Klassiker kompakt
Die Auseinandersetzung mit Klassikern gehört zu den Grundlagen eines wissenschaftlichen Faches. Da es ein wohl unmögliches Unterfangen ist, sämtliche Schriften dieser grossen Denker selber zu studieren, ist der Interessierte auf Arbeiten angewiesen, die sich eingehend mit dem Werk eines Klassikers befasst haben und dessen wesentliche Beiträge zu einem Fach auf den Punkt bringen. Solche Zusammenfassungen, Beurteilungen oder Analysen können ebenfalls dicke Bücher werden, es ist aber auch möglich, in recht kurzen Texten die wichtigen Elemente des Werkes zu vereinigen, selbstverständlich mit der Inkaufnahme des Verlustes der ursprünglichen Differenziertheit. So kann die Leserin, der Leser ohne viel Zeitaufwand einiges über die Denkweise, Hauptgebiete, Forschungsprobleme und deren Lösungsansätze der Grössen eines Faches erfahren. Mit den beiden Bänden, Klassiker der Soziologie, hat Dirk Kaesler eine solche Sammlung kurzer Texte herausgegeben. Die meisten Autoren der Beiträge sind Soziologieprofessoren und selber zum Teil nicht unbekannt (z.B. Ralf Dahrendorf, Lewis A. Coser oder Hans Joas). Sie stellen auf jeweils etwa 15 bis 25 Seiten das Leben und Werk eines Klassikers vor. Der Auftrag an die Autoren - in den Worten Kaeslers - war: "..., im Stil einer "dichten Beschreibung" (Clifford Geertz) in das jeweilige Leben und Werk des soziologischen Klassikers einzuführen, dessen zentralen Argumentationslinien, seine Intentionen und seine Wirkungsgeschichte transparent zu machen. Es sollte vor allem deutlich werden, welcher Enstehungskontext für das Gesamtwerk relevant war und für welchen Typus von Soziologie es repräsentativ wurde." (Vorwort Band 1, Seite 7) Man kann sagen, die Autoren haben sich an diese Vorgaben gehalten. Besonders geschätzt habe ich an den Beiträgen, dass, wie es Kaesler sagt, Wert auf den Entstehungskontext des jeweiligen Schaffens gelegt wurde. Die Soziologie ist ja bekanntlich keine Wissenschaft, die in einem geschützten Labor ihr Wissenspotential immer weiter vergrössern kann, indem sie auf den Erkenntnissen der Vordenker aufbaut. Die Themen und der Nutzen der Soziologie steht immer in unmittelbarem Zusammenhang mit der jeweiligen gesellschaftlichen Situation. So ist auch ein Klassiker nicht von seinem Lebensumfeld unabhängig. Das Werk eines Klassikers hat aber Relevanz für die damalige, die heutige und die (vorstellbar) zukünftige wissenschaftliche Soziologie, so Kaesler. Will man sich über das Werk der grossen Denker der Soziologie und deren Relevanz für heute informieren, ist man mit diesen beiden Bänden bestens bedient. Hätte der Herausgeber sich ausserdem noch die Mühe gemacht, ein Sachregister mit den wichtigsten soziologischen Themen und Begriffen zu erstellen, damit zum Beispiel der Student auf der Suche nach den Gedanken eines Klassikers zu einem bestimmten Gebiet schnell fündig wird, wäre der Wert zusätzlich vergrössert worden.
