Begriffliches Durcheinander
Ein wildes Durcheinander der Begriffe präsentiert der österreichisch-US-amerikanische Autor Nowak in diesem Buch seinen LeserInnen. Dabei scheint er etwas Grundlegendes nicht verstanden zu haben.
Es soll um Kooperation gehen, die nach dem theoretischen Biologen neben dem "Survival of the fittest" ein grundlegendes Prinzip der Evolution ist. Leider stellt er nicht voran, welche Begriffe er von Wörtern wie Kooperation, Konkurrenz, Egoismus und Altruismus hat, die in seiner Argumentation zentral sind, und wie diese seiner Ansicht nach zusammenhängen.
Was ist nun eigentlich Kooperation? Nowak versteht darunter gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten und "spezieller" gegenseitige Hilfe statt konkurrierenden Verhaltens (vgl. S. 12). Anschließend benutzt er den Begriff allerdings recht willkürlich: Körperzellen, die sich am übergeordneten Zellverbund orientieren und sich damit nicht egoistisch verhalten, gelten als Musterbeispiel der Kooperation. Ein Bankangestellter dagegen, der sich nicht im Sinne der Bank (des übergeordneten Ganzen) verhält, für die er arbeitet, sondern zum Vorteil eines Kunden, ist bei Nowak ebenfalls ein solches Musterbeispiel.
Die beliebige Verwendung des zentralen Begriffs zeigt nicht nur, wie unpräzise der Autor arbeitet, sondern deutet auch schon an, dass er etwas Grundlegendes nicht verstanden zu haben scheint: "Kooperation läuft dem Eigennutz zuwider. Sie ist irrational." (S. 13). Nein, Kooperation ist nicht immer selbstlos, sondern oft sogar egoistisch motiviert! Und genau darin liegt auch die Chance für kooperatives Verhalten gegenüber konkurrierendem. Wie heißt es so schön? Gemeinsam mehr erreichen.
Wer einen klareren Blick auf das Verhältnis zwischen Kooperation, Konkurrenz, Egoismus und Altruismus sucht und dabei auch die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht ausblenden will, findet mit "Autonomie und Kooperation" der Gruppe Gegenbilder eine weitaus bessere Abhandlung dieses Themenkomplexes.
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