Gesundheit

Diese Suppe essen wir besser nicht

Der Großteil der Menschheit möchte alt werden, die wenigsten Erdenbürger jedoch alt sein. Genannte Plattheit hat gleichermaßen für bereits betagte Mitmenschen als auch für jene, denen die Reise dorthin hoffentlich noch bevor steht, durchaus ihre Gültigkeit. Der Grund der fehlenden Liebe zu genanntem Alter ist sicherlich nicht zuletzt darin zu suchen, dass es in besagter Lebensspanne vielfach an körperlichem Wohlbefinden mangelt. Leider! Um es an dieser Stelle einmal exkursmäßig anmerken zu dürfen: Das menschliche Leben scheint - sollte man den positiven Jenseitsdiskursen skeptisch gegenüber stehen - eher weniger günstig strukturiert zu sein. In jungen Jahren verfügt Mann (als auch Frau) über mehr oder weniger körperliche Kraft, gewisse Triebe sehnen sich - wiederholt erfolglos - sofortiger Befriedigung herbei. Alles schön und gut. Allerdings nähert sich in frühen Zeiten der irdischen Existenz das Wissen über die Welt im Allgemeinen und deren Sinn im Besonderen gegen Null, wozu das reifere Alter im Widerspruch zu stehen scheint: Spätestens mit Erreichen des Seniorenstadiums wünschen sich sehr viele die körperliche Jugend zurück - ohne jedoch das Gelernte und die Erfahrungen (soweit vorhanden) missen zu müssen. Die Natur sieht das leider anders, was an dieser Stelle jedoch nicht diskutiert gehört.

So kommen wir ganz plötzlich - ohne wesentliche Umwege zu gehen - schon direkt zum Thema: Gesundheit! Das ist DAS Zauberwort, was tagtäglich auf uns lastet, wie es ein riesiger Sack mit alten McDonald’s-Burgern nicht besser könnte. Selbst jenen mitlebenden 'Wohlstandsbürgern", die weiter täglich Massen an Pommes, Pizzen, Bratwürsten und antibiotikaverseuchtem, mit Tierqualgarantie produzierten Schweine- als auch Geflügelfleisch meinen verdrücken zu müssen, gelingt benanntes Verhalten offensichtlich nur mittels Freudscher Verdrängung der Inhaltsstoffe ihrer Speisen ins Unbewusste. Wie gelänge es heute auch schon, diesem Inhaltsimperialismus "Gesundheit" in den westlichen Gesellschaften bewusst aus dem Wege zu gehen? Wer weiss in diesen Tagen nicht, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren (warum heißen die eigentlich ungesättigt? Haben sie Hunger?) wichtig für die Vermeidung von Herz und Gefäßkrankheiten sind? Wem wäre entgangen, dass Cholesterin böse, böse ist oder Vitamine scheinbar eine erhebliche Relevanz für das Wohlbefinden aufweisen?

Da genanntes Mainstreamwissen - und noch viel mehr - (fast) allen Zeitgenossinnen sowie -genossen bekannt ist, so erst recht der Lebensmittelindustrie, konnte diese, man erlaube mir eine etwas derbere Wortwahl, profitgeile Mafia zur Kenntnis nehmen, dass a) die Menschen sich Sorgen um ihre Gesundheit machen, b) gewisse (Nähr-) Stoffe in der veröffentlichten Meinung gesundmachend sowie krankheitsvermeidend scheinen, c) der Punkt b den meisten humanoiden Zweibeinern nicht fremd ist, dann schlussfolgern Lebensmittelmafiosos daraus offensichtlich die Formel: "a+b+c=Gewinn". Gewinn in der Form von Geld in den Taschen benanntem unsittlichen Gewerbes, natürlich kein Gewinn für die Gesundheit der Bevölkerung!

