Hal Foster’s Tarzan Tarzan, der Umweltaktivist
Tarzan of the Apes war der Titel der ersten Illustration, die die Geschichte eines Affenmenschen erzählte. Hal Foster legte 1929 – vor fast 100 Jahren – den Grundstein für das Genre Abenteuercomics, das heute unter dem Titel „Superhelden" firmiert und gleichzeitig an antike Mythen anknüpft.
Tarzan, der Affenmensch
Zwischen 1931 und 1937 entstanden insgesamt 292 ganzseitige, farbige Tarzan-Sonntagsseiten, die die Wahrnehmung der Figur „Tarzan" bis heute prägen. Der vorliegende Band versammelt sämtliche Originalzeitungscomics im farbenprächtigen XXL-Format, eine noch nie dagewesene vollständige Repräsentation des wohl berühmtesten Affenmenschen. Die damals schon sehr beliebte Sonntagsikone machte aber auch seinen Zeichner, der später auch den Prinzen Eisenherz erschuf, weltberühmt. Hal Foster begann 1928 als Werbegrafiker und kreierte auf Grundlage von Edgar Rice Burroughs' Roman Tarzan of the Apes einen 60-teiligen schwarz-weißen Zeitungscomic, damals wie heute eine einmalige Sensation. Zuerst wurden seine Strips allerdings von keiner amerikanischen Zeitung veröffentlicht. Deswegen feierte der König des Dschungels vorerst in England Premiere und fand auch dort großen Anklang. Erst 1931, als es in der Weltwirtschaftskrise darum ging, das Überleben seiner Familie zu sichern, willigte Hal Foster endlich ein, Tarzan als farbigen, ganzseitigen Sonntagscomic auch für die USA zu gestalten. Den äußerst schlecht bezahlten Job bezeichnete Foster als „ein Linsengericht". Für seinen Nachfolger Burne Hogarth war Tarzan wohl schon weit lukrativer, aber Hal Foster hatte mit seinem Prinzen ohnehin alle Hände voll zu tun.
Tarzan, der Naturliebhaber
Im prüden Amerika erregte vor allem die Nacktheit Tarzans Aufsehen. Aber auch in der Bundesrepublik wurde Tarzan noch 1954 von der neugegründeten Bundesprüfstelle als „jugendgefährdendes Werk" eingestuft. Tarzan, der von einem Lord abstammte, verzichtete aber auch später vorerst auf seine Jane, Besitz und Namen. Er ist das fehlende Glied zwischen Natur und Kultur und als solches das Leben in Freiheit gewohnt. „Ich wurde im Dschungel geboren. Meine Mutter war eine Äffin, wer mein Vater war, habe ich nie erfahren." Tarzans Kulturverzicht ist nicht nur eine Entsagung an die Liebe einer Frau, die den Reichtum dem Leben in der Natur vorzieht, sondern auch auf die vermeintlichen Errungenschaften der Zivilisation an sich. Denn nichts kann ihm so viel Glück bieten, wie das Leben bei seinen Affen. Der Name Tarzan bedeutet in der von Burroughs kreierten Affensprache übrigens „weiße Haut" und spielt genau auf seine Herkunft an. Die Abenteuer mit alten Ägyptern, modernen Kriminellen, Wikingern, Dinosauriern, Killeräffchen und einer Reihe provokanter Königinnen und Prinzessinnen waren so faszinierend, dass der Strip 1937 von Burne Hogarth sogar noch fortgeführt wurde.
Tarzan im XXL-Format
Für die vorliegende XXL-Ausgabe des Taschen-Verlages wurden die Comics aus den Originalzeitungen reproduziert und die Farben sowie die charakteristische Ben-Day-Rasterung klassischer Comics beibehalten. Die Herausgeberin und Autorin Dian Hanson hat bei Taschen bereits über 50 Bücher veröffentlicht. Neben Hal Fosters Tarzan gehören zu ihren jüngsten Titeln ARNOLD, The Art of Pin-up, Masterpieces of Fantasy Art und The Fantastic Worlds of Frank Frazetta. Die vorliegende Ausgabe erscheint in einer mehrsprachigen Ausgabe (Deutsch, Englisch, Französisch). Faksimiles des Originals sind selbstverständlich in Englisch.
Alle Rezensionen von Juergen Weber