Eine Gesamtschau nachhaltiger Baupraxis
„Der Profit bleibt vorerst das Maß aller Dinge“, schreibt Philip Jodidio in Anlehnung an ein Zitat von Rachel Carson aus den Sechzigern. Schon damals, 1962, warnte die renommierte US-amerikanische Biologin und Wissenschaftsjournalistin, deren Hauptwerk Silent Spring als Gründungsmoment der US-amerikanischen Umweltbewegung bezeichnet wird, vor den Folgen der Industrie für unsere Natur. Ein raffgieriges Zeitalter brach an, das von der Industrie bis heute beherrscht wird, in dem das Recht, um jeden Preis Geld zu verdienen, selten angefochten wird, so Carson.
Nachhaltiges Leben im Einfamilienhausbereich
Damals lag die Weltbevölkerung noch bei 3,1 Milliarden Menschen, heute sind es bereits acht oder neun Milliarden. Die zeitgenössische Architektur trug dieser demografischen Explosion schon länger Rechnung als die Industrie. Denn nachhaltiges Wohnen – Sustainable Living – liegt seither voll im Trend. Gerade beim Bau von Einfamilienhäusern, was ja eigentlich ein Widerspruch in sich ist. Die in vorliegendem Band vorgestellten Projekte veranschaulichen, dass sich grünes Denken in der Architektur längst global verbreitet hat. Nachhaltigkeit meint dabei schon lange nicht mehr nur die Umweltbelastungen während des Gebäudebetriebes, sondern auch die ökologischen Kosten des Bauprozesses selbst. Denn Materialien wie Beton, Stahl und Dämmstoffe tragen erheblich zu den verkörperten Kohlenstoffemissionen und damit der klassischen Umweltverschmutzung bei. Laut der National Ready Mixed Corporation wird bei der Herstellung von jedem Pfund Beton 0,93 Pfund (0,42 kg) Kohlenmonoxid freigesetzt. In diesem Tempo produziere die Bauindustrie jährlich mehr als vier Milliarden Tonnen CO₂. Und das für eine stets noch wachsende Weltbevölkerung.
Zauberwort Bricolage
Aber entspannen Sie sich! Es gibt Lösungsvorschläge! Einige davon finden sich in vorliegender Publikation. Zumindest im Einfamilienhausbereich, wie der vorliegende Prachtband des Taschen-Verlages in großzügigen Bildern präsentiert, wird dies schon lange praktiziert. Bricolage heißt das Zauberwort und meint praktische Nützlichkeit statt komplexer Planungen, wie von Architekten in Indien und Japan schon lange verwirklicht. Die Häuser in vorliegendem Buch verdeutlichen eindrucksvoll, wie das Bewusstsein für die drängenden Klimaprobleme – zumindest bei Architekten – gewachsen ist und welch vielfältige Lösungsansätze Architekte weltweit entwickelt haben. Vor allem aber auch, wie viele Baumaterialien kreativ genutzt werden können. Denn Bricolage bedeutet auch, bereits Vorhandenes zu nutzen.
In 63 Kapiteln öffnet Sustainable Living die Fenster und Türen einzigartiger Wohnhäuser, deren Bauweise von den Herausforderungen und Möglichkeiten einer sich erwärmenden Erde mit endlichen Ressourcen inspiriert ist. Eine geradezu dokumentarische Gesamtschau nachhaltiger Baupraxis, in der Architekten – von Norman Foster bis zum Büro Snøhetta – ihre Strategien zum Schutz der Ökologie offenlegen und Wohnhäuser vorstellen, die darauf ausgerichtet sind, über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg den geringstmöglichen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Der ökologische Kreislauf beginnt nämlich bereits bei der Gewinnung der Materialien bis zu ihrer Rückführung in natürliche Kreisläufe. Energieeffiziente Gebäudehüllen, ressourcenschonende Konstruktionen, recycelte und biologisch abbaubare Materialien sowie Entwürfe, die auf Sonne, Wind und Regen reagieren, stehen dabei im Fokus.
Von Australien bis New Zealand
Die hochwertigen Fotografien, sachkundigen Kommentare und biografischen Porträts der beteiligten Architekten ergänzen die vorliegende Weltarchitektur-Dokumentation im prächtigen XL-Format. Kostengünstige Bambuskonstruktionen, die in Hanoi über das Hochwasser hinausragen; ein Wohnhaus aus lokal gewonnenem Fels und Schiefer, eingebettet in einen japanischen Wald; ein würfelförmiger Ziegelbau, der in der Hitze von Ahmedabad passive Kühlung ermöglicht; eine Notunterkunft, die in einem venezianischen Garten buchstäblich ausgerollt wird; sowie ein Passivhaus unter den Baumkronen Australiens. Autor Philip Jodidio studierte Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften in Harvard und war über zwei Jahrzehnte lang Chefredakteur der französischen Kunstzeitschrift Connaissance des Arts. Zu seinen Veröffentlichungen bei Taschen gehören die Reihe Homes for Our Time sowie Monografien über zahlreiche bedeutende Architekten, darunter Norman Foster, Tadao Ando, Renzo Piano, Jean Nouvel und Zaha Hadid. Im Anhang gibt es witzigerweise eine Liste mit „Architecture Contacts“. Wohl für diejenigen gedacht, die bald selbst ein solches Projekt verwirklichen wollen.
Ein Hoch auf die Moore
Geheimnisvoll, schaurig-schön, oft unzugänglich, ja furchterregend und gefährlich, aber auch landschaftlich faszinierend und ökologisch wertvoll – die Moore. Ihnen sich mit lyrischen Worten und in anregenden Bildern zu nähern, ist inspirierend und macht Lust zum Erwandern mit wachen Sinnen.
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