Kunst

Frida Kahlo und Nickolas Muray

Der bekannte Portrait-Fotograf Nickolas Muray hatte über zehn Jahre ein Liebesverhältnis mit der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo. In dieser Zeit sind zahlreiche Fotografien entstanden. Mit dem vorliegenden Werk hat Schirmer/Mosel seine bereits vorzügliche Frida Kahlo-Reihe um einen weiteren bemerkenswerten Band ergänzt. Neben prächtigen, bisher unveröffentlichten Fotografien enthält das Werk einen Essay mit Briefwechseln über das Verhältnis zwischen Muray und Kahlo.

Für Frida Kahlo war Nickolas Muray eine Affäre, denn von Diego Rivera hat sie sich nie wirklich abgewendet. Obwohl sie in ihren Briefen in überschwänglichem, ja schwärmerischem Ton schreibt, wird aus dem Zusammenhang, aus anderen Briefen und aus Bemerkungen, die sie immer wieder einfliessen lässt, deutlich, dass Diego Rivera ihre einzige Liebe von Dauer war. Salomon Grimberg zitiert hier Bertram Wolfe: "Frida hat sich keineswegs ständig neu verliebt, ihre Affären waren immer kurz und niemals tief. Keiner der Männer, mit denen sie herumflirtete, hat ihr auch nur annähernd so viel bedeutet wie Diego." In den zum Teil recht langen Briefen erfährt der Leser auch einiges über wichtige Stationen im Leben Frida Kahlos. So zum Beispiel über ihren Paris-Aufenthalt 1939. Ein kleiner Ausschnitt zeigt, wie wenig begeistert sie von Paris - respektive von den Künstlern, mit denen sie zu tun hatte - war: "Lieber hocke ich mich auf den Markt von Toluca und verkaufe Tortillas, als etwas mit diesen schäbigen Pariser "Künstlern" zu tun zu haben. Sie sitzen stundenlang in den "Cafés", wärmen ihre feinen Ärsche und quatschen ununterbrochen über "Kultur", "Kunst", "Revolution" und so weiter, uns so fort. Sie halten sich für Gott, phantasieren den aberwitzigsten Unsinn zusammen und verpesten die Luft mit immer neuen Theorien, die nie Wirklichkeit werden. Am nächsten Morgen haben sie nichts zu beissen im Haus, denn keiner von ihnen arbeitet. Stattdessen leben sie wie Parasiten von den ganzen reichen Schachteln, die ihr "künstlerisches Genie" bewundern. Abschaum sind sie, nichts als Abschaum."

Das Verhältnis zwischen Kahlo und Muray bestand nicht nur aus Liebe, sondern war auch das zwischen einem Fotografen und seinem Modell. Die meisten Bilder sind sorgfältig inszeniert und erinnern frappant an Kahlos Selbstportraits. Andere stellen offensichtlich Alltagszenen dar, zum Beispiel Kahlo rauchend und mit offenen Haaren. Dem Moment, in dem der Auslöser gedrückt wurde, war sich die Künstlerin stets bewusst. Ihr Blick ist fast immer in die Kamera gerichtet. Sie strahlt Überlegenheit, eine gewisse Strenge und etwas Geheimnisvolles aus, zusätzlich betont durch den Aufnahmewinkel, der meist von unten nach oben führt. Höhepunkte sind die prächtigen und überaus detailreichen Portraits in Farbe.

Ich werde Dich nie vergessen...
Salomon Grimberg
Nickolas Muray (Fotografie)

Ich werde Dich nie vergessen...


Frida Kahlo und Nickolas Muray - Unveröffentlichte Photographien und Briefe
Schirmer/Mosel 2004
117 Seiten, gebunden
EAN 978-3829601207

Der Erste Weltkrieg ganz nah

Die lebendigen Bilder geben einen viel unmittelbareren Eindruck vom Geschehen des Krieges, als es die üblichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen vermögen.

Lesen

Einsames New York

"New York 1978" zeigt Fotografie als Ausdrucksmittel für Stimmungen, Erzählungen und Bewegungen und eröffnet dem Betrachter einen ungewohnten und erfrischenden Blick auf die Grossstadt.

Lesen

Als Italien noch Italien war

Die vorliegende Publikation aus der Reihe "Earbooks" lässt einen beim Betrachten der Fotografien aus dem Leben der 50er und 60er Jahre in Rom auf zwei Audio-CDs dem kompletten Soundtrack des gleichnamigen Fellini-Films sowie einem Mix von 15 Liedern aus dieser blühenden Ära in Italien lauschen.

Lesen

architectura berliniensis

Der deutsche Fotograf Gerrit Engel verortet Geschichte mit seiner Kamera. Nachdem er 2006 Manhattans Stadtgeschichte anhand der historischen Gebäude nachgezeichnet hat, liegt nun ein Band mit Fotografien der Geschichte bildenden Berliner Architektur vor.

Lesen

Nickolas Murays fotografisches Werk

In Deutschland kaum bekannte Fotografien der Stars und Sternchen Amerikas aus den 1920er bis 1960er Jahren können in diesem außergewöhnlichen Fotoband über Nickolas Muray entdeckt werden.

Lesen

Beobachtungen einer Füchsin

Die amerikanische Fotografin Annie Leibovitz legt mit "Portraits 2005-2016" eine Bestandsaufnahme einer ganzen Ära vor. Einer Zeit, in der das Träumen von einer besseren Welt noch möglich war.

Lesen
Der Nasse Fisch
Africa
Es flüstern und sprechen die Blumen
Flash Gordon
Menschen des 20. Jahrhunderts
Time and Silence
Der frühe Dürer
Serge Gainsbourg
Nick Cave - Mercy on Me
One, Two, Three, Four, Ramones!
Batman. Der Dunkle Prinz
Caspar David Friedrich
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018