Klassiker der SoziologieZahlen zur Schweiz
Jährlich seit 1891 erscheint dieses Standardwerk zur Statistik der Schweiz. Es liefert Zahlen zu fast jedem erdenklichen Bereich. Aufgrund des erläuternden Textes und einiger vertiefender Spezialbeiträge ist das Werk aber nicht nur Zahlenlieferant, sondern ermöglicht auch die Information über grundlegende Themen der Schweiz. Die Kapitel und Spezialbeiträge: Bevölkerung Der spezielle Beitrag: Die räumliche Bevölkerungsdynamik der 90er Jahre Raum und Umwelt Arbeit und Erwerb Der spezielle Beitrag: Spitzenlöhne und Niedriglöhne: Entwicklung in den 90er Jahren Volkswirtschaft Der spezielle Beitrag: Die öffentliche Entwicklungshilfe Preise Der spezielle Beitrag: Die Entwicklung der Baupreise 1998-2002 Industrie und Dienstleistungen Der spezielle Beitrag: Kennzahlen wichtiger Wirtschaftszweige Land- und Forstwirtschaft Der spezielle Beitrag: Biologische Landwirtschaft Energie Bau- und Wohnungswesen Tourismus Der spezielle Beitrag: Reiseverhalten der Schweizer Verkehr und Nachrichtenwesen Der spezielle Beitrag: Mobilität in der Schweiz Geld, Banken, Versicherungen Soziale Sicherheit Gesundheit Bildung und Wissenschaft Der spezielle Beitrag: Computer und Internet im Bildungsbereich Kultur, Medien, Zeitverwendung Politik Der spezielle Beitrag: Das Parteiensystem der Schweiz im internationalen Vergleich Öffentliche Finanzen Rechtspflege Der spezielle Beitrag: Delinquenz im Strassenverkehr Einkommen und Lebensqualität Der spezielle Beitrag: Wohlstand und Wohlbefinden Die Kapitel sind wie folgt aufgebaut: Zuerst gibt ein allgemein gehaltener Teil die wichtigsten Ergebnisse wieder und ermöglicht so einen raschen Überblick. Dann folgt in gut der Hälfte der Kapitel ein spezieller Beitrag, der - je nach Aktualität - jedes Jahr wechseln kann. Anschliessend wird einiges zur Methodik der Erhebung gesagt und dabei auch auf Grenzen der Aussagefähigkeit hingewiesen. Schliesslich findet man im Glossar die wichtigsten Begriffe und kann in einem Referenzteil weiterführende Literatur und Auskunftspersonen nachschlagen. Der letzte Teil besteht dann aus dem eigentlichen Datenmaterial. Als Supplement findet der geneigte Leser seit 2002 eine CD-ROM mit umfangreichem Datenmaterial, das entweder in Excel- oder pdf-Dateien aufbereitet ist. (Einige Excel-Dateien bedürfen kleinerer Nachformatierungen, damit sie gut lesbar sind.) Seit diesem Jahr befindet sich auf der CD-ROM auch ein "Statistischer Atlas", ein interessantes Visualisierungswerkzeug, mit dem man sich zum Beispiel vor Augen führen kann, welche Partei wo in den letzten Jahren zugelegt bzw. Wählerstimmen verloren hat. Das Statistische Jahrbuch der Schweiz dürfte für verschiedenste Gruppierungen von Interesse sein: Der Wissenschaftler kann - allerdings nach erheblicher Nachbearbeitung und Hinzuziehung anderer Ausgaben - Analysen über mehrere Jahre vornehmen, der Journalist kann seine Artikel mit Zahlenmaterial anreichern und der Politiker seine Argumente mit "Fakten". Das Werk wird wohl weniger in der Bibliothek eines jeden interessierten Normalverbrauchers zu finden sein, denn dieser müsste dafür schon ein kleines Sümmchen opfern. Eine weniger handliche aber nützliche Alternative ist das Online-Angebot des Bundesamtes für Statistik:
Statistisches Jahrbuch der Schweiz 2003Für den vorlesungsmüden Studenten
Soziologie hat in den Augen der Öffentlichkeit ein diffuses Bild und wird oft mit einer politischen Anschauung verwechselt. Heute ist der Soziologe/die Soziologin in den Medien vielfach nur der Lieferant von Statistiken, der seine Zahlen, die ja doch meist schon zu Genüge erhoben wurden, präsentieren und bestenfalls noch erklären darf. Eine Funktion der Soziologie, zum Beispiel im Sinne eines Einflusses auf die Politik, wird kaum erkennbar. Was ist Soziologie? Womit beschäftigt sich ein Soziologe/eine Soziologin? Welchen Einfluss hat die Soziologie auf die Gesellschaft? Was unterscheidet die Sicht eines Soziologen/einer Soziologin von der Sicht eines gewöhnlichen Gesellschaftsmitglieds? Was nützt Soziologie? Solche Fragen gilt es zu beantworten, wenn polemische Aussagen, wie, die Soziologie