"Gerade hinter den Geranien lauert das Grauen."
Eigentlich mag ich gar keine Krimis. Schon gar keine, die dem (gedankenlosen) Leser aufregende, heroische, kitschige und brutalisierte Situationen als (verlogene) Realität andienen.
Der Alpenkrimi "Oberwasser" von Jörg Maurer ist selbstverständlich spannend, phantasievoll und virtuos geschrieben. Gleichzeitig zeichnet er sich durch bizarre Situationskomik und humoristisch-bissigen Charakterdarstellungen aus. Und vielleicht das Auffälligste, Jörg Maurer kombiniert sehr eigenwillig dramatische Spannung und komödiantische Schilderung. z.B. "Und die meisten Räume, die er betrat, betrat er das erste Mal, das unterschied einen Kriminaler Raub/Mord/Erpressung deutlich von einem Oberstudienrat Deutsch/Geschichte/Sozialkunde." (S.13).
Dass Jörg Maurer - er stammt aus Garmisch-Partenkirchen - nicht nur Alpenkrimis schreibt, - "Oberwasser" ist der vierte Alpenkrimi - sondern auch aktiver Kabarettist ist, schlägt sich naturgemäß auch in seinen Naturbeschreibungen nieder: "… das Wort malerisch klebte an Murnau wie feuchtes Gras am Schuh. … Selbst die Kühe waren hier nicht einfach bräunlich gefleckt, sondern mit dem Rotmarderpinsel Nr.4 orangeocker-indischgelb getupft. Der Himmel war pompejanischblau, das Ortsschild jaune brillant tief bis zitonengelb…" (S.59). Oder: "Draußen zwitscherten die Vögelchen, und als sie ebenfalls schwiegen, hörte man, wie sich der Efeu hochrankte." (S.105).
Kurz, es ist ein hervorragend geschriebenes, humorvolles und absolut lesenswertes Buch mit einem Regionalbezug, der einen irgendwie an etwas erinnert…
"Der Ort hat sich ganz schön verändert. Mit den Italienern (der Mafia) war es gemütlicher. - Trotzdem. Es ist unser Ort. Hier sind wir daheim." (S.338)
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