Über alle Kontinente hinweg
Eine wunderschöne Schmuckausgabe mit insgesamt zehn informativ gestalteten Extras legt der Coppenrath Verlag mit dieser neuen Ausgabe eines Klassikers vor. Die vorliegende Ausgabe von "In 80 Tagen um die Welt" ist so schön gestaltet, dass man sich gar nicht mehr aufraffen will, die Reise tatsächlich selbst zu unternehmen. Für alle Fälle ist aber auch eine auffaltbare Landkarte mit Reiseroute dabei.
Phileas Fogg, Mitglied des Londoner Reform-Clubs, ist ein vollendeter Gentleman und Junggeselle. Einzig das Whist-Spiel könnte man ihm als unchristliche Leidenschaft vorwerfen, aber da er ohnehin immer gegen sich selbst gewann, war auch das ein Laster ohne Folgen. "Das Spiel war für ihn ein Kampf, bei dem es Widrigkeiten zu überwinden galt, ohne sich bewegen zu müssen und ohne zu ermüden. Das passte zu seiner Wesensart", so der Erzähler. "Mit seiner Ruhe, seinem Phlegma, seinem klaren, offenen Blick, war er der typische korrekte Engländer, wie man ihn oft im Vereinigten Königreich antrifft. Die Malerin Angelica Kauffmann hat diesen Typus mit seiner etwas durchgeistigten Haltung meisterhaft auf der Leinwand festgehalten." Bei einem Disput mit seiner Reform-Club-Runde über das Schrumpfen der Erde und die Fluchtmöglichkeiten eines Bankräubers, der 55.000 Pfund erbeutete, versteigt sich ausgerechnet dieser bescheidene Gentleman, zu der Behauptung, dass man die Erde in achtzig Tagen umkreisen könne. Der Wetteinsatz: 20.000 Pfund. Gemeinsam mit seinem Diener Passepartout macht sich Phileas Fogg sogleich - am selben Tag - auf die wohl berühmteste Weltreise der Literatur. Auf seinen Fersen: Inspektor Fix, der glaubt, Fogg sei der Bankräuber, der sich aus dem Staube machen wolle.
20.000 Pfund Einsatz
Eine weitere weitaus hübschere Begleitung ereilt die beiden Weltreisenden in Gestalt von Mrs Aouda. Sie wird vom Scheiterhaufen gerettet, da sie gemeinsam mit ihrem verstorbenen Ehemann in Indien verbrannt werden sollte. Aber der englische Kolonialismus brachte nicht nur Segnungen, indem er diese Rituale verbot. In China waren es gerade die Kolonialherren, die das teuflischste Rauschgift, das Opium, verbreiteten, so lässt Jules Verne am 35. Tag in Hongkong seinen Passepartout berichten. Ein weiteres interessantes Detail ist das Kapitel über die Mormonen in den USA, die sich im 19. Jahrhundert aufgrund ihrer "Vielweiberei" unabhängig erklären wollten. Wie alle Städte in den USA würden auch in SLC/Utah die "düstere Tristesse der rechten Winkel" (Victor Hugo) vorherrschen. Aber immerhin halten die Brücken, denn am 66. Tag ihrer Reise kommt es mit dem Eisenbahnwaggon zu einem waghalsigen Manöver über eine Schlucht. Aber dann wartet schon ein Indianerüberfall als weitere Abwechslung für die ermüdeten Reisenden. Am Ende sieht es so aus, als hätte Phileas Fogg mit seiner Reise um die Erde zwar keinen Gewinn gemacht, dafür aber sein Glück, so eine der letzten Kapitelüberschriften. Das Ende des bekanntesten literarischen Wettlaufs wartet aber noch mit einer anderen Pointe auf, die hier nicht verraten wird.
Bibliophile Schmuckausgabe mit vielen Extras
Jules Vernes Klassiker der Weltliteratur ist in vorliegender einzigartiger Schmuckausgabe in einer ungekürzten modernen Übersetzung mit einem lesenswerten Nachwort ein nachhaltiges Lesevergnügen. Die zehn informativen und aufwendig gestalteten Extras (eine Weltkarte mit der Reiseroute von Phileas Fogg, spannende Informationen zum Zeitgeschehen, eine Whist-Spielanleitung und vieles mehr) in detailverliebter Gestaltung mit fantastischen Illustrationen sind Bibliophilie, wie man sie nur zu träumen wagte. Auch ein Quiz gibt es für Interessierte.
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