Wie Franz Beckenbauer mir einmal viel zu nahe kam

Höfliche Paparazzi - ein Widerspruch in sich?

Ende der Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt der Interneteuphorie, wurden unzählige Versuche gestartet, die Literatur netztauglich zu machen. Die meisten Projekte dieser Art führten zu überambitionierten Sites, die zwar von ihrer Idee interessant waren, aber was die Umsetzung betraf, sich als umständlich und unlesbar erwiesen.

Dieses Buch ist die Essenz eines solchen - allerdings gelungenen - Internetprojekts: www.hoeflichepaparazzi.de bildet das Forum für Geschichten über Prominentensichtungen. Wobei nicht unbedingt wichtig ist, wen man gesichtet hat, sondern wie. Und vor allem: Wie man darüber schreibt. Dieses Buch versammelt eine Auswahl der besten Geschichten. Oft sind es nur ganz kurze Begebenheiten, einige der Texte sind nicht einmal eine Seite lang. Ausnahmslos alle sind amüsant zu lesen auch wenn man die betreffende Prominenz nicht kennt. Eine der schönsten und kürzesten Geschichten ist diejenige über die aktuelle Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek: "Ich hatte keine Ambitionen, sie zu beobachten, wie erwähnt war ich sehr erfreulich begleitet. Doch als Jelinek ein Spiegelchen zur Hand nahm, um in ihrem Antlitz etwas Kosmetisches zu verrichten, blickte ich auf und sah das Rund ihres Spiegels: darin das Jelineksche Auge, einige Sekunden sah ich dieses Auge sehen; ein exzellentes Auge."

Wer sich an solch schlichten und komischen Beobachtungen erfreuen kann, wird hier fündig. Wer sich allerdings einen voyeuristischen Einblick in die "Welt der Stars" erhofft, wird bitter enttäuscht. Höflichkeit geht in diesem Buch vor Voyeurismus.

Wie Franz Beckenbauer mir einmal viel zu nahe kam
Wie Franz Beckenbauer mir einmal viel zu nahe kam
302 Seiten, gebunden
Eichborn 2004
EAN 978-3821855585

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