Hal Foster Sonderband

Von Prince Valiant zu Waldemar

Einen ganz besonderen Leckerbissen für Hal-Foster-Fans bietet der hier vorliegende Sonderband des Bocola Verlages, der ganz dem Prinzen Eisenherz, seinem Hauptwerk, gewidmet ist. Aber auch Das Lied von Bernadette und Die Abenteuer zweier Ritterknaben werden erstmals einem größeren Leserkreis erschlossen.

Im deutschsprachigen Raum führen die Wege des Prinzen tatsächlich nach Wien, einmal in die Welt, und wieder zurück nach Wien. Denn die erste deutschsprachige Veröffentlichung erfolgte in der Wiener Kinderzeitung Der Papagei zwischen Mai und November 1939. Es handelte sich dabei um die Sonntagsseiten S. 79–92 der amerikanischen Originalausgabe, also die Episoden, in denen Prinz Eisenherz mit Prinz Arn um die wunderschöne Ilene rittern, aber auch wie Eisenherz das Singende Schwert von der Hexe Horrit erklärt bekommt.

Die Übersetzung hat allerdings einen wesentlichen Schönheitsfehler: Beinahe alle Namen wurden umgestellt und Prinz Eisenherz kurzerhand zu Waldemar. Auch inhaltlich wurde einiges verändert, was zu kruden Kürzungen führte. So wurde Ilene zu Eisenherz' Schwester gemacht, was viele Betrachter der Bilder der Episode in unstimmiger Ratlosigkeit zurückließ. Ob die Konfliktminimierung als Motiv dahintersteckte oder religiöse oder sogar völkische (1939!) Vorstellungen dahintersteckten, weiß auch Uwe Baumann nicht restlos zu klären. Namensumbenennungen seien am deutschen Comicmarkt damals allerdings üblich gewesen, schreibt Baumann; so hätte auch Asterix und Obelix ursprünglich Siggi und Babarras heißen sollen. Wer's nicht glaubt, kann sich im vorliegenden Band selbst überzeugen, welche Verirrungen durch die Umstellungen entstanden, denn Prinz Waldemar ist hier in wunderbarer Qualität abgedruckt, ebenso wie die vielen Grußkarten und anderen Illustrationen. Der Wiener Pollischansky Verlag publizierte ab 1970 die ersten Bände von Prinz Eisenherz in Farbe, dann folgte der Carlsen Verlag, und heute setzt Bocola die Reihe auch mit anderen Zeichnern in einer wunderschönen, großangelegten Gesamtausgabe fort. Die Hardcover-Bände – die im Vergleich zu anderen Verlagen gleich zwei Bände voller Abenteuer beinhalten – stellen sicherlich alles Bisherige in den Schatten. Der nächste Prinz Eisenherz-Band #28 wird im ersten Halbjahr 2027 erscheinen. Bis dahin kann man sich aber mit dem vorliegenden Hal-Foster-Sonderband trösten.

Prinz Eisenherz im Spiegel der Zeit

Zu Das Lied von Bernadette (1943) gibt es eine ebenfalls sehr interessante Einführung durch denselben Uwe Baumann, der die Hintergründe der Geschichte beleuchtet; zudem ist natürlich die Geschichte selbst im vorliegenden Band in voller Länge abgedruckt, ebenso wie Die Abenteuer zweier Ritterknaben. Dass Hal Foster über einen beneidenswerten Humor verfügte, erzählen nicht nur seine Geschichten, sondern auch viele Illustrationen und Weihnachtskarten. „Those darned ecologists have gone too far", lässt er einen sich durch das Dickicht kämpfenden Weihnachtsmann sagen. Oder eine andere Abbildung, die den Prinzen zeigt, wie er mit einem Drachen ringt, und darunter steht: „It is not true that Prince Valiant wins them all".

Das letzte Kapitel ist den Publikationen des Hastings-House-Verlages gewidmet. Die Cover seiner Prinz Eisenherz-Exemplare sind auf einer Doppelseite jeweils in Farbe abgedruckt und mit Kommentaren ergänzt. So erfahren wir nicht nur einiges über die Reisen des Prinzen bis in die Neue Welt, sondern auch, was damals über ihn geschrieben wurde. Zeitgenössische Kritiken sowie Kommentare bestätigen die Einzigartigkeit und Detailgenauigkeit des Werkes von Hal Foster, der mit Tarzan seine Karriere begonnen hatte, aber mit Prinz Eisenherz zum König der Illustratoren aufstieg. Als Hal Foster seine Zeichenarbeit an der Serie im Alter von 78 Jahren an John Cullen Murphy übergab, hatte er 1.788 Seiten Prinz Eisenherz gezeichnet. Von 1971 bis 1979 erstellte Foster auch noch die Vorschlagsskizzen und schrieb die Storys. Ein Leben für den Prinzen.

Der vorliegende Band präsentiert auf 152 Seiten in acht Kapiteln eher unbekanntere Teile seines Werks in restaurierter Version, darunter Die Abenteuer zweier Ritterknaben, Prinz Waldemar (Prinz Eisenherz 1939, aus einer Kinderzeitung), diverse Illustrationen, Das Lied von Bernadette, die Weihnachtsgeschichte, die NCS-Cartoons, die Weihnachtskarten der Familie Foster sowie Illustrationen für die Buchreihe Prince Valiant im Verlag Hastings House (1951–1960).

Hal Foster Sonderband
Harold R. Foster (Illustration)
Uwe Baumann (Übersetzung)
Claudia Wich-Reif (Übersetzung)
Hal Foster Sonderband
152 Seiten, gebunden
Originalsprache: Englisch
Bocola 2026
EAN 978-3939625902

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