Wirtschaft

Gute Zeiten für das Controlling

Die in Teilen der EU noch immer schwelende Wirtschafts- und Finanzkrise bestätigt die alte Faustregel "Schlechte Zeiten für das Unternehmen sind gute Zeiten für das Controlling". Dies dokumentiert auch eine jüngste Studie des Instituts für Management und Controlling (IMC) an der WHU Otto Beisheim School of Management. Deutschlandweit können dementsprechend rund 100.000 Beschäftigte dem beruflichen Rollenbild "Controller" zugeordnet werden. Die Herausforderungen an das Controlling sind heute größer als jemals zuvor. Die "Volatilität" ist zur "neuen Normalität" geworden. Früherkennung ist gefragt, ebenso wie eine vereinfachte Planung, welche um dynamische Elemente ergänzt werden muss. Die während der letzten Jahre stattfindenden Tagungen und Kongresse für Controlling thematisierten insbesondere Fragen wie zum Beispiel strategische Neuausrichtungen, Modernes Budgetieren, Working Capital Management, Preis- und Risikomanagement sowie Kommunikation und Green Controlling. All dies macht beispielhaft deutlich, dass sich Theorie und Praxis des Controllings in den vergangenen Jahren deutlich verändert haben. Die Controller entwickeln sich immer stärker zu Beratern des Managements. Die Breite der Aufgaben wächst und die Anforderungen an das Zusammenspiel zwischen Managern und Controller ebenso.

Diese Entwicklung spiegelt sich in diesem Standardwerk wider. In der vorliegenden 14. Auflage von Weber und Schäffer (beide Autoren forschen und lehren als Professoren an der WHU - einer der renommiertesten Hochschulen für Betriebswirtschaft und Management in Deutschland - und leiten dort das IMC) wird das bewährte didaktische Konzept beibehalten. Bereits in der 7. Auflage ist die koordinationsorientierte und funktionale Sichtweise zugunsten der Rationalitätssicherung und institutionellen Sicht des Controllings aufgegeben worden. Diesen konzeptionellen Ansatz verfolgen die Verfasser weiterhin und richten sich damit primär an Studierende und Praktiker, welche sich in Controllingthemen einarbeiten wollen. Um dem Einführungscharakter des Lehrbuchs noch besser gerecht zu werden, wird der gesamte Stoff in vier Teile und 17 Kapitel unterteilt, die ein schrittweises Nachvollziehen der umfassenden Controlling-Materie deutlich erleichtern.

Im ersten Teil werden die konzeptionellen Grundlagen des Controllings gelegt und insbesondere der Bezug zur Führung durch Ziele hergestellt. Dabei wird der Bogen von kontext- und kulturabhängiger Controllerpraxis zu verschiedenen Controllingkonzeptionen und controllingrelevanten Theorien der Accounting-Forschung gespannt. Es wird aber auch die in diesem Buch verfolgte Sichtweise näher erläutert. Sie ist als ein verhaltensorientierter Ansatz zu kennzeichnen, der mit der praktischen Entwicklung der Controllership in weitgehende Übereinstimmung gebracht werden kann. Die Teile 2 und 3 befassen sich mit der Informationsversorgung (Grundlagen der Informationsversorgung, Externe Rechnungslegung; Kosten-, Erlös-, Ergebnis- und Leistungsrechnung; Kennzahlen und Kennzahlensysteme; Verrechnungspreise und Berichtswesen) sowie der Planung und Kontrolle in den Bereichen des operativen, taktischen und strategischen Managements. Im Mittelpunkt stehen die einschlägigen Instrumente, wie z. B. Deckungsbeitragsrechnungen, Nutzwertanalysen, Zero Base Budgeting, Investitionsrechnungen sowie Stärken-Schwächen-, Produkt-Lebenszyklus-, Produkt-Markt-Portfolio- und Technologie-Portfolio-Analysen. Ebenso werden auch verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse ("Behavioral Controlling") einbezogen. Entsprechende Verhaltensaspekte werden zu Recht dann wiederholt thematisiert, wenn diese die Wahrnehmung und den Erfolg der Planung und Kontrolle wesentlich beeinflussen können. Bei derartigen kognitiven Begrenzungen geht es um ein breites Spektrum von Verhaltensverzerrungen und -fehlern, beispielsweise im Kontext mit "overconfidence, egocentric, confirmation und optimistic bias" oder im Zusammenhang mit "illusion of control", "groupthinking" "risky shift" und "mental accounting". Der 4. Teil behandelt abschließend grundsätzliche Fragen der Gestaltung und Organisation des Controllerbereichs sowie vertiefende und aktuelle Gestaltungsfragen der Controllership, einschließlich einer Diskussion über den Erfolg des Controllings.

