Kultur

Literaturtheorie spannend und informativ

Die kleinen, gelben Reclam-Bände, man kennt sie noch aus der Schulzeit. Hielt man damals ein solches Büchlein in den Händen, so war es meist nicht aus Spaß am Lesen, sondern weil man musste. Die Lektüre war oft mit vielen Mühen verbunden; wegen der kleinen Schrift musste man sich auf den (meist eher trockenen) Stoff aus längst vergangenen Zeiten doppelt konzentrieren. Oftmals handelte es sich auch um Dichter, welche schon so lange unter der Erde lagen, dass sie das Jammertal und die Demut noch mit einem "h" schrieben.

Vorliegender Reclam-Band unterscheidet sich in vieler Hinsicht von der Gymnasiallektüre. Derjenige, der es geschrieben hat, befindet sich noch unter den Lebenden und trotz der vermeintlichen Trockenheit des Themas ist der Band spannend und zugleich informativ. Jonathan Culler war Gastdozent für Französisch und Komparatistik in Yale und ist heute Professor für Englische und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Cornell University (New York). Mit seinem Buch zur Dekonstruktion (On Deconstruction) hat er 1988 ein eindrückliches Werk über eine der wichtigsten und streitbarsten (literatur-)theoretischen Strömungen des Poststrukturalismus vorgelegt.

Im englischen Original ist Cullers Literaturtheorie mit A very short Introduction untertitelt. Gerade die im Titel betonte Kürze der Einführung macht diesen Band interessant. Er gibt knappe aber sehr präzise Einblicke in die wichtigsten Fragen der modernen Literaturtheorie anhand von einleuchtenden Beispielen. Auch wenn Culler stets um Verständlichkeit bemüht ist, droht nicht die Gefahr, in populärwissenschaftliche Gefilde abzugleiten, in welchen die Verknappung oft gleichbedeutend mit schlichter Falschheit ist. Im Gegenteil, Culler "warnt" in der Einführung vor der Theorie: "Theorie ist furchteinflössend. Eines der entmutigendsten Merkmale von Theorie ist, dass sie nie aufhört. Theorie ist nichts, was man je beherrschen wird, keine begrenzte Anzahl an Texten, die man sich aneignen kann, um schließlich Theorie zu können".

Literaturtheorie
Jonathan Culler

Literaturtheorie


Eine kurze Einführung
Reclam 2002
200 Seiten, broschiert
EAN 978-3150181669

Bachman und Celan: Die geträumten Geliebten

Diese Dokumentation von Ruth Beckermann ist die filmische Umsetzung des Briefwechsels zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann, des wohl wichtigsten Schriftstellerpaares des deutschsprachigen Raumes, das erst im Tode zueinander fand.

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Die Tschechen und ihr Bier: 144 Liter davon verputzt im Schnitt jeder Einwohner pro Jahr. Grund genug, den Trinkgewohnheiten unserer Nachbarn und vor allem ihrem Fundament einmal vor Ort nachzuspüren. Beppo Beyerl hat dies getan.

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Existenzialisten beim Aprikosencocktail

Sarah Bakewells "Romanbiographie" des Existenzialismus ist unterhaltsam und leicht zu lesen und eine gute Einführung in des Denken der größten DenkerInnen des 20. Jahrhunderts. Ein unverzichtbares Werk, das jede/r gelesen haben sollte.

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Mozart und seine Opern
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