Architektur

Gunnar Asplund: vollendete skandinavische Baukunst

"Asplund ist ein Zauberer, der den Träumen Gestalt gibt und das Reale phantastisch macht." schreibt Steen Eiler Rasmussen in seinem Buch "Nordische Baukunst" aus dem Jahre 1940. Wie sieht das architektonische Werk von Gunnar Asplund (1885-1940) aus und worin liegt die Faszination für seine Bauten, die bis heute ununterbrochen auf uns wirkt?

Die Architektur von Erik Gunnar Asplund lässt sich nicht auf einen stilistischen Nenner kürzen. Je nach Betrachtungswinkel entdeckt man in ihm einen Nationalromantiker, einen Neoklassizisten oder einen Funktionalisten. Doch all diese Begriffe, auf Asplund angewandt, greifen zu kurz und haben nur eine bedingte Gültigkeit. Alvar Aalto schreibt in "Arkkitehti / E.G. Asplund in Memoriam" 1940: "Like many of those colleagues who shared his goals, he strove to create harmony in his work, to tie together the threads of a living future with those of a living past. In the creation of forms, pastiche and copying were as alien to him as rootless technocratic constructivism."

Gunnar Asplunds architektonisches Werk zeichnet sich durch verschiedene Entwicklungsphasen aus, die fast nahtlos ineinander greifen. In chronologischer Reihenfolge unternimmt Peter Blundell Jones eine Reise durch Asplunds architektonische Welt. Der Einstieg erfolgt über eine kurze biografische Einleitung inklusive der Schilderung der damaligen Zeitumstände. Die ersten Bauten des Architekten entstehen um 1907 und stehen in der Zeit der Romantik, die Gestalt wird mit Empirie gemischt. Das Haus Snellman aus dem Jahre 1917, eine Villa für einen Bankmanager, transportiert nicht das Bild einer herkömmlichen Villa. Beispielsweise sind die Fenster in der Fassade leicht aus dem Rhythmus geschoben um nur eine der vielen Facetten zu beschreiben. Die Stockholmer Stadtbibliothek von 1926-28 atmet den Geist eines modernen Klassizismus. Auf die monumentale Bibliothek folgen die leichten Bauten für die Stockholmer Ausstellung von 1930. Diese Gebäude ebnen den Weg für den International Style in Schweden, sind also dem Funktionalismus nahe, jedoch nicht in der Strenge des Bauhauses. Der aufgezeigte Weg führt weiter über zahlreiche weitere gebaute Projekte und findet seinen Abschluss im Stockholmer Waldfriedhof von 1930-1940. Abgerundet wird die Reise mit einem Essay, der den Einfluss von Gunnar Asplund auf Alvar Aalto und die skandinavische Moderne beschreibt. Dies sind nur einige Ankerpunkte auf der Reise durch Asplunds Werk.

Die vorliegende Monografie erzählt die facettenreiche Arbeit des schwedischen Architekten auf eindrückliche Art und Weise. Den verschiedenen Werkphasen sind einzelne Kapitel gewidmet, die in ihrer Gesamtheit einen vertieften Einblick in das architektonische Schaffen von Gunnar Asplund erlauben. Die meist gebauten Projekte sind mit zahlreichen farbigen Abbildungen von hoher Qualität versehen. Die erläuternden Textpassagen von Peter Blundell Jones lesen sich interessant und erklären zahlreiche Aspekte in Asplunds Werk. Das dazugehörige Planmaterial in Form von Grundrissen, Schnitten oder auch Entwurfsskizzen unterstützen das Verständnis für die teilweise komplexen Entwürfe.

Wer sich für die skandinavische Baukunst, im Speziellen natürlich für Gunnar Asplund interessiert, findet mit dieser Publikation eine hervorragende Quelle, die umfassend informiert und ein kohärentes Bild des Architekten zeichnet. Selbst 67 Jahre nach seinem Tod vermögen seine Bauten uns noch immer zu faszinieren. Dieses Buch zeigt, warum das so ist.

Gunnar Asplund
Peter Blundell Jones

Gunnar Asplund


Phaidon 2006
240 Seiten, gebunden
EAN 978-0714839769

Alles über Egon Schiele

Ein gewaltiger Überblick über das Jahrhundertgenie, dessen Todesjahr 2018 zum 100. Mal begangen wird. Egon Schiele in sieben Aufsätzen und 221 Gemälden und 146 Zeichnungen.

Lesen

Von der ersten Skizze bis zum konstruktiven Detail - eine fragile Ordnung

Ein umfangreicher und interessanter Einblick in die gedanklichen Pfade und den architektonischen Schaffensprozess Rolf Mühlethalers.

Lesen

20 Jahre Knapkiewicz & Fickert

Diese gut konzipierte Publikation bringt einem die Arbeiten der Zürcher Architekten Kaschka Knapkiewicz und Axel Fickert nah. 20 Projekte seit 1992 werden detailliert vorgestellt und in Bezug zu historischen Vorbildern gesetzt.

Lesen

Funktion und Fantasie

Die Bauten von Sauerbruch Hutton sind nicht dezent und unauffällig. Das Gegenteil ist der Fall. Die vorliegende Publikation gibt einen Einblick in das Architekturverständnis des Teams.

Lesen

Die Visionen des Frank Lloyd Wright

Der Taschen-Verlag beginnt mit einem atemberaubenden Prachtfolianten eine Gesamtschau aller rund 1.100 Entwürfe des Stararchitekten Frank Lloyd Wright. Der erste von drei Bänden zeigt bisher unveröffentlichte Entwürfe und präsentiert Wright als kreativen Visionär. Ein gewichtiger, ein toller Band!

Lesen

Alles, was man erfindet, ist wahr

Eine gelungene und umfassende Werkschau des Zürcher Architekten Peter Märkli. Es ist ein grosser Genuss zwischen den ersten - fast schon naiven - Projektskizzen und den Fotografien der gebauten Gestalt zu schwelgen.

Lesen
The Stones of Fernand Pouillon
Umbau des Hospizes auf dem Gotthardpass durch Miller & Maranta
Rudolf Schwarz and the Monumental Order of Things
Rolf Mühlethaler - Fragile Ordnung
Palladianismus
Staufer & Hasler Architekten
Das architektonische Argument
Knapkiewicz & Fickert
Josef Plečnik Zacherlhaus
Märkli
Assemble
Haefeli Moser Steiger
by rezensionen.ch - 2001 bis 2017