Ein Mann zwischen zwei Frauen

"Doktor Schiwago" gilt nicht gerade als einfache Lektüre. Umso schwieriger ist es, ein gutes Hörbuch daraus zu machen. Doch das vorliegende Hörbuch ist recht gut gelungen.

Doktor Schiwago

Alles im grünen Bereich?

Ist unsere Umwelt wirklich so schlecht dran oder reden das grüne Ideologen einfach nur herbei? Diese Frage wirft Crichton mit seinem nicht durchgehend empfehlenswerten Roman auf.

Welt in Angst

Freuen wir uns auf Weihnachten!

Gerade weil es so unterhaltsam ist, Goldts Prosastücke zu lesen, vergisst man gerne, wie gut sie geschrieben sind.

Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens

Der deutsche Bankier

Eine grosse Biographie über den mächtigsten deutschen Bankier des letzten Jahrhunderts.

Der Bankier - Hermann Josef Abs

Zurück aus dem Urlaub

Donna Leons Krimis sind ein sicherer Wert.

Beweise, dass es böse ist

Gezerre um das Grabtuch Christi

Kirchenthriller sind en vogue. Doch nicht alles, was sich so bezeichnen lässt, muss man lesen. Julia Navarros Werk kann man sich getrost sparen.

Die stumme Bruderschaft

Hintergründe zu Hexenverbrennungen in Frankreich

Über die Hintergründe der Hexenverbrennungen in Frankreich.

Füsse im Feuer

Strähl lässt grüssen

Der erste Auftritt von Kriminalpolizist Cavalli und Bezirksanwältin Flint. Ein zweiter darf gern folgen.

Fremde Hände

Schmunzeln vor dem Einschlafen

Garstige Kurzgeschichten mit Überraschungen.

Bissige Stories

betörend. - gefährlich! - verhängnisvoll?

Wenn ein braver Professor in die Fänge einer nicht so braven Professorin gerät...

Die Professorin

Franz Doblers Prosastückligeschäft

Man kann Franz Doblers Texte zwischen Literatur und Journalismus als Popliteratur bezeichnen, wenn man damit eine Literatur meint, die einen unangestrengten Realitätssinn mit einer unprätentiösen Sprache verbindet.

Sterne und Strassen

Was den Endverbraucher so beschäftigt

Harald Martenstein möchte gern politische Kolumnen mit einer Prise Wahnsinn schreiben. Hoffentlich findet sich bald eine Zeitung, die ihm so etwas anbietet: eine politische Kolumne, die sich selbst nicht so furchtbar ernst und wichtig nimmt, die Witz hat und genüsslich den ein oder anderen Tabubruch oder eine politisch Unkorrektheit begeht. Die Endverbraucher-Kolumnen aus der hier vorgelegten Sammlung wurden Woche für Woche in der ZEIT veröffentlicht, allerdings im Teil "Leben", in dem offenbar mehr Freiheiten erlaubt sind als im hohen Politikteil. Viele Kolumnen hatten eine aktuellen Anlass; und doch liest man sie gerne nach ein oder zwei Jahren wieder. Martenstein nimmt alltägliche Dinge zum Auslöser, die Gedanken schweifen zu lassen und scharfe, manchmal auch böse Beobachtungen anzustellen. Er formuliert diese so scheinbar naiv und mit unschuldiger Einfalt, dass es oft regelrecht befreiend ist. Dabei greift er schon mal zu lexikalischen Neuschöpfungen: "Das deutsche Theater ist ein Schrumpfpürzel." (Leider nicht in diesem Band, dafür aber umso treffender.) Martenstein schreibt über die Kriterien, nach denen Leute ihr Urlaubsziel auswählen, über Wochenendhäuser und schlampige Handwerker, über menschliche Schwächen, über Berlin, über Drogen. Immer wieder nehmen die Texte unvorhergesehene Wendungen und lassen den Leser überrascht zurück. Was hat die Tarifgestaltung der Deutschen Bahn mit der Endphase der DDR gemeinsam? Bei beiden wollte die Führung ihr Scheitern noch dann nicht eingestehen, als es längst unübersehbar war. In Rumänien bekommt man für Sex am Strand sieben Jahre Knast. Am "Strand nebenan", in Bulgarien, schlimmstenfalls eine Verwarnung. Fazit: "Der Stalinismus hat das Rechtsgefühl der südostmitteleuropäischen Völker in einen vollkommen verwirrten Zustand versetzt." (S. 152) Dagegen die islamischen Staaten, z.B. Ägypten: Hier landet man für dieses Vergehen "nur" für drei Jahre im Kerker, in der Türkei sogar nur für zwei Monate. "Warum soll dieses liberale Land nicht reif sein für die EU?" (S. 150) Manchmal sollte man Dinge weniger verbissen betrachten. Hoffentlich bekommt Martenstein bald seine politische Kolumne. Dann könnten wir mehr interessante Gedanken lesen, wie die zu der großen Frage, wie einer rechtskonservativen Partei dauerhafter Erfolg beschieden sein würde: mit einer "von namhaften Experten zusammengestellten, perfekt funktionierenden Partei mit fachlich und menschlich hoch qualifizierten Mitgliedern", die sich garantiert nicht spaltet, deren Kandidaten sich nicht bestechen lassen und keine Drogen nehmen, sondern geistig gesund sind und einen IQ von mindestens 105 haben (S. 118). Glücklicherweise Utopie.

