Kleiner Mann ganz groß
Der letzte Überlebende von der Schlacht von Little Big Horn, Mr. Crabb, wird von einem Journalisten im Altersheim interviewt. Damals gewannen die vereinten Stämme der Lakota- und Dakota-Sioux, Arapaho und Cheyenne eine Schlacht gegen General George Armstrong Custer, den siegreichen Bürgerkriegsgeneral, der hochmütig in eine Falle tappte. "I am without no doubt the last survivor of the old-timers", resümiert der runzlige Dustin Hoffman als Mr. Jack Crabb und empört sich über den ihn interviewenden Journalisten: "You think Lil Big Horn was an adventure?"
Genozid und Geschichte
Mit viel Ironie und dennoch äußerstem Tiefgang führt Arthur Penn Regie bei dem nach der Literaturvorlage von Thomas Berger inszenierten Epos über den Genozid des weißen Mannes an den "Human Beings" (cheyenne für Cheyenne) und den anderen sog. Indianern. Der junge Crabb ist selbst ein Opfer dieser Kriege gegen die Ureinwohner, denn seine Eltern wurden vor 111 Jahren von den Pawnees bei einem Überfall getötet. Als ihn ein verirrter Cheyenne findet, adoptiert er ihn, lässt aber seine Schwester Caroline (lebend) zurück. In seinem Leben wird Crabb noch einige Male die Fronten wechseln, aber natürlich schlägt sein Herz immer für die menschlichen Wesen, die "Human Beings", und nicht für den weißen Mann, für den alles in der Natur tot ist, selbst er selbst, wie ihm sein Cheyenne-Großvater erklärt.
Von Cowboys und Pferden
"Little Big Man" ist ein wunderbarer Film, auch wenn das Thema von einem Völkermord handelt, denn er zeigt, die menschlichen Seiten der sog. Indianer, aber auch wie schwer es damals die Siedler hatten. Faye Dunaway spielt Mrs Pendrake ("Purity its own reward"), die mit einem Priester verheiratet ist, aber auch ein Doppelleben führt. "Poor Boy, I wasn’t just playing an Indian, I was living an Indian", erzählt Crabb seinem Journalisten im Interview und vertraut ihm viel über die Lebensweise seiner Freunde an. So hatten die Cheyenne ihre Feinde im Kampf nicht umgebracht, sondern ihnen nur mit Stecken ihre Kunstfertigkeit und Tapferkeit bewiesen, was sich gegenüber dem mörderischen weißen Mann allerdings als klarer Nachteil herausstellte. Wie ein moderner Simplicissmus stolpert Crabb über die Schachtfelder und zwischen den Fronten, einmal auf der Suche nach Caroline, dann nach seiner Frau Olga. Und als er schließlich die Frau seines Cheyenne-Jugendfreundes, Shadow, bei sich aufnimmt, scheint er sich endlich für eine - seine - Seite entschieden zu haben. Doch der weiße Mann macht ihm wieder einen Strich durch seine Pläne: "Sometimes the grass dont grow, the wind dont blow and the sky ain’t blue...".
Ein wunderbarer Film voller schöner Landschaftsaufnahmen, guter Musik und witzigen Dialogen und ein wichtiger Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung.
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