Es muss ja nicht gleich Das Kapital sein
In das Poesiealbum seiner Tochter Jenny trug Karl Marx als seine Lieblingstugend 'Einfachheit' ein. Leider war diese ihm, zumindest was seine schriftliche Ausdrucksweise betrifft, nicht immer gegeben. Der erste Band seines Hauptwerks Das Kapital erschien auch daher 16 Jahre später als geplant.
Erst 1851 schrieb ein erleichterter Autor seinem Freund und Mitstreiter Friedrich Engels: "Ich bin so weit, dass ich in fünf Wochen mit der ganzen ökonomischen Scheiße fertig bin." Nichtsdestotrotz war Marx mit dem Kapital – es sollten noch zwei Folgebände erscheinen – der ganz große Wurf gelungen. Das Werk würde ihm einen Platz im Olymp der größten Ökonomen aller Zeiten einbringen. Selbst seine größten Kritiker räumen ein, dass die gesellschaftliche Analyse auch mehr als anderthalb Jahrhunderte nach Erscheinen des Werks so falsch nicht ist.
Nur was Marx daraus folgerte, fand keineswegs ungeteilte Aufnahme. Immerhin haben seine Werke, neben dem Kapital vor allem das Kommunistische Manifest, wie kaum ein anderes die Weltgeschichte beeinflusst und die Grundlage für das oft ausprobierte und vermutlich nicht weniger häufig gescheiterte System des Kommunismus gelegt.
Dennoch sollte man das Kapital nicht ohne weiteres auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. Die darin geschilderten vier Hauptformen der Entfremdung – die des Arbeiters von seiner Arbeit, vom Produkt seiner Arbeit, von den Produktionsbedingungen und von seinen Arbeitskollegen – bergen auch heute noch den Zündstoff für Arbeits- wie Verteilungskämpfe und sind mitverantwortlich für weltweites soziales Elend.
"Das Kapital", sagte Marx und verwendete auch mal einen salopperen Schreibstil , "ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit." Die Verständigkeit birgt wohl auch einen der Gründe, weshalb die drei Bände mit dem schmucken blauen Einband meist bis auf das Eingangskapitel ungelesen in zahlreichen Regalen verstauben.
Darüber, wie man sich Marx leichter annähert als über Das Kapital, hat sich der Reclam Verlag Gedanken gemacht. Das Ergebnis sind zwei recht schmale Bände mit dennoch reichlich Substanz. Das eine, von Dietmar Dath verfasst, kommt mit 100 Seiten aus. Der Inhalt ist so übersichtlich wie leserfreundlich gestaltet und verdient es hier, komplett abgebildet zu werden. Es sind nur vier Kapitel: Von der Wut zum Wissen; Von den Ideen zur Praxis; Vom Kapitalismus zum Kommunismus; Von der Vorgeschichte zur Nachwelt.
Dass sich Marx sogar mit Vergnügen lesen lässt, verspricht der Herausgeber des anderen kleinen Bands bereits im Titel. Auf 190 Seiten versammelt Bert Sander in sieben Kapiteln Zitate, Aphorismen, Ausschnitte aus Briefwechseln und Werken, Anekdoten und meist sehr gescheite Betrachtungen. Marx im Original kann wirklich ein Vergnügen sein!
Kostprobe gefällig? „Der Sturz der kapitalistischen Ordnung“, schrieb Marx einst ein wenig erratisch (oder ironisch?) der SPD-Führung und klingt heute noch merkwürdig aktuell, „liegt in unerreichbarer Ferne, hat also absolut keine Bedeutung für die politische Praxis der Gegenwart; man kann vermitteln, kompromisseln, philanthropisieren nach Herzenslust. Ebenso geht's mit dem Klassenkampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie.“
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