Marc Diederichs: Risikomanagement und Risikocontrolling

Risikocontrolling mit System

Risikomanagement und Risikocontrolling haben an Aktualität nach wie vor nicht verloren. Spektakuläre Unternehmenspleiten, Managementskandale, Auswirkungen der staatlichen Interventionen aufgrund der Corona-Pandemie, Folgen des Ukraine-Kriegs und zunehmende protektionistische Maßnahmen vieler Länder sowie nicht zuletzt steigende gesetzliche Anforderungen machen das Risikomanagement zu einem zentralen Thema und Handlungsfeld in der betriebswirtschaftlichen Theorie und Praxis. Das beste Risikomanagement ist zwar machtlos gegen kriminelle Energie, Raffgier und Machtmissbrauch. Dennoch begründet sich die Vielzahl der unternehmerischen Fehlleistungen in einem mangelnden Risikobewusstsein, fehlender Transparenz aufgrund unzureichender Informations- und Kontrollsysteme sowie einer unbefriedigenden Fehlerkultur. Dies verwundert sehr, werden sich doch u.a. die Globalisierung der Märkte, die rasante Entwicklung der Technologie- und Informationssysteme sowie das Bestreben nach Nachhaltigkeit intensiv fortentwickeln und dadurch die Risikosituation der Unternehmen im Rahmen einer "VUCA-World" zunehmend komplexer gestalten.

Vor diesem Hintergrund wird mit dem vorliegenden Standardwerk ein geschlossenes, ganzheitliches und zukunftsfähiges Risikomanagement- und Risikocontrolling-System vorgestellt. Mit der jüngsten Auflage ist das Buch inhaltlich wieder auf den neuesten Stand gebracht und um Erfahrungen und Erkenntnisse der letzten Jahre angereichert worden. Es präsentiert Gestaltungsempfehlungen sowie in der Praxis erprobte Lösungsvorschläge und Umsetzungsmöglichkeiten, die in nahezu allen Branchen bzw. Bereichen Anwendung finden können. Der Verfasser, Professor für Rechnungswesen und Controlling an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), Hamburg, kann dabei auf eine langjährige Praxis vor allem in der Leitung des konzernweiten Risikomanagements international agierender Industrieunternehmen (bei der Aurubis AG, vorher bei der Beiersdorf AG) zurückgreifen. Inhaltlich befasst sich dieses Standardwerk zum Management und Controlling von Risiken vor allem mit den folgenden Schwerpunkten:

