Kunst

Karl Schmidt-Rottluffs Werk

Karl Schmidt-Rottluff war einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus, einer Stilrichtung, "die ihre entscheidenden Impulse aus der Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde" erhielt (Roland Doschka, S. 9), die umgekehrt aber in Frankreich als "typisch deutsch" galt und dort erst Ende des 20. Jahrhunderts Anerkennung fand. Schmidt-Rottluff beschrieb die verschiedenartigen Anschauungen 1926 in einem Brief so: "Mir wurde in Paris der große Unterschied in der - ich möchte sagen - weltanschaulichen Kunsteinstellung zwischen Frankreich und Deutschland so klar - die französische Kunst ist ja vollkommen diesseitig eingestellt [...]. Alles Metaphysische und Transzendente, das nun einmal im deutschen Wesen liegt, fehlt ihnen und ist ihnen völlig fremd." (S. 7)

Der Katalog, der anlässlich einer Ausstellung mit "Meisterwerken der Kunstsammlungen Chemnitz", die im Sommer 2005 in der Stadthalle Balingen gezeigt wurde, erschien, umfasst Werke, die fast über das gesamte Schaffen Schmidt-Rottluffs von den Anfängen 1903 als 19-Jähriger, dann den ersten Jahren als Mitglied der "Brücke" bis zu seinem Spätwerk reicht. Einzig vermisst man einige Höhepunkte aus den Jahren 1910 bis 1913 - die Dangast- oder Norwegen-Bilder etwa oder die Niddener Akte.

Der aus Rottluff bei Chemnitz stammende Künstler blieb seiner Heimat ein Leben lang verbunden, hatte seit der Gründung der städtischen Kunstsammlungen im Jahr 1920 eine enge Verbindung zum Museumsdirektor Friedrich Schreiber-Weigand und schenkte und lieh dem Museum wiederholt Kunstwerke. Bis die Nationalsozialisten dem mit der Beurlaubung 1933 und der Entlassung Schreiber-Weigands 1934 ein Ende setzten, begründete er eine umfangreiche Sammlung, die zum größten Teil der Aktion "Entartete Kunst" zum Opfer fiel. Neun Gemälde, acht Aquarelle, 61 Holzschnitte, 22 Lithografien, 14 Radierungen und neun Gebrauchsblätter beschlagnahmten die NS-Bilderstürmer. Nur ein einziges Gemälde kehrte durch Glück nach dem Krieg nach Chemnitz zurück. Dennoch bauten der wieder eingesetzte Schreiber-Weigand und die folgenden Leiter und Leiterinnen die Sammlung nach und nach wieder auf, so dass Chemnitz heute über die weltweit größte Sammlung von Karl Schmidt-Rottluff verfügt. Dieses Auf und Ab dokumentiert der Beitrag von Beate Ritter in diesem Band. Ingrid Mössinger gibt einige - viel zu kurze - Proben aus Briefen des Künstlers, die sich im Archiv der Kunstsammlungen befinden.

Hans Dieter Huber kommt in seiner Analyse der Farbe bei Karl Schmidt-Rottluff zu dem Ergebnis, dass dieser in seinen früheren Werken zwischen etwa 1907 und 1911 farbliche und formale Experimente durchführte und "mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Beeinflussung des Sehvorganges selbst" beim Betrachter anstrebte; und zwar die "Irritation" dieses Sehvorganges und "nachfolgende Bewusstwerdung" (S. 45) durch den "Widerstand, den die Oberfläche des Bildes seinem Blick entgegensetzt. Diese Irritation setzt eine Erkenntnis in Gang, die rein visuell ist" (S. 47).

Nach einem Tafelteil mit den Abbildungen von 44 Gemälden, acht Zeichnungen, 19 Holzschnitten, fünf Lithografien und drei Aquarellen folgt ein Anhang mit einer ausführlichen Dokumentation zum Leben und Werk des Künstlers von Gunther Thiem. Nahezu jedes Jahr von 1905 bis 1976 hat einen eigenen Eintrag erhalten. Die Grundlage hierfür bilden in erster Linie Briefe an Freunde, Künstlerkollegen, Sammler, Galeristen. Auch viele Familienfotos, Portraits, Ausstellungsplakate oder Postkarten sind hier abgebildet. Natürlich ist die Zeit der Künstlergruppe "Brücke" besonders ausführlich dokumentiert.

Karl Schmidt-Rottluff
Roland Doschka (Hrsg.)

Karl Schmidt-Rottluff


Katalog zur Ausstellung der Kunstsammlungen Chemnitz in der Stadthalle Balingen 18.06.2005 - 25.09.2005
Prestel 2005
192 Seiten, gebunden
EAN 978-3791333861
100 Abbildungen, davon 80 farbige

1968 im Zeitraffer

Die "100 Seiten"-Reihe erklärt auf 100 Seiten die wichtigsten Ereignisse und Personen der Weltgeschichte. "1968" wurde vom Zeitzeugen und Historiker Kraushaar gestaltet. Ein kurzer Einblick in das Revolutionsjahr und guter Überblick über die Folgen.

Lesen

Meister der Komposition

Henri Cartier-Bresson hält mit seinen Fotografien nicht nur Momente fest, sondern erzählt Geschichten, einzigartig und unverkennbar.

Lesen

Iggy Pop: The Mega-Clang

Eine Dokumentation von Jim Jarmusch über eine Ikone der Pop- und Punkkultur, die zeigt, dass zwar Punk schon ziemlich alt ist, seine Vertreter aber nicht altern: Iggy Pop, 60.

Lesen

Wie bünzlig sind die Schweizer?

Ein rundum vergnügliches Schweizbrevier!

Lesen

L.A.: El Puebla de Nuestra Senora La Reina de Los Angeles del Rio de Porciuncula

Eine fotografische Hommage an die "Stadt der Engel", vom Immobilienboom der 1880er-Jahre bis ins 21. Jahrhundert in über 500 Bildern und mit informativen Texten.

Lesen

Neuausgabe der Luther-Bibel von 1534

Die Luther-Bibel in einer Prachtausgabe des Taschen-Verlages zeigt, was Buchdruckkunst alles zu leisten vermochte und vermag. Die bibliophile Ausgabe erscheint in zwei Bänden mit illustriertem Begleitheft.

Lesen
50 Künstler, die man kennen sollte
Menschen des 20. Jahrhunderts
Là où vont nos pères
Es flüstern und sprechen die Blumen
Ich werde Dich nie vergessen...
Das Bauhaus kommt aus Weimar / Modell Bauhaus
Sin City 1
Caspar David Friedrich
Traumfrauen / Emmanuelle Béart - Cuba Libre
New York 1974
Huhn mit Pflaumen / Sticheleien
Die heilige Krankheit
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018