Architektur

Innenräumliche Atmosphäre statt schreierische Fassade

Das Werk des japanischen Architekten Kazunari Sakamoto ist in Europa wenig bekannt. Anlässlich der Ausstellung "Kazunari Sakamoto - Poetik im Alltäglichen" im Architekturmuseum der Technischen Universität München wurde seine Arbeit fokussiert auf das Thema "Wohnhäuser" vorgestellt. Seine Architektur ist geprägt von zurückhaltender Ehrlichkeit, sie tendiert zu konventionellen Formen, kommt ohne Prahlerei aus - ganz im Gegensatz zum Trend der dramatischen Architektur. Bezug nehmend aufs Wohnen liest sich das so:"Meine Suche nach einer Architektur des freien Raums dient dem Ziel, für die Wohnung als alltäglichste Form des Raumes eine neue Alltäglichkeit zu gewinnen."

Im Mittelpunkt der Publikation stehen die Wohnhäuser aus den Jahren 1970 bis 2004. Jedes Wohnhaus wird mittels Grundrissen und Schnitten, sowie Aussen- und Innenraumfotografien vorgestellt. Ergänzend dazu findet sich ein knapper Text, der die Konstruktionsart wie auch die räumliche Anordnung der Räume erläutert. Betrachtet man die Aussenraumaufnahmen wird einem eindrücklich vor Augen geführt, wie man architektonische Gefüge in den gebauten Kontext einfügen kann. Das Augenmerk des Architekten ist nicht auf eine schreierische Fassade gerichtet, sondern vielmehr auf die innenräumliche Atmosphäre. Diese meint man zu spüren beim Betrachten der Innenraumaufnahmen. Faszinierend ist der Umgang mit dem "Alltäglichen", keine aufwendigen Details, keine extravaganten Materialien und doch eine überraschende Vielfältigkeit. Man erblickt Wände, die zu offenen Holzregalen werden und architektonisch spannende Raumgefässe. Den Projekten vorangestellt ist eine Einleitung von Kazunari Sakamoto, in der Gedanken zu seiner Architektur formuliert sind: "Ich möchte in einen bisher unsichtbaren Freiraum vordringen, diesen erfahrbar machen und damit zugleich Körper und Geist von Beschränkungen befreien, indem ich den Menschen die Möglichkeit eröffne, auch im Innenraum mit der Aussenwelt in Verbindung zu treten." Zwischen den Projekten eingestreut sind zwei Essays, die sich mit der Architektur von Sakamoto auseinandersetzen. Wer sich kurz über den Architekten und sein Werk informieren möchte, findet im hinteren Teil eine Biographie sowie sein Werkverzeichnis.

Das Buch bietet interessante Einblicke in das Schaffen des Architekten Kazunari Sakamoto. Gut möglich, dass es bei dem einen oder anderen Leser das Interesse an der japanischen Architektur weckt. Für eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem Werk des japanischen Architekten sind die Beiträge allerdings zu knapp gehalten.

Kazunari Sakamoto: Häuser / Houses
Werkbund Bayern (Hrsg.)
Architekturmuseum München (Hrsg.)
Japan Foundation (Hrsg.)

Kazunari Sakamoto: Häuser / Houses


Birkhäuser 2004
84 Seiten, broschiert
EAN 978-3764371975
220 farb., s/w Fotos, Abb., Pläne

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