  • Grundlagen und Begrifflichkeiten: Risikomanagement (= RM) wird von Marc Diederichs als immanenter Bestandteil der Unternehmensführung verstanden, das die Gesamtheit der organisatorischen Maßnahmen und Prozesse beinhaltet, "die unter Berücksichtigung der zu definierenden Risikostrategie auf die Identifikation, Beurteilung, Steuerung und Überwachung von Risiken abzielen und eine Gestaltung der Risikolage ermöglichen." Das RM wird durch das Risikocontrolling bei der Zielerfüllung durch die Bereitstellung geeigneter Instrumente und durch die Versorgung mit risikorelevanten Informationen auf der Grundlage einer hierarchieübergreifenden Risikoberichterstattung unterstützt. In diesem Kontext werden die wesentlichen Elemente eines Internen Kontrollsystems (IKS) vorgestellt und es wird hierbei auf die bekannten Rahmenwerke von COSO (Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission) sowie auf die darauf aufbauenden Ausführungen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) zurückgegriffen. Danach wird der Anforderungskatalog an das RM und an die risikoorientierte Lageberichterstattung durch die gesetzlichen Vorschriften thematisiert und abschließend werden die Anforderungen seitens der Abschlussprüfer und Anregungen der Standardsetter dargelegt.
  • Prozessschritte und Instrumente des Risikomanagements: die dem RM zugrunde liegenden Prozessphasen der Risikoidentifikation, Risikobeurteilung und Risikosteuerung werden ausführlich erörtert. Besonderes Gewicht wird dabei auf die in der Unternehmenspraxis erprobten Instrumente zur Unterstützung der jeweiligen Prozessschritte gelegt. In diesem Zusammenhang werden zuerst die unterschiedlichen Kollektions-, Analyse- und Kreativitätsmethoden zur Risikoidentifikation vorgestellt, etwa Checklisten, SWOT-Analyse, Wertketten- und Prozesskettenanalyse, Netzwerktechnik, Frühaufklärungssysteme, Daten- und Dokumentenanalysen, Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), Fault-Tree Analysis (FTA), Benchmarking, Brainstorming/writing sowie Experten- und Mitarbeiterbefragung. Zudem wird gezeigt, wie zur Risikobeurteilung u.a. Eintrittswahrscheinlichkeiten und Erwartungswerte, Risikoportfolios, Scoring-Modelle, Value- und Cash-Flow-at-Risk-Berechnungsmethoden herangezogen werden können. Abschließend werden grundsätzliche Risikosteuerungsstrategien in ihrer Wirkungsweise erläutert und mit der Risikostrategiematrix ein geeignetes Instrument zur Risikosteuerung vorgestellt.
  • Risikomanagement-Organisation: hier werden Empfehlungen erarbeitet, wie sich das RM als Führungsfunktion in die bestehende Aufbau- und Ablauforganisation eines Unternehmens einbinden lässt. Dabei werden allgemeine und spezielle Gestaltungsansätze erörtert und entsprechende Empfehlungen für eine RM-Organisation, u.a. die Installierung eines Risiko-Managers und Bildung eines Risikoausschusses, vorgeschlagen. Schließlich werden auch die interne Revision als Element des RM und die Risikomanagement-Richtlinie (System-Dokumentation) thematisiert.
  • Risikoberichterstattung und Risikokommunikation: die Versorgung der Entscheidungsträger mit (chancen- und) risikorelevanten Informationen ist eine weitere Voraussetzung für ein wirksames RM. Auf allgemeinen Gestaltungs- und Organisationsgrundsätzen aufbauend werden Vorschläge zur Struktur und zum Ablauf einer Risikoberichterstattung unterbreitet, die eine horizontale und vertikale Transparenz im Unternehmen fördert. Neben der Darstellung von Formblättern zur Erfassung von Risiken werden Berichtsformate vorgestellt, mit deren Hilfe Entscheidungsträger über Risiken informiert werden. Von besonderem Interesse ist dabei die präsentierte Balanced Chance- & Risk-Card, eine integrierte Betrachtung von Chancen und Risiken unter Berücksichtigung ihrer Zusammenhänge.
  • Risikocontrolling in Wachstums- und Expansionsphasen: zahlreiche M & A Beispiele der Vergangenheit haben gezeigt, dass Wachstum schnell selbst zum Risiko werden kann, weil sich allzu positive Erwartungen oftmals in ihr Gegenteil verkehren. Deshalb werden in der Unternehmenspraxis erprobte, leicht handhabbare Instrumente und Berichtsblätter vorgestellt, mit denen die bei der strategischen Planung zugrunde gelegten Prämissen überwacht werden können, um damit letztlich den Wachstums- und Expansionsprozess zu begleiteten.

Abschließend werden die wesentlichen Aspekte des Buches zusammengefasst. Der eilige Praktiker findet hier auch schnell leicht umsetzbare Empfehlungen und Anregungen zur Neukonzeption, Verbesserung oder Weiterentwicklung seines RM und Risikocontrolling-Systems.

Fazit: Das schrittweise Herangehen an Grundlagen, Prozesse, Instrumente und Organisation des Risikomanagements und Risikocontrollings ermöglichen es dem Leser, sich ganzheitlich und intensiv mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Das Lehr- und Handbuch bietet somit für Dozenten und Studenten der BWL mit Schwerpunkt Controlling einen klar strukturierten und gut verständlichen Fundus zu Fragen des RM. Darüber hinaus können alle relevanten Player – egal ob Vorstände und Aufsichtsräte, Risiko- und Compliance-Manager, Controller, Wirtschaftsprüfer oder Unternehmensberater – von den praktikablen Gestaltungsempfehlungen zum RM bestens profitieren.

Risikomanagement und Risikocontrolling
Risikomanagement und Risikocontrolling
462 Seiten, gebunden
EAN 978-3800669318

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