Vom Leben gezeichnet

Der Goldmacher von Lom

Der Rat des Landes Lom hat eingeladen. Viele berühmte Magier aus Nah und Fern sollen sich einen Eindruck verschaffen von den Fähigkeiten des Goldmachers, der es geschafft haben soll, Stein in Gold zu verwandeln. So macht sich auch Julin mit seinem Lehrmeister Darian auf den Weg. Direkt hinter der Grenze werden sie überfallen, aber von der Lomer Stadtwache gerettet. Misstrauisch geworden, nimmt Darian Quartier im Gasthaus von Abelina, statt wie ursprünglich geplant im Handelspalast. Darian ist skeptisch gegenüber dem Goldmacher und möchte bei der Vorführung den Steinstaub untersuchen. Doch als er neben dem Magier steht, bricht ein Stück der Decke heraus und begräbt die beiden unter sich. Die Lomer Magierin Avia wird dafür verurteilt. Als Julin erfährt, dass Darian sofort beerdigt werden soll, obwohl man sonst in Lom, wegen des gefrorenen Winterbodens, damit bis zum Frühjahr wartet, wächst sein bereits latent vorhandenes Misstrauen weiter an. Von der Jägerin Fenja lässt er sich noch einmal in die Hallen der alten Könige führen, wo das Unglück geschah. Haliz va Lagar, die Tochter von Darians besten Freunden, folgt ihm. Was sie dort erleben, lässt die drei weitere Nachforschungen anstellen. Doch bevor es richtig los gehen kann, gerät Julin als Sklave in die Minen… Der Roman ist nach dem mehrfach prämierten Buch "Im Bann des Fluchträgers" Nina Blazons zweites Werk. Es spielt in derselben Welt und Darian sowie andere Figuren, kennt der Leser womöglich bereits aus dem ersten Buch. Dennoch sind beide Romane voneinander unabhängig. Mit seinen roten Haaren und den Feuersprossen entspricht Julin nicht gerade dem Erscheinungsbild eines strahlenden Helden, doch er ist eine sympathische Gestalt und durch die beiden jungen Frauen Haliz und Fenja bieten sich zwei weitere gute Identifikationsfiguren. Es ist aber Julins Perspektive, aus der erzählt wird. Der Leser erfährt kaum mehr, als der junge Magier weiss und so bleibt das wirkliche Geschehen in der Halle der alten Könige und dessen Hintergrund fast bis zum Ende unbekannt. Immer wieder gibt es überraschende Ereignisse und Wendungen. Es wäre schade, hier mehr von der Handlung zu verraten. Es ist eine spannende, vielschichtige, aber nicht verwirrende Geschichte mit einem gewissen Anspruch, die den Leser fesselt. Die Charaktere erinnern an die guten Helden der Märchen. Sie sind aber keine moralisch überhöhten Vorbilder, durch die sich Jugendliche bevormundet fühlen könnten, sondern sympathische, ansprechende Figuren. Die durchaus vorhandene Gesellschaftskritik ergibt sich einfach aus der Geschichte, ohne dass Blazon sie explizit thematisieren müsste. Besonders hervorzuheben ist die hier erdachte Welt. Nicht die im Fantasy üblichen Elfen, Zwerge, Orgs, Oger und Trolle begegnen dem Leser, vielmehr sind es ganz neue Wesen, die von der Autorin erfunden wurden: vielschichtige, angenehme aber auch erschreckende Gestalten, die sich der Leser gut vorstellen kann. Ein spannender Fantasy- und Abenteuerroman für Jugendliche und Erwachsene, den die Rezensentin wärmstens empfehlen kann.

