Robert Ebner: Handelscontrolling

Handelscontrolling am Beispiel des Bekleidungseinzelhandels

Bei dem Buch von Robert Ebner, Unternehmensberater bei Consileon Business Consultancy, handelt es sich um eine in 2014 abgeschlossene Dissertation am Lehrstuhl für BWL insbes. Unternehmensführung & Controlling der Uni Bamberg. Die Arbeit befasst sich mit dem Themenfeld des wertschöpfungsorientierten Handelscontrollings, dargestellt am Beispiel des mittelständischen Bekleidungseinzelhandels (= mBEH). In dem untersuchten Wirtschaftssegment sehen sich Einzelhändler sowohl mit professionellen Lieferanten als auch mit Konkurrenten konfrontiert, die u. a. durch den Einsatz moderner Medien, durch hohe Angebotsvielfalt und durch ein bemerkenswertes Tempo im Marktzugang häufig einen Informationsvorsprung gegenüber dem Bekleidungseinzelhändler aufweisen. Vor dem Hintergrund dieses strukturellen Wandels widmet sich die Arbeit vor allem der Frage, wie das Controlling nicht nur den Fortbestand von Unternehmen sichern kann, sondern es dem mBEH gegebenenfalls in Zukunft ermöglicht, eine höhere Wertschöpfung zu erzielen und die Position gegenüber Lieferanten und Kunden zu stärken.

Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert:

Im Kapitel 1 werden insbesondere die Problemstellung sowie die Zielsetzung der Arbeit und die Forschungsmethodik beschrieben.

Innerhalb des Kapitels 2 werden die themenrelevanten Basisbegriffe Mittelstand und Bekleidungseinzelhandel abgegrenzt sowie vor allem dessen Besonderheiten (u. a. Saisonabhängigkeit, große zeitliche Distanz zwischen Warenbestellung und -verkauf, steigender Sortimentsumfang, Mode als schwer zu prognostizierende Trendvariable und starkes Machtungleichgewicht mit einer zunehmenden einseitigen Abhängigkeit des mBEH) aufgezeigt. Danach werden die grundlegenden Controlling-Ansätze referiert und der Vorteil der wertschöpfungsorientierten Konzeption (nach Becker), in der Controlling als integrative Teilfunktion der Unternehmensführung sowohl in der Führungs- als auch Ausführungsphase zugeordnet wird, herausgestellt. Mit diesem Konzept kann Controlling das initialisierende Anstoßen sowie das Ausrichten des Handelns von Betrieben auf den Zweck der Wertschöpfung sicherstellen.

- Im Kapitel 3 werden die auf seinen strukturellen, kulturellen und strategischen Besonderheiten basierenden Controlling-Defizite des Mittelstands erarbeitet und spezielle controllingrelevante Schwachstellen im Handel aufgezeigt. Abschließend werden die Anforderungen für die Ausgestaltung eines Handelscontrolling-Konzepts abgeleitet.

- Im Kapitel 4 wird die Vielzahl der in der Literatur existierenden Controlling-Konzeptionen für den Handel beschrieben und analysiert. Es zeigt sich, dass diese Konzeptionen stark auf der Informationsversorgungsfunktion basieren und nur stellenweise um die Koordinationsfunktion erweitert sind. Es wird jedoch auch ersichtlich, dass keine der untersuchten Konzeptionen die (im Kapitel 3) erarbeiteten Anforderungen erfüllt und deshalb eine wertschöpfungsorientierte Handelscontrolling-Konzeption unter Berücksichtigung der Besonderheiten des mittelständischen Handels zu entwickeln ist.

- Das Kapitel 5 dient der Erstellung und Ausgestaltung einer solchen Konzeption auf der Basis der theoretischen Analyse und der Auswertung einer selbst durchgeführten Online-Studie über den mBEH. Dabei wird auf die einzelnen Elemente, bestehend aus Controlling-Philosophie, Ziele, Aufgaben, Aufgabenträger, Instrumente und dem Prozessmanagement eingegangen. Es zeigt sich, dass sich die wertschöpfungsorientierte Controlling-Konzeption mit den Besonderheiten und Anforderungen im mBEH sehr gut verbinden und in einer wertschöpfungsorientierten Handelscontrolling-Konzeption vereinbaren lassen.

- Im Kapitel 6 wird der Status quo des Handelscontrollings im mBEH mit Hilfe von 14 Fallstudien untersucht.

- Das Kapitel 7 dient der Überprüfung der theoretisch erarbeiteten konzeptionellen Ergebnisse im Sinne der Vorgehensweise von Deduktion und Induktion.

- Die Arbeit schließt mit dem Kapitel 8 ab, in dem die entsprechenden Schlussfolgerungen gezogen werden. Ebner verweist u. a. darauf, dass im mBEH das Controlling von vielen Unternehmen nur mit Kontrolle sowie dem Erstellen von Auswertungen gleichgesetzt wird, obwohl die Sicherstellung der Wertschöpfung in der Theorie und Praxis eine wichtige Rolle einnimmt. Im Sinne der Sicherstellung des Wertschöpfungskreislaufes aus Erfolgspotenzialen, Erfolg und Liquidität ist deshalb ein Wandel zu einem wertschöpfungsorientierten Controlling-Verständnis nötig. Die Controlling-Aufgaben werden meist vom Geschäftsführer selbst wahrgenommen, da der mBEH im Bereich des Controllings über weniger Möglichkeiten als Großunternehmen verfügt, was auf Grund von mangelndem Fachwissen sowie fehlender Zeit zu Umsetzungsproblemen führt. Eine Ausweitung der Controlling-Aufgaben auf Abteilungs- und Teamleiter würden den Geschäftsführer entlasten und die Umsetzungsprobleme reduzieren. Bei fehlendem Controlling-Wissen innerhalb einer Unternehmung sollte generell die Alternative eines externen Controllings in Betracht gezogen werden.

Die aus der Gegenüberstellung von Theorie und Praxis gewonnen Erkenntnisse schaffen nicht nur einen Mehrwert für die einschlägige betriebswirtschaftliche Forschung, sondern auch für die Entscheidungsträger der betroffenen Unternehmen. Das Buch richtet sich an Lehrende und Studierende der Wirtschaftswissenschaften insbesondere mit den Schwerpunkten Unternehmensführung und Controlling sowie an Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen, vor allem im Bekleidungseinzelhandel. Diesen Adressaten kann die theoretisch fundierte Arbeit, welche sich auch durch einen starken Praxisbezug und konkrete Handlungsempfehlungen auszeichnet, empfohlen werden.

Handelscontrolling
Handelscontrolling
Eine wertschöpfungsorientierte Konzeption für den Bekleidungseinzelhandel
344 Seiten, broschiert
EAN 978-3658089917

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