Eckart Koch: Internationale Wirtschaftsbeziehungen I und II

Ein strukturierter Blick auf die internationalen Wirtschaftsbeziehungen

Das Timing für die beiden umfassend überarbeiteten und aktualisierten Bände hätte nicht günstiger ausfallen können. Einerseits hat sich die Weltwirtschaft nicht nur rasant weiterentwickelt und Unternehmen sind immer schneller zum global player mit globalen Netzwerken geworden. Andererseits haben einige Länder massive protektionistische Maßnahmen ergriffen und die Krisenanfälligkeit der Systeme ist erheblich gestiegen, was die Währungs- und Finanzkrisen, die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine deutlich gemacht haben. Zudem wird derzeit der weltweite Austausch von technologischem Wissen durch die wachsenden Spannungen zwischen dem euroatlantischen westlichen und dem russisch-chinesischen Block stark gefährdet. Damit ändern sich die Rahmenbedingungen für die Akteure der internationalen Wirtschaftsbeziehungen laufend, die hierauf wiederum mit neuen Kooperationen und Strategien reagieren, um ihre ökonomischen Möglichkeiten zu erweitern und um die wirtschaftlichen Risiken zu begrenzen.

Für die Beobachter der internationalen Handels- und Finanzbeziehungen besteht in der Regel kein Mangel an entsprechenden Informationen oder auch an qualifizierter Berichterstattung. Das Problem – so der Verfasser in seinem Vorwort – besteht eher darin, „sich bei der Fülle und Vielfalt der Ereignisse und der ungeheuren Dynamik der Entwicklung einen Überblick zu verschaffen und gleichzeitig Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen“. Vor diesem Hintergrund geht es Eckart Koch, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Interkulturelles Management an der Hochschule München, mit beiden Büchern darum, einen Beitrag zur Strukturierung und Analyse der vielfältigen Beziehungen und Entwicklungen zu leisten, „um Bedeutungszusammenhänge sichtbar zu machen und zu erklären sowie aktuelle Daten und Informationen sinnvoll zuzuordnen.“

Der erste Band der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen befasst sich in zehn Kapiteln mit der Thematik der internationalen Handelsbeziehungen, d. h. mit der realen Seite der Globalisierung. Dabei geht es zuerst um die Entwicklung des Welthandels und des deutschen Außenhandels sowie um regionale Schwerpunkte des Welthandels, einschließlich der unterschiedlichen internationalen Integrationsformen und -wirkungen. Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den vielfältigen Gründen für Außenhandelsbeziehungen aber auch der Beurteilung der Vor- und Nachteile von Exporten und Importen sowie der dadurch entstehenden Überschüsse. Erscheinen die mit der Ausweitung des Freihandels einhergehenden Anpassungskosten zu hoch, kann es im Interesse von Staaten liegen, den freien Austausch von Handel und Dienstleistungen zum Schutz der eigenen Wirtschaft einzuschränken. Mit dieser Problematik befassen sich zwei weitere Kapitel. Zum einen werden die Auswirkungen der Zölle als (klassisches) Instrument der Protektion untersucht, zum anderen die handelsbeschränkenden Maßnahmen neuen Typs, die sog. nicht-tarifären Handelshemmnisse.

Danach werden vor allem die Möglichkeiten der direkten und indirekten Exportförderung sowie Instrumente der Exportbeschränkungen erörtert. Der abschließende Fokus liegt im Wesentlichen auf der internationalen Handels- und Wettbewerbspolitik. Hier geht es vor allem um die Rolle des GATT und der WTO sowie um die Wettbewerbsregeln für Unternehmen und Staaten. In diesem Kontext wird auch der Einfluss von Umwelt- und Sozialstandards untersucht. Mit einem Überblick über die Strukturen und Tendenzen der Entwicklungsländer im Welthandel sowie über die alternativen Entwicklungsstrategien und die handelspolitischen Vereinbarungen mit Entwicklungsländern wird der Band I abgerundet.

