Kafkas Schlaflosigkeit als Bedingung seiner literarischen Arbeit
"Es war kein Traum!", heißt es in Kafkas wohl bekanntester Erzählung, "Die Verwandlung". Kafka selbst litt Zeit seines Lebens unter Schlaflosigkeit. Dennoch gelang es ihm, intensiv zu träumen, wie vorliegende Publikation augenscheinlich suggeriert. Die Unterschiede zwischen Traum und Wirklichkeit, Literatur und Leben verschwimmen in Kafkas Werk, wie auch Gregor Samsa es zu spüren bekam.
Halbschlafphantasien am Kanapee
"Kafkas Schlaflosigkeit ist aber nicht die Folge, sondern die Bedingung seiner literarischen Arbeit", schreibt der Herausgeber der Kafka-Briefe vielsagend. In einem dieser Briefe, am 1.11.1912 an Felice Bauer, beschreibt Kafka ihr minutiös seinen Arbeitsalltag. Zumeist arbeite er bis "1,2,3 oder 6 Uhr früh", danach das Turnen, nackt, vor offenem Fenster, von 8 bis 2 oder halb 3 ins Bureau, bis 3 oder halb 4 Mittagessen, "von da ab Schlafen im Bett bis halb 8", dann zehn Minuten Turnen, dann 1 Stunde Spazierengehen allein oder mit Max dann um halb 11 oder halb 12 Niedersetzten zum Schreiben und dabeibleiben "je nach Kraft, Lust und Glück". Die vielzitierten "Halbschlafphantasien am Kanapee", die hier von Manfred Müller ausgewählt, kommentiert und mit einem Nachwort versehen wurden, waren also durchaus einem Kampf abgerungen, einem Kampf mit sich selbst gegen die immerwährende und allgegenwärtige Müdigkeit. Später kam natürlich die ihn schwächende Krankheit noch dazu, die ihm das Schreiben, das er in zitiertem Brief als seinen einzigen Lebenszweck bezeichnete, immer mehr verunmöglichte. Die Nacht bestand bei Kafka aus zwei Teilen: einem schlaflosen und einem wachen. "Dennoch handelt es sich um Zeiträume, die für sein Schreiben fruchtbar sind, indem Kafka die Zeit im Bett und am Kanapee, im Schlaf wie im Halbschlaf, mit intensivem Träumen verbringt", so MM. Gerade die Selbstbeobachtung und das Erzählen seiner Träume seien für Kafkas literarische Genese von fundamentaler Bedeutung gewesen, wie seine Tage- und Notizbücher bezeugen.
Unvereinbarkeit von äußerem und innerem Leben
Mehr als 60 Träume habe Kafka aufgeschrieben, viele davon wurden für die vorliegende Publikation ausgewählt, abgedruckt und kommentiert. Niemals habe er sich aber an Traumdeutungen versucht, sondern sie stets für sich sprechen lassen. Ob "echte Träume", Halbschlafphantasien oder Halluzinationen - oft lässt sich das aus den Traumnotaten Kafkas nicht 100prozentig erschließen. "So wie sich Kafka also selbst in seinen Tagebüchern und Briefen als jemand stilisiert, dessen inneres `traumhaftes´ Leben mit seinem äußeren`realen´ inkompatibel ist, genauso zeichnet er auch seine Protagonisten", schreibt Müller im lesenswerten Nachwort zu vorliegender Publikation. Ob die Verwandlung im gleichnamigen Text Kafkas nun ein Traum war oder nicht, entscheidet also allein Gregor Samsa für sich...
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