Die außerordentlich gelungenen methodisch-didaktischen Neuerungen der letzten Ausgaben werden beibehalten, d.h. die Leserfreundlichkeit des Buches wird durch das großzügigere an amerikanische Lehrbücher erinnernde Layout mit erläuternden, zielführenden Marginalien und einem Zweispaltensatz, der den Text besser lesbar macht, erhöht. Zur verständlichen Aufbereitung selbst komplexer Zusammenhänge bzw. zur Vertiefung von Einzelthemen kommen eine Fülle von Abbildungen bzw. Abschnitte, welche mit "Unter der Lupe" gekennzeichnet werden, Kurzbeiträge (u. a. Auszüge aus der relevanten Literatur), Zusammenfassungen und gezielte weiterführende Literaturhinweise jeweils zum Ende eines jeden Kapitels, hinzu. Durch interessante Praxisanwendungen bzw. Fallstudien aus bekannten Unternehmen, z. B. Beiersdorf, BSH/Bosch und Siemens Hausgeräte, Continental, Henkel, Lufthansa, Metro, RWE, Steuler-Industriewerke, ThyssenKrupp, und VW, werden praktische Erfahrungen integriert sowie Hilfestellungen für konkrete Anwendungen geliefert. Parallel zu dieser Neuauflage ist die aktualisierte und wesentlich erweiterte Auflage des Übungsbuches mit weiteren Beispielen, Fallstudien und Lösungen erschienen, auf das in den einzelnen Kapiteln durchgehend verwiesen wird. Des Weiteren werden für Studenten und Dozenten ergänzende Informationen zum Buch auf der entsprechenden Website des Verlags angeboten.

Der Umstellung der Diplom-Programme auf Bachelor- und Master-Abschlüsse werden die Autoren gerecht, indem sie auf die Behandlung von speziellen funktionalen, prozessualen und institutionellen Themen verzichten und die Stoffbearbeitung in einer einfachen und gut verständlichen Sprache abhandeln. Als Antwort auf den zunehmenden Wechsel der Unterrichts- bzw. Praxissprache von Deutsch in Englisch wurden wesentliche Teile dieses Lehrbuchs in fünf Kapiteln als "Introduction to Controlling" in englischer Sprache publiziert. Dozenten können die entsprechenden Unterlagen über den Dozentenservice des Verlags herunterladen.

In dieser 14. Auflage sind die Literatur und die Empirie im Buch aktualisiert und die eine oder andere Ergänzung vorgenommen worden. So sind z. B. Verweise auf das Anfang 2013 publizierte Grundlagenpapier des Internationalen Controllervereins (ICV) und der International Group of Controlling (IGC) eingearbeitet und das siebte Kapitel des Buchs, das sich mit Kennzahlen beschäftigt, deutlich erweitert worden. Das Werk liegt seit 2011 in einer chinesischen und seit Kurzem auch in einer russischen Ausgabe vor. Nach einer jüngst im Journal of Business Economics publizierten Studie ist dieses Lehrbuch nicht nur das am meisten zitierteste Controlling-Lehrbuch, sondern im deutschsprachigen Raum auch das am meisten zitierte Buch im Rechnungswesen und Controlling überhaupt. Es kann allen, welche sich im Studium oder in der Praxis bereits mit Controlling befassen oder sich erst noch in diese Materie einarbeiten wollen, bestens empfohlen werden.

Das Übungsbuch zum Lehrbuch.
Einführung in das Controlling
Jürgen Weber
Utz Schäffer

Einführung in das Controlling


Schäffer Poeschel 2014
547 Seiten, broschiert
EAN 978-3791032412

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