Thomas Schauerte: Kath. Stadtpfarrkirche St. Peter - München

Münchens „Alter Peter“ leuchtet

Im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt sind viele Wege der Besucher und auch der Pilger oft recht kurz, denn der Liebfrauendom, die Mariensäule vor dem Rathaus und der „Alte Peter“ liegen räumlich recht nah beieinander. In schönstem Weiß-Blau erstrahlt der Himmel an sommerlichen und herbstlichen Tagen, wenn Reisende entspannt durch die belebte Landeshauptstadt schlendern. Die bayerische Gelassenheit erfüllt schnell auch die Herzen derer, die nur kurze Zeit in der Stadt zubringen, um die Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, durch den Englischen Garten zu spazieren oder die prächtigen Kirchen zu besichtigen, die nach verheerenden Kriegsschäden so liebevoll wiederaufgebaut und mit Leben gefüllt wurden. Besonders die Stadtpfarrkirche Sankt Peter, gewissermaßen eine ferne Verwandte des Petersdoms in Rom, lädt zu Besinnung, Besichtigung und stiller Einkehr ein.

Stadtgeschichte sei auch Kirchengeschichte, so schreibt der Autor dieses prächtig illustrierten Kunstführers, beruft sich dabei auf nahezu steingewordene und zugleich lebensvolle Sentenzen alter Zeit. In anderen Teilen Deutschlands fällt diese Identifikation oft sehr viel schwerer als in München. Es hat aber gerade in Bayern einen guten Sinn, das Geflecht von Stadt- und Kirchengeschichte zu bedenken, demütig anzunehmen und, wenn möglich, auch ins Heute zu übertragen, in eine Zeit, die von bleischwerer Säkularität und postmodernem Hochmut überlagert zu sein scheint. Die „Aura des Besonderen“ erkennt Schauerte in Sankt Peter und würdigt kenntnisreich die historischen Dimensionen dieser Kirche, die ein wahrhaft durchbeteter Raum ist. 

Wer heute die nahe dem Viktualienmarkt gelegene Kirche besucht, entdeckt zunächst vielleicht staunend die in Seitenkapellen in Glasschreinen verwahrten Toten, darunter auch die Katakombenheilige Munditia, die in der Barockzeit aufwendig präsentiert wurde. Wer vor den Gebeinen verharrt, der mag in Ehrfurcht schweigen und vielleicht auch etwas befremdet darauf blicken. Werden in der Kirche Tote ausgestellt, mit kostbaren Gewändern und Juwelen verziert? Es ist eine verständliche, doch aber auch ungemäße Frage, die viel über den Geist dieser Zeit sagt, der verständnislos bleibt und verkennt, dass nicht nur das Martyrium der jungen Christenheit gegenwärtig ist, sondern auch eine himmlische Wirklichkeit ahnungsvoll zutage tritt: Die Kirche umschließt alle Zeiten und Orte, sie ist mitnichten ein horizontales Phänomen, sondern das, was wir sehen, besuchen und betreten, weist stets über sich hinaus, bezeugt die Vergangenheit, die lebendige Gegenwart und kündet von der Zukunft. Der Gläubige heute ist eingeladen, vor den Gebeinen der heiligen Munditia auszuharren, in Demut, Gebet und Gottvertrauen. Mancher Gottsucher beginnt vielleicht zu rätseln, warum die Nähe zu den Toten für die Christen im Barock so wertvoll und wichtig gewesen ist. Die Verstorbenen gehören weiterhin zur Gemeinschaft der Kirche. Munditia, die Schutzpatronin der unverheirateten Frauen und Witwen, begrüßt und empfängt somit die Besucher der Münchner Peterskirche – und nicht wenige von ihnen vertrauen sich dann ihren Fürbittgebeten an.

Thomas Schauerte zeigt anschaulich, etwa am Beispiel der Deckenfresken, dass Sankt Peter in München nach dem Krieg sorgsam wiederaufgebaut wurde, so dass die „schwersten Schäden“, die die Kirche erlitten hatte – und mit ihr auch das gläubige Volk, das schmerzhaft die Trümmer des Heiligtums mitansehen musste –, im Sinne der „schöpferischen Denkmalpflege“ behoben und das Gotteshaus neu geschaffen wurde. Natürlich befand sich die Kirche hernach nicht mehr im Urzustand, aber der Wiederaufbau erinnert doch sehr an die lichtreiche Zeit des Barock. Somit blieben befremdliche Modernismen oder auch die allgegenwärtige Nüchternheit der Nachkriegszeit, wie sie auch im Liebfrauendom sichtbar Gestalt gewonnen hat, ausgespart. Auch auf den in der Nachkonzilszeit empfohlenen „Volksaltar“ wurde verzichtet, wie gut. Thomas Schauerte schreibt: „Der Hochaltar ist also kein bloßes kunsthistorisches Ausstellungsstück, sondern unverändert Zentrum der Liturgie. Nur so wird der immense Aufwand bei seiner Errichtung verständlich. In diesem Sinne erinnern auch die zahlreichen Epitaphien daran, dass eine christliche Kirche nicht nur ein Ort der Lebenden, sondern auch der Toten ist, derer hier seit Jahrhunderten gedacht wird.“ Die Peterskirche sei ein „Schatzhaus der Münchner geistlichen Kunstgeschichte“. 

Wer in Sankt Peter in München zu Gast ist, der spürt von innen her, wie sehr der christliche Glaube in dieser Stadt noch zu leuchten vermag, wie sehr auch Geschichte und Gegenwart miteinander verknüpft sind, insbesondere wenn dort die Liturgie der Kirche gewissermaßen in Fahrtrichtung, auf Gott hin, gefeiert wird. 

Dieser liebevoll verfasste, trefflich illustrierte Band lädt dazu ein, in Sankt Peter zu verweilen, im „Alten Peter“, und gläubige Katholiken fühlen sich zugleich daran erinnert, dass sie ganz in Rom zu Hause sind. Insoweit ist Sankt Peter in München eine Kirche, die an ein oft so nahes und zugleich so fernes Zuhause erinnert. Dieser Kunstführer schenkt einfühlsam Einblicke in die Kunst- und Kirchengeschichte Münchens und lädt zugleich zur persönlichen Einkehr ein. In Kirchen wie Sankt Peter, ob in Rom oder München, wissen sich gläubige Christen beheimatet, gestern und heute. Warum das so ist, darüber mögen auch Agnostiker und Andersgläubige nachsinnen.

Kath. Stadtpfarrkirche St. Peter - München
Kath. Stadtpfarrkirche St. Peter - München
36 Seiten, broschiert
EAN 978-3795473488

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