In die Praxis umgesetzt hat die Nahrungsmittelindustrie diese Formel schon seit langem. Jenen Tatbestand hat glücklicherweise der Autor Hans-Ulrich Grimm in seinem aktuellen, 319 Seiten starken Buch "Vom Verzehr wird abgeraten" in interessanter Form offengelegt. Der weltweit größte Lebensmittelkonzern beispielsweise, die schweizerische Firma Nestlé ist gemeint, setzt die neuen Profitbestrebungen bereits fleißig um: "Die Chancen sind groß. Die Risiken sind groß. Und die Belohnung ist groß", (S. 14) weiß der Chef der Nestlé Health Science S.A. zu äußern. Dabei sind Risiken vor allem in Bezug auf die körperliche Unversehrtheit der Konsumenten nicht alleine besagten Konzerns zu sehen, wie der Autor eindrucksvoll zu beschreiben weiss. Die sogenannten Gesundheitsprodukte sind jedoch, wie Grimm detailliert ausführt, Gesundheitsschädigungsprodukte. Denn gerade jene unzähligen, mit künstlichen Vitaminen und anderen chemischen Zusatzstoffen aufgepeppten Industrieerzeugnisse beinhalten erhebliche Gefahren für die Konsumenten - nicht zuletzt für Kinder. Ein konkretes Beispiel: Das von dem niederländisch-britischen Konzern Unilever als gesundheitsfördernd, cholesterinsenkend und damit herzschützend beworbene "Becel pro.activ" wirkt genau entgegen den Anpreisungen - es werden nicht Herzinfarkte verhindert, sondern augenscheinlich gefördert. Die sogenannten Phytosterine führten dazu, "dass durch diese Nahrungszusätze das Risiko für Herzinfarkt sich verdreifacht …" (S. 26). Allerdings haben kritische Stimmen in der globalisierten kapitalistischen Gesellschaft eher wenige, eigentlich keine Chancen, sich bei der nach Gesundheit lechzenden Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. "Alleine die Werbeausgaben von Unilever in Deutschland sind mehr als doppelt so hoch wie der Gesamtetat des obersten deutschen Institutes für Risikobewertung mit seinen 750 Mitarbeitern. Speziell für die Zielgruppen beschäftigt Unilever mehrere PR-Agenturen, die die Redaktionen der "Freundin", der "Brigitte" und (viel erschreckender; d. V.) des "Ärzteblatts" mit Firmeninformationen füttern" (S. 30). Gesundheit, Prävention oder Medizin haben in der "modernen" kapitalistischen Gesellschaft eben keinen normativen Wert mehr, sondern sind - wie alles andere auch - den Interessen der Profitmaximierung unterworfen. In Deutschland könnte man jetzt sagen: Willkommen im Paradies der FDP!

Für den kritischen Konsumenten, folgt man Grimm, wäre es jedoch mehr oder weniger einfach, den üblen Machenschaften der Nestlés und Konsorten zu entgehen. Man sollte nämlich schlicht sämtliche Produkte der Lebensmittelindustrie, die chemische oder andere Zusätze beinhalten, vermeiden. All diese künstlichen Erzeugnisse, die Gesundheit versprechen, verhalten sich wohl wie Politiker: Sie sagen wissentlich die Unwahrheit! Dabei scheinen klassische Hinweise, welche natürlichen Lebensmittel gesundheitsfördernde Wirkungen haben, die entscheidenden zu sein. Knoblauch (als natürlicher Knoblauch, nicht die Kapseln der "Gesundheitsindustrie"), Seefisch (keine Aqualkulturprodukte mit einer Höchstdosis Antibiotika), wenig Salz, kein massenproduziertes Fleisch können zu positiven Effekten führen. Ein Professor Huber gibt aufschlussreiche Auskunft: "Was ich mache, um länger zu leben? Ich mach gar nichts. Außer wenig zu essen, Abendessen zu streichen, wenn ich kann. Wenig essen ist das einzige Mittel, das Leben zu verlängern" (S. 54).

Ein gravierendes Fazit kann gezogen werden: Die Lebensmittelindustrie sucht sich ihre Wege, sie findet sie, sie kennt das Umfeld. Sich lebenserhaltend, also gesund zu ernähren, fällt immer schwerer, da aufgrund des Arbeitsstresses und, seien wir ehrlich, unserer eigenen Bequemlichkeit viel zu oft zu Fertigprodukten mit ihren verheerenden Inhaltsstoffen gegriffen wird. Die Bratwurst in der Mittagspause tut apropos ihr übriges. Ein örtlich ansässiger Metzgermeister vertraute mir Unwissendem an, dass letztgenannte vielfach bis zu 50 Prozent aus reinem Fett bestünde: Bratwurst ist eine Form der Schweine- und Geflügelresteentsorgung - so werden die Kosten einer Sondermülldeponie gespart!

Zurück zur Industrie. Grimm schreibt: "Die Gesundheitsprodukte aus dem Supermarkt kommen aus einer anderen Welt. Die Nahrungsmittel werden in Fabriken hergestellt. … Ihre Rohstoffe sind isolierte Chemikalien, Wirkstoffe aus Labors, synthetisiert, in großtechnischem Stil hergestellt in glänzenden Produktionshallen, weltweit vermarktet" (S. 13). Dem 'gesunden' Menschenverstand müsste es eigentlich einleuchten: Dieses 'Futter' kann nicht gut sein - das Lesefutter ist es aber!

Vom Verzehr wird abgeraten
Hans-Ulrich Grimm

Vom Verzehr wird abgeraten


Wie uns die Industrie mit Gesundheitsnahrung krank macht
Droemer Knaur 2012
320 Seiten, broschiert
EAN 978-3426275566

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