sei tot und sei lediglich eine Modeerscheinung der 60er und 70er Jahre gewesen, im Raum stehen. Diese Fragen zu beantworten, ist wohl auch der mindeste Anspruch, den man an eine Einführung in die Soziologie stellen sollte, ob es ein Kurs, Seminar oder Buch ist. Das hier vorliegende Lehrbuch der Soziologie "soll ein Leitfaden des akademischen Unterrichts ebenso sein wie ein Kompendium soziologischen Wissens für Studenten, Praktiker und ein interessiertes gebildetes Publikum." Das Konzept orientiert sich an einem amerikanischen Vorbild und die Beiträge wurden von deutschen Vertretern des Fachs erstellt, wobei ihnen freigestellt war, wie viel sie von der amerikanischen Vorlage übernehmen wollten. Das Ergebnis ist ein über 600seitiges Buch, das eine erfreuliche und beispielhafte Erweiterung des deutschsprachigen Lehrbuchmarktes darstellt. Der Inhalt ist in fünf Teile gegliedert (Das Wissen von der Gesellschaft / Das Individuum und die Gesellschaft / Differenz und Ungleichheit / Gesellschaftliche Institutionen / Sozialer Wandel und Globalisierung), die wiederum in die wichtigsten Themen, wie zum Beispiel Methoden der Sozialforschung, Sozialisation, Geschlecht und Gesellschaft, Religion oder Umwelt unterteilt sind. Jedes Kapitel schliesst mit einer Zusammenfassung, Wiederholungsfragen, Übungsaufgaben und einem Glossar mit den wichtigsten Begriffen. Die Übungsaufgaben sind nicht einfach Abfragungen des Wissens, sondern Anregungen soziologische Fragen zu stellen und eigene Antworten zu finden. Die klare Aufteilung nach didaktischen Gesichtspunkten macht den Wert dieses Lehrbuches aus und erlaubt auch, das Werk ein Lehrbuch zu nennen. Das umfangreiche Stichwort- und Personenregister macht es ausserdem zu einem nützlichen Nachschlagewerk. Der ideale Ersatz für den vorlesungsmüden Studenten, der eine Einführung in die Soziologie wünscht.
Lehrbuch der SoziologieLesenswerte Einführung
Anton Amann hat mit diesem Buch einen sehr angenehm zu lesenden Überblick über das Fach Soziologie geschaffen. Es ist die klare und verhältnismässig einfache Sprache, die die Lektüre nicht zu anstrengender Arbeit, sondern zur Freude macht. Seine Ausführungen schaffen es stellenweise sogar zu fesseln, was man wahrlich nicht von jedem Buch mit wissenschaftlichem Inhalt sagen kann. Amann, der hiermit eine - aus einer an der Wiener Universität gehaltenen Vorlesung entstandene Arbeit - vorlegt, gibt dem Leser eine fundierte Einführung in die Soziologie. Der dreiteilige Untertitel, Theorien Geschichte Denkweisen, legt zuerst den Schluss nahe, eine der üblichen Einführungen vor sich zu haben, die nicht mehr zum Inhalt haben als die auf die Vergangenheit gerichtete Wiederkäuung der bekannten Theorien. Doch der Schein trügt. Amann erklärt im ersten Teil des Buches die Grundfragestellung der Soziologie, befasst sich mit der sehr wichtigen Frage der Aufgabe und Verantwortung (wichtig, weil es nach wie vor genügend Zweifler gibt, die die Daseinsberechtigung der Soziologie grundsätzlich in Frage stellen) und erläutert - von Fragestellungen, Grundideen, Konzepten und Theorien ausgehend und zugleich auch die Sozialgeschichte der Soziologie betrachtend - die Systemik der Soziologie. Im zweiten Teil legt er die der Soziologie eigene Denkweise dar, wobei er wiederum nicht Wert auf eine Geschichte der grossen Denker legt, sondern diese als Grundlage für seine Ausführungen nimmt. Die meisten Kapitel schliessen mit einem Exkurs. Hier geht der Autor vertiefter auf wichtige Themen der Soziologie (Arbeitsteilung, soziale Ungleichheit, Anomie und Kriminalität, Entfremdung, etc.) ein. Das erklärte Ziel Amanns, mit diesem Buch "ein Behelf, einen Weg durch die Theorien, die Geschichte und die Denkweisen zu zeigen und die weitere Beschäftigung mit dem Fach schmackhaft zu machen: jenen, die mit der Soziologie noch nicht vertraut sind, aber auch jenen, denen sie schon wieder verleidet wurde." zu schaffen, hat er erreicht, mit der kleinen Einschränkung, dass diese Einführung für den "blutigen Anfänger" wohl doch etwas zu komplex ist, sodass die Gefahr besteht, dass ein solcher sie bald wieder beiseite legt.
Soziologie