Im Labyrinth der alten Könige

Familie Kaminer

In jeder Familie gibt es sie, die kleinen und großen skurrilen Ereignisse des Alltags. Wladimir Kaminer lässt uns am Leben seiner Familie teilhaben. Dies tut er mit viel Humor. Wir erfahren vom Ideenreichtum des Vaters, der manchmal ein wenig absonderlich anmutet. Wir lernen Olga, die Ehefrau des Autors, und seine beiden Kinder, Sebastian und Nicole, kennen, denen die Kreativität offenbar vererbt wurde: Sie bauen ihre Schildkröte durch Einsatz eines Ventilators und von Rädern zu einem Porsche um. Zur Familie gehören auch noch der Großvater und die schwangere Katze Marfa sowie die Tante, die aber nicht will, dass über sie berichtet wird. Kaminer erzählt von seiner Kindheit in Russland und den Hürden der deutschen Bürokratie, die auch von einem Dreijährigen Angaben über seine Ex-Frauen verlangt, von der Mentalität der Ostdeutschen und dem Urlaub im sonnigen Süden - eben von Ereignissen des Alltags. Der Leser wird sich und sein Leben wiedererkennen, dabei schmunzeln oder zustimmend nicken. Die kurzen, unabhängigen Episoden lesen sich leicht, ohne aber anspruchslos zu sein. Kaminer bringt die Dinge auf den Punkt, indem er sie einfach beschreibt, so, wie sie sind. Eine unterhaltsame Lektüre, die einem den Blick für die Kleinigkeiten und vermeintlichen Banalitäten des Lebens offenbart. Gerne kann uns Wladimir Kaminer mit weiteren Geschichten dieser Art beglücken. Seine ersten sind es ja nicht...

Ich mache mir Sorgen, Mama

Eine zerbrechliche Stimme

Als erster russischer Schriftsteller durfte Iwan Bunin 1933 den Nobelpreis entgegennehmen. Seine Briefnovelle gibt es als Hörbuch. Einfühlsam interpretiert von Susanne Lothar.

Ein unbekannter Freund

Die Rätselhaftigkeit eines alten Sonderlings

Es ist ein Zeichen seiner Prosakunst, dass er Herrn Sommers Lächerlichkeit genauso wie die seinem Schicksal innewohnende Tragik darzustellen weiss, ohne sich auch nur ein einziges Mal im Ton zu vergreifen.

Die Geschichte von Herrn Sommer

Die provozierende Gleichgültigkeit

Albert Camus gelang mit dem schmalen Roman "Der Fremde" der Durchbruch. Ulrich Matthes trifft den richtigen Ton, um die Eigenart der Hauptperson wiederzugeben.

Der Fremde