Der zweite Band der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen setzt sich in zwölf Kapiteln mit der monetären Seite der Globalisierung auseinander. Zuerst werden die Grundlagen der Zahlungsbilanz, d. h. der Spiegel der außenwirtschaftlichen Beziehungen, referiert und die Problematik eines außenwirtschaftlichen Ungleichgewichts anhand einer Fallstudie am Beispiel der USA näher aufgezeigt. Mit den Wechselkursen und dem Vergleich alternativer Wechselkurssysteme, einschließlich der Fallstudie über Argentinien, befasst sich ein weiterer Schwerpunkt. Zudem werden die Funktion des Bretton-Woods-Systems und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie die Bedeutung von Währungsreserven und der Sonderziehungsrechte behandelt. Der Zusammenbruch des weltweit festen Wechselkurssystems führte zu einer Neuordnung des internationalen Währungssystems. Diese sowie die Globalisierung der Finanzmärkte sind Gegenstand der drei weiteren Kapitel. Dabei wird u. a. auch auf die Ansätze einer Neuregulierung (Basel I und II) und auf die internationale Finanzkrise 2007/2008 sowie auf Kernelemente der neuen Finanzmarktregulierung (Basel III, Bankenunion und Einlagensicherung in der EU) eingegangen.

Mit der europäischen Währungszusammenarbeit, beginnend mit der Schaffung des Europäischen Wechselkursverbundes und der Entwicklung des Europäischen Währungssystems (EWS) über die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) bis hin zur Europäischen Zentralbank (EZB), befasst sich ein weiterer Schwerpunkt. In diesem Zusammenhang werden auch der Stabilitäts- und Wachstumspakt, die Folgen der währungspolitischen Integration und die Einführung des digitalen Zentralbankgelds (CBDC) thematisiert. Der abschließende Fokus richtet sich auf die Ursachen und Lösungsansätze der Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer sowie auf Regelungen, Probleme und Entwicklungen von grenzüberschreitenden Investitionen, also Direktinvestitionen (FDI), die einen wichtigen Teil der internationalen Finanzbeziehungen ausmachen. Der Verfasser weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch Deutschland seine Außenwirtschaftspolitik an die veränderte geopolitische Lage auszurichten beginnt und die Wirtschaftssicherheit verstärkt in den Mittelpunkt stellt.

In beiden Bänden ist es dem Autor sehr gut gelungen, die Fülle der Informationen zur komplexen Thematik der internationalen Wirtschaftsbeziehungen klar zu strukturieren, wesentliche Zusammenhänge aufzuzeigen sowie für alle an Wirtschaft und Politik Interessierten transparenter und damit auch besser beurteilbar zu machen. Dabei hat der Verfasser bewusst auf modelltheoretische Überlegungen, die zu Genüge in einschlägigen Lehrbüchern zur Außenwirtschaftstheorie und -politik vorzufinden sind, verzichtet und einer erklärend exemplarischen Darstellungsweise vor dem jeweiligen historischen Hintergrund den Vorzug gegeben. Der gut verständliche Text wird durch den Einsatz zahlreicher Tabellen, Schaubilder und Beispiele, welche die Aktualität der Thematik verdeutlichen, ergänzt. Eckart Koch ist neben seiner Hochschullehrertätigkeit als unabhängiger Gutachter und Berater für deutsche und internationale Organisationen, vorwiegend in Südostasien und Ostafrika tätig. Diese spezifische Expertise trägt zweifelsohne zum guten Gelingen des Werks bei.

Beide Bände eignen sich somit bestens zur ersten Orientierung und Einführung in die Thematik der internationalen Wirtschaftsbeziehungen für Studierende der Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an Hochschulen und weiteren Einrichtungen des tertiären Bildungsbereichs (etwa Berufs- und Fachakademien). Zudem kann es auch allen an weltwirtschaftlichen Fragen Interessierten zur Lektüre bzw. zum Nachschlagen sehr gut empfohlen werden.

Internationale Wirtschaftsbeziehungen I und II
Internationale Wirtschaftsbeziehungen I und II
Internationaler Handel zwischen Freihandel und Protektionismus / Das Weltfinanzsystem – Währungsordnungen, globale Finanzmärkte und Finanzkrisen
260 / 391 Seiten, broschiert

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