Martìn Sauri, Pèrez Navarro: Die Odyssee

Die Odyssee in kunstvollen Bildern

"Du kannst nur Odysseus sein. Argeiphontes prophezeite mir dein Kommen für die Zeit wenn der Krieg in Troja zu Ende ist. Stecke dein Schwert ein und komme in mein Bett", fleht Circe den griechischen Helden um Vergebung für die Verabreichung eines Zaubertrankes. Denn alle Kameraden von Odysseus sind in Schweine verwandelt, nur er selbst scheint immun gegen die Gifte der Sirene. Aber nicht gegen das Gift ihrer Liebe, denn dagegen wirken selbst die Antidote (Gegengifte) des Götterboten Hermes nicht.

Odysseus' Heimweh

Aber Circe ist nicht die einzige schöne Frau, gegen die Odysseus innerlich kämpfen muss, bevor er endlich in seine Heimat Ithaka zurückkehren kann oder besser darf. Auch in Ogygia, bei Kalypso, der Tochter des Atlas, verbleibt er sieben Jahre und zeugt zwei Kinder, die bald seinen Namen trugen. "Das Heimweh machte, dass ich mein Gewand mit bitteren Tränen netzte", erzählt er jedoch bereitwillig und bis er auch von diesem Fluch erlöst wird, muss er noch viele weitere Abenteuer bestehen, darunter ein Kampf gegen die Sirenen, eine Reise in den Hades zu den Toten oder den Kampf gegen den Zyklopen. Eine schwierige Aufgabe ist natürlich auch die Überwindung der Distanzen in einem Segelschifft, das den Naturgewalten ausgesetzt ist: Charybdis ist ein Sog auf dem Meer, der einen mit sich in den Abgrund ziehen will während auf der anderen Seite eine sechsköpfige Wolfshydra wartet, vor der man gerne zurückweicht. Die beste Beschreibung für ein Dilemma, die die griechische Sagenwelt und damit Weltliteratur wohl jemals geliefert hat.

Kallisti!

Die Aporie, also die Ratlosigkeit des Odysseus, befindet sich aber auf einer übergeordneten Ebene, denn er will zu Penelope zurück, aber es gelingt ihm einfach nicht, den richtigen Weg zu finden. Die Götter haben ihre Finger im Spiel und Poseidon kann es dem Erfinder des "Trojanischen Pferdes" einfach nicht vergessen, dass er alleine für den Fall Trojas verantwortlich ist. Wir erinnern uns: die Entführung der Helena, der schönen Gattin des Menelaos, durch Paris, der Sohn des trojanischen Königs Priamos, hatte die zehnjährige Belagerung Trojas nach sich gezogen, die erst durch die List des Odysseus für die Griechen entschieden werden konnte. Allen Kassandra- und Laokoon-Rufen zum Trotz schafften die Trojaner das hölzerne Pferd hinter ihre Mauern. So hatte das Urteil des Paris, wer die schönste Frau sei, für alle Trojaner verheerende Folgen. Aber Paris hatte sich vor die Wahl zwischen Athena, Hera und Aphrodite nur deswegen für letztere entschieden, weil sie ihm als Preis die schönste Frau der Welt versprochen hatte: Helena, die Frau des Menelaos.

Strenger Strich, runde Formen

Mehr als 30 Jahre vor Frank Miller’s "300" haben Pérez Navarro und Martín Saurí in den 80ern mit "Die Odyssee" die Schönheit der klassischen Epoche wieder auferstehen lassen. Ihre Zeichnungen erinnern an die Vasenmalerei der Griechen, aber sie sind tatsächlich graphische Kunstwerke, die man sich gerne an die Wände projizieren würde. Homer, der Dichter der Ilias und Odyssee wäre mit Bestimmtheit stolz gewesen, denn klassische Zeichnungen und Plastiken der griechischen Antike haben den beiden Autoren mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Bestimmtheit als Vorlage für ihre Graphic Novel gedient. Und wie man weiß, ist schon bei den alten Griechen und Römern die Erotik nicht zu kurz gekommen. Manche Sirenen haben deswegen auch bei Navarro/Sauri unglaublich schöne Rundungen, obwohl die Strichführung ansonsten sehr stramm und statisch ist, fast wie bei klassischen Gemälden des Manierismus. Frank Miller dürfte dann wiederum von Navarro/Sauri abgepaust haben, dafür aber alles in Bewegung gesetzt haben - leider ganz ohne Erotik. Jeder Zeit ihre Kunst, jeder Kunst ihre Freiheit.

Allerdings ist Pallas Athene immer noch auf der Seite des Helden und auch wenn sie ihm nicht helfen darf, weil ihr sonst Zeus zürnte, findet sie doch immer wieder Wege und Mittel Odysseus doch noch an sein Ziel zu bringen und seine Rache zu ermöglichen. Denn sein Rache ist es, nach zwanzig Jahren - zehn Jahren Krieg und weiteren zehn Irrfahrt - endlich mit Penelope glücklich zu werden. Denn das können die Götter wohl gar nicht brauchen: glückliche Menschen.

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Die Odyssee
72 Seiten, gebunden
EAN 978-3770435425

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