Prächtig ausgestattetes Historien-Epos
Der Film King's Land nimmt auf eine tatsächliche historische Begebenheit auf realistische Weise Bezug. Im 18. Jahrhunderte wurde das sogenannte Jütland und Schleswig-Holstein vom dänischen König Friedrich V. (1723–1766) verstaatlicht und an deutsche Bauern verpachtet, sofern sie es fruchtbar machten. Mads Mikkelsen spielt einen aus der Armee mit Ehren entlassenen Hauptmann, Soldat Ludvig Kahlen, dem es gelingt, im Jütland Kartoffeln anzupflanzen.
Die Kartoffeldeutschen und das Zigeunermädchen
Die sogenannten Kartoffeldeutschen, auch Pfälzer genannten, Bauern, sollten die brachliegenden Heidelandschaften in fruchtbares Ackerland umwandeln. Aber die Heidekolonisation war nicht bei allen willkommen. Der seinem Grundstück benachbarte Gutsherr Frederik de Schinkel versucht alles, um den Erfolg von Kahlens Unternehmen zu verhindern. Als einer seiner Pachtbauern flüchtet und ausgerechnet bei Kahlen Zuflucht findet, ist dies ein willkommener Anlass für eine Strafexpedition. Kahlen kann vorerst zwar verhindern, dass der Pachtbauer und seine Frau Barbara ausgeliefert werden, jedoch schlägt die Grausamkeit des Nachbarn später umso gemeiner zu. Neben Schnee, Kälte und Frost lauern aber noch viele andere Gefahren auf den Kolonisatoren Ludvig Kahlen. Ein Roma-Mädchen führt ihn in einen Hinterhalt, dem er nur knapp entkommt und später wirbt ihm de Schinkel die Mitarbeiter ab. Andere Bauern wiederum lehnen eine Mitarbeit ab, weil Kahlen das Roma-Mädchen adoptiert. "Solche bringen Unglück", sagen sie und zeigen auf das kleine Mädchen, das in diesem Film für gleich mehrere Tränen sorgt. Aber auch Gutes ereilt den tapferen Kahlen, denn bald erwächst ihm aus der Witwe des Pachtbauern und seiner Tochter sowie einem jugendlichen Priester eine Familie, die ihn durch die harten Tag trägt.
Dramaturgische und visuelle Verzauberung im hohen Norden
King's Land ist eine spannende und attraktive Adaption eines historischen Stoffes, die man gesehen haben muss. Überzeugend ist nicht nur das Minenspiel des Hauptdarstellers Mads Mikkelsen als Pionier Ludvig Kahlen, sondern auch die der anderen Beteiligten. Mads Mikkelsen erhielt übrigens für seine grandiose Darstellung den Europäischen Filmpreis und bei der Weltpremiere in Venedig Standing Ovations. Das prächtig ausgestattete Historien-Epos, wie es lange nicht mehr im Kino zu sehen war, glänzt durch wunderschöne Landschaftsaufnahmen im Sepiatönen und beeindruckendem Minenspiel in von Landarbeit zerfurchten Gesichtern. In großen Bildern erzählt Regisseur Nicolaj Arcel eine zeitlose Geschichte von Idealismus, Rache und Liebe, gleichsam eine „education sentimentale“ eines vom Krieg verrohten Soldaten, der sich zum edlen Hauptmann mit Verantwortungsgefühl entwickelt. Stand ist eben keine Frage der Geburt, sondern des Verhaltens, wie man auch aus seinem Antagonisten, de Schinkel, ablesen kann. Die Zuspitzung Gut-Böse mag etwas an die Western-Manier erinnern, aber wenn's der Dramaturgie nützt, freut's die Zuschauerseele. Ein sehenswerter Dänen-Western, bei dem sowohl die Besetzung als auch das Artwork sich zu einer rauen, aber wunderschönen Geschichte verbinden. Inklusive kitschiges Happy End.
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