Michael von Hauff: Grundwissen Circular Economy

Circular Economy als nachhaltiges Wirtschaftsmodell

Das Konzept des ökologischen Fußabdrucks zeigt, dass insbesondere in den Industrieländern die Menschheit mit dem Verbrauch natürlicher Ressourcen die ökologische Kapazität der Erde schon langfristig übernutzt. Während jedes Jahr nahezu die 1,7fache Menge der zur Verfügung stehenden Ressourcen, welche der Planet Erde innerhalb eines Jahres generieren kann, verbraucht werden, hat Deutschland einen fast doppelt so hohen Verbrauch. Dementsprechend war – nach Berechnungen der Organisation "Global Footprint Network" – der "Earth Overshoot Day" 2023 für Deutschland schon am 4. Mai. Somit besteht kein Zweifel, dass die noch immer dominierende "Linear- und Wegwerfwirtschaft" mit der Produktions- und Konsumlogik des "take, make, waste" sowie dem damit verbundenen steigenden Ressourcenverbrauch und vermehrten Abfall überwunden werden muss.

Angesichts der Anforderungen der nachhaltigen Entwicklung gilt die "Circular Economy" (CE) als geeignetes künftiges Wirtschaftsmodell. Im Unterschied zu dem in Deutschland im Zusammenhang mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz noch weit verbreiteten und populären Begriff der "Kreislaufwirtschaft" ist die CE deutlich breiter angelegt und versteht sich eher als ein "umbrella concept". "Im Prinzip kann man hier von einem holistischen Ansatz sprechen: Es geht darum, auf der Grundlage der planetaren Grenzen ein regeneratives System anzustreben bzw. umzusetzen. In diesem Verständnis werden der Ressourceneinsatz und die Abfallproduktion, Emissionen und der Energieverbrauch durch Verlangsamung, Verringerung und Schließung von Energie- und Materialkreisläufen minimiert."

In den ersten Kapiteln des Bandes werden die theoretischen und konzeptionellen Grundlagen der CE erörtert. Dabei geht es zum einen um die Bedeutung der CE im Kontext des Transformationsprozesses zu einer nachhaltigen Entwicklung und zum anderen um die theoretische Begründung der CE. "Lange Zeit stand die einzelwirtschaftlich ausgerichtete Ökoeffizienz bei der Einsparung von Ressourcen und Energie im Mittelpunkt. Das Konzept der Circular Economy hat jedoch inhaltlich eine viel größere Nähe zur Ökoeffektivität." Deshalb ist man in der EU und entsprechend auch in Deutschland in zunehmendem Maße um eine Strategie der CE bemüht, die in einem weiteren Kapitel vorgestellt wird. Da noch keine konsistente und übergreifende Strategie existiert, wird anhand von sektoralen Beispielen in Deutschland die Wiedergewinnung von Rohstoffen, etwa mittels Recycling von Bauabfällen, Plastik und Photovoltaik-Panels, aufgezeigt. Im Gegensatz zu den Industriestaaten, in denen eine Entwicklung in Richtung einer CE festgestellt werden kann, gibt es in den Ländern des Globalen Südens häufig nur rudimentäre Ansätze. "Daher sind Industrieländer – auch im Eigeninteresse – aufgefordert, Entwicklungsländer bei dem Auf- und Ausbau einer Abfallinfrastruktur und einer Circular Economy-Industrie zu unterstützen." Anhand der Stadt Marrakesch wird eine Bewertungsmethode für die Entwicklung von Abfallbewirtschaftungssystemen und damit ein erfreuliches Beispiel dafür vorgestellt, dass auch in Entwicklungs- und Schwellenländern bereits einige CE-Ansätze in Angriff genommen worden sind.

Es gibt unterschiedliche Denkschulen bzw. Herangehensweisen zur Umsetzung der CE, mit denen sich ein eigenes Kapitel befasst. Der Cradle-to-Cradle-Ansatz geht von der Vision geschlossener ökologischer und technischer Kreisläufe aus, hingegen werden beim Konzept der Blue Economy Unternehmen aufgefordert, ökologische Prinzipien befolgende Herstellungsverfahren für Produkte zu entwickeln. Zudem wird noch kurz auf die Performance Economy eingegangen. Im Mittelpunkt der beiden weiteren Kapitel stehen einerseits die Maßnahmen zur Umsetzung der CE. Dabei werden strukturelle, ordnungspolitische, ökonomische und kommunikative Maßnahmen unterschieden und die Relevanz der Digitalisierung für die CE unterstrichen. Andererseits werden wichtige Hemmnisse und Grenzen der CE thematisiert. Das letzte Kapitel fasst die wichtigsten Schlussfolgerungen zusammen, identifiziert den weiteren Bedarf an interdisziplinärer Forschung und postuliert Forderungen an Politik und Gesellschaft. "Perspektivisch ist es im Sinne nachhaltiger Entwicklung unumgänglich, ein internationales Abkommen zum Schutz der natürlichen Ressourcen zu vereinbaren, wonach faire Bedingungen der Gewinnung von Rohstoffen festgelegt werden. Weiterhin sollten gemeinsame Ziele zum Aufbau einer globalen Circular Economy vereinbart werden."

Michael von Hauff, em. Professor für Volkswirtschaftslehre an der TU Kaiserslautern, wurde schon vor Jahren mit dem B.A.U.M. Umweltpreis "für langjährige hervorragende wissenschaftliche Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung" ausgezeichnet. Mit dem vorliegenden Band, der sich vor allem an Studierende der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie der Studiengänge, die das Themenfeld Nachhaltigkeit beinhalten, richtet, ist dem Verfasser eine komprimierte und dennoch fundierte sowie verständliche Einführung in das Konzept der CE bestens gelungen.

Grundwissen Circular Economy
Grundwissen Circular Economy
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168 Seiten, broschiert
UTB 2024
EAN 978-3825262556

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