Maria Callas' letzte Tage
Gerade einmal 53 Jahre und 9 Monate wurde die Primadonna Assoluta, Opernsängerin und Diva schlechthin. Ihre letzten Tage in ihrer luxuriösen Wohnung an der Place Vendôme in Paris zeigen sie zerrüttet und medikamentenabhängig. Aber der Welt in Erinnerung bleibt sie durch ihre Stimme und ihr sanftes Lächeln, das in Archivbildern am Ende dieses Biopics zeigen, dass sie ein gütiger, liebevoller Mensch war.
Die letzten Tage einer Legende
"Es gibt kein Leben abseits der Bühne. Die Bühne ist in meinem Kopf." Zeit ihres Lebens wurde ihr vorgeworfen, dass sie eine Vorstellung der "Norma" von Vincenzo Bellini nach dem 1. Akt abbrach. Im Publikum: der Staatspräsident. Aber ihr Arbeitsethos verbot es ihr, weiterzusingen, mit einer Stimme, die von einer Bronchitis gebrochen war. Seither bezeichnete man sie als Diva, dabei war sie einfach nur konsequent: "Ich konnte doch nicht, nur um das Protokoll einzuhalten, meine Verpflichtung diesem großen Musiker gegenüber vernachlässigen, indem ich die restlichen Akte seiner Norma krächzte statt zu singen". Auch in Pablo Larraíns ("Jackie", "Spencer") neuem Biopic "Maria" wird dieser Vorfall eingespielt. Dass sich Angelina Jolie in ihrer Rolle als Maria der letzten Tage sehr divenhaft benimmt, passt vielleicht mehr zu der Schauspielerin, denn zur Callas. Denn die am Ende eingespielten Originalfilmaufnahmen zeigen eine ganze andere Maria, eine gefeierte Opernsängerin, die immer noch bescheiden geblieben ist, spitz lächelt oder auch der Kamera mal ein Auge drückt, zwinkert, immer noch das Mädchen, das ihr ihre Mutter verbot zu sein. In "Maria", der im Jahre 1977, eine Woche vor ihrem Tod spielt, sind ihr nur noch zwei Menschen geblieben. Ihr Butler Ferruccio (Pierfrancesco Favino) und ihre Haushaltshilfe Bruna (Alba Rohrwacher) entdecken ihre Leiche am Boden des Apartments. Ihr Herz, das für die Oper geschlagen hatte, hatte plötzlich aufgehört zu schlagen.
Auf der Suche nach ihrer (verlorenen) Stimme
"Es tut mir leid, Mr Onassis, sollte ich vielleicht etwas empfinden?", lässt Regisseur Pablo Larraín seine Maria den um sie werbenden Onassis fragen. Er macht dies vor ihrem Ehemann und lädt beide ebenso schonungslos und egozentrisch auf eine Kreuzfahrt auf seiner Jacht ein. Wie eine Trophäe wollte er die Callas in seine Antikensammlung einfügen. Seine Geringschätzung ihr gegenüber, drückt er beim berühmten Geburtstagsständchen von Marilyn Monroe für John F. Kennedy folgendermaßen aus: "Es interessiert sich niemand für ihre Stimme, wie sich niemand für deinen Körper interessiert". Doch am Ende, bei der wohl fiktiven Abschiedsszene am Totenbett, gesteht er ihr ihre Liebe. Das zumindest teilt Maria ihrem Interviewer mit, Mandrax (Kodi Smit-McPhee), der nicht zufällig den Namen ihres Medikaments trägt. Denn auch das ist nur imaginiert, das Interview, die Kamera, die Fragen. Pablo Larraín hat sein drittes Berühmte-Frauen-Biopic teilweise in 70er-Jahre-Technicolor, dann wieder in S/W und mit vielen Archivaufnahmen versehen gedreht. Man sieht die Original-Callas in ihren besten Rollen oder Jolie bewegt lippensynchron ihren aufgepolsterten Mund. Im vorletzten, im fünften Akt, "Curtain Call", begegnet sie noch ihrer (älteren) Schwester Yakinthi ((Valeria Golino), die ihr rät, die Vergangenheit vergangen sein zu lassen. Aber Maria kontert: "Meine Mutter hielt mich an zum Singen Onassis verbot es mir. Aber jetzt singe ich für mich!"
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