht Bruce Weber auch seine Fotografien: „Dies ist mein Buch mit Papierfliegern“, schreibt er auf die letzte Seite seiner My Education-Publikation im Taschen-Verlag. Bruce Weber hat sieben Kurz- und Langfilme gedreht, mehr als 37 Bücher veröffentlicht und weltweit mehr als 60 Ausstellungen organisiert. Er arbeitete für Modehäuser wie Ralph Lauren, Calvin Klein, Versace und Abercrombie & Fitch. Webers Aufnahmen waren weltweit in den Top-Magazinen unserer Zeit wie etwa Vogue, GQ, W Magazine und Vanity Fair omnipräsent. Seine Kernthemen sind Familie, Kreativität, Körperlichkeit, Humanismus, Sexualität, kreative Ausdruckskraft sowie lebenslange Neugier.

My Education
Bruce Weber (Fotografie)
My Education
564 Seiten, gebunden
Deutsch, Englisch, Französisch
Taschen 2025
EAN 978-3836599443

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