Giacometti Giacomettis "magisches Paralleluniversum"
Aus dem schweizerischer Bergell machte sich Alberto Giacometti (1901-1966) mit 18 Jahren in die Welt auf und ließ sich in Paris nieder. Das Paris der Zwischenkriegszeit, das zum Anziehungspunkt einer internationalen Avantgarde geworden war. Auch Giacometti gilt als Pionier der Moderne und hat mit seinem Werk wesentliche Aspekte mitgestaltet - vor allem als Bildhauer, aber später auch als Maler.
Die Moderne als Miniatur und Monument
Als Sohn des postimpressionistischen Malers Giovanni Giacometti verließ der junge Alberto seine Heimat und erlangte schnell Anerkennung im Kreis der Surrealisten und bei einflussreichen privaten Auftraggebern. Unmittelbar nach dem Krieg begann er sich für die existenzialistische Ideenwelt zu interessieren und schuf seine stabdünnen menschlichen Figuren, die ihn ob ihres großen Wiedererkennungswerts bald weltberühmt machten. "Giacometti – Die Gestalt als Herausforderung" zeigt nicht nur das Werk des Künstlers durch einen kompakten, detaillierten und reich bebilderten Einblick, sondern auch sein Leben. Véronique Wiesinger beschreibt Giacometti in all seiner Widersprüchlichkeit und begibt sich auf die Spur seines avantgardistischen, seriellen Schaffens, das aus dem künstlerischen Prinzip der nie zu erreichenden Vollendung erwachsen sei, so die Autorin. Im umfangreichen Anhang kommen Giacometti selbst in Briefen, Schriften und Gesprächen zu Wort, dazu Kritiker und Schriftsteller wie Michel Leiris, Jean-Paul Sartre, Herta Wescher, André Breton, Jean Genet und andere. "Giacometti – Die Gestalt als Herausforderung" gilt als einzige derzeit erhältliche Monographie zum Werk des in der Schweiz geborenen Künstlers, worauf der Verlag gerne hinweist.
Giacomettis Werk: voller Risiken und Gefahren
Die vorliegende Monographie zeichnet sich durch eine Vielzahl von Abbildungen der Werke und auch Fotos seiner Zeitgenossen aus. Die Stationen seines Lebens werden in Kapitel "In der Zeit des Surrealismus", "Ein Künstler, den man nicht einordnen kann" und "Unendliche Suche" strukturiert. Gerade in seinen letzten Werken hatte sich Giacometti auch der Miniatur gewidmet, die seiner Ansicht nach genauso alles enthalte wie übergroße Skulpturen, die auch nur aus großer Entfernung als solche zu erkennen wären. Seine Recherchen zur Dimension und zum Maßstab ließen ihn sowohl Exemplare in Überlebensgröße wie in Miniatur schaffen. Für den Bildhauer Giacometti war die Frage der Monumentalität nicht eine der Größe. "Giacometti schuf eine in sich kohärente Welt", schreibt die Biographin, "die in mehreren Größenmaßstäben existiert, ein magisches Paralleluniversum voller wunderbarer und erschreckender Abenteuer: Wer sie betritt, trifft auf sich selbst, mit allen damit verbundenen Risiken und Gefahren."
Alle Rezensionen von Juergen Weber