Jakob Hein: Kompendium der psychoaktiven Pflanzen

Alltagsdrogen aus dem Gewürzregal

Psychoaktive Pflanzen umgeben uns tagtäglich, nur wissen wir es zumeist nicht. Selbst in unserem eigenen Zuhause warten sie hinterhältig im Gewürzregal oder Kräutergarten. Da wäre etwa der Paprika, der zum "Pepper high" führen kann, die Muskatnuss, die eine angenehm einschläfernde Wirkung mit lebhaften Träumen entfalten oder der Salbei, der schon im Altertum als Allheilmittel galt und Halluzinationen auslösen kann. Aber auch Kakao, Lavendel, Johnanniskraut, Malven, Fingerhut, Engelstrompete, Rittersporn oder Goldregen gehören zu diesen Pflanzen, denen man das gar nicht zugetraut hätte. Insgesamt sollen es sogar mehr als 500 sein.

Alltagsdrogen aus dem Gewürzregal

Das Kompendium der psychoaktiven Pflanzen ist eine nicht nur unterhaltsame, sondern gleichzeitig auch sehr bildende Lektüre. Dr. medicinae Jakob Hein wählte einen witzigen Einstieg, als er Kat Menschik ein Buchprojekt vorschlagen wollte. Herausgekommen ist ein ernstgemeinter Schatz, der in jeden Haushalt gehört, nicht nur wegen den erleuchtenden Illustrationen. Was Jakob Hein erzählt, gehört zum Allgemeinwissen und jeder sollte sich schon einmal damit befasst haben, allein schon um reale Gefahren für sich und seine Kinder rechtzeitig abwehren zu können. Dass andere Kulturen stets um den Nutzen der erwähnten Pflanzen für religiöse Erfahrungen wussten und den damit verbundenen Rausch pflegten, um Rituale eindringlicher zu gestalten, ist längst kein Geheimnis mehr. In Europa wurde dafür zumeist der Alkohol zelebriert - oder wie in Frankreich der Absinth. Auch davon weiß Hein ein paar amüsante Anekdoten zu erzählen. Es ist aber ein Unterschied, ob man Coca-Blätter kaut oder Kokain konsumiert, denn die Pflanze selbst enthält Wirkstoffe, die den Suchtcharakter verhindern können. Aber jede Pflanze ist anders, was von vielen Faktoren abhängt, weswegen Hein vom Konsum derselben in jedem Fall abrät.

The Scarlet Pimpernel

Aber der Text ist keineswegs todernst geschrieben, sondern zeichnet sich durch viel Humor und Hintergrundwissen aus. So erzählt Hein etwa von der Vorlage für Superman, die bis in die Zeit der Französischen Revolution zurückreiche. Eine gewisse Baronesse Emma de Orczi erfand 1903 die Figur des Percy Blakeney, der tagsüber Baron war, nachts aber zum "scharlachroten Siegel" mutierte und Adelige vor der Guillotine rettete. "The Scarlet Pimpernel" - so der Originaltitel - verweist auf nichts anderes als die Pflanze Acker-Gauchheil. Baronesse de Orczi erfand mit ihrem Pimpernel ein ganzes Genre,das bis heute die Massen fasziniert, auch wenn wohl keiner der Superhelden durch Acker-Gauchheil oder den Genuss einer anderen Pflanze zu Superkräften gelangte. Wider Erwarten vieler Toxiko-Dependenten, die glauben durch Drogen zu Superhelden zu werden. Wenn Ihnen jemand also demnächst einen Blumenstrauss schenkt, seien Sie versucht, denn hinter jeder Blume steckt auch eine Blume des Bösen (Baudelaire), wie Jakob Hein gewinnbringend erklärt. Schließlich macht die Dosis das Gift.

Kompendium der psychoaktiven Pflanzen
Kat Menschik (Illustration)
Kompendium der psychoaktiven Pflanzen
112 Seiten, gebunden
Galiani 2022
EAN 